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Fünf Ü40-Mannschaften Der TuS Heidkrug ist der Klub der alten Herren

Von Daniel Niebuhr | 27.08.2015, 09:28 Uhr

Fünf Teams kicken für die Heidkruger in den Ü40-Ligen. Viele Fußballer sind dem Verein seit Jahrzehnten treu

Statistisch gesehen ist der Delmenhorster Stadtteil Heidkrug eigentlich nicht weiter auffällig. Die Altersstruktur liegt dicht am Durchschnitt, 57,4 Prozent der Menschen im Bezirk Iprump/Stickgras, zu dem Heidkrug gehört, waren Ende des vergangenen Jahres mindestens 42 Jahre alt; in Zeiten des demografischen Wandels kein Wert, der einen besonders schockieren müsste. Sportlich allerdings hält der Stadtteilverein TuS Heidkrug eine Bestmarke, die im Rathaus für besorgte Gesichter sorgen könnte: Die Heidkruger stellen die meisten Oldie-Fußballer in ganz Niedersachsen. Fünf Mannschaften schickt der TuS in der heute Abend beginnenden Saison ins Rennen, mehr als 60 Ü40-Fußballer kicken zurzeit am Bürgerkampweg. Da kann kein Klub im Land auch nur annähernd mithalten.

Ende der 1990er noch sechs Herren-Teams

Die Erklärung dafür ist erstaunlich leicht zu finden – und zwar weniger im Stadtteil als mehr im Verein. Die Heidkruger schaffen es nämlich vorbildlich, die Spieler auch nach Jahrzehnten noch bei der Stange zu halten. Ende der 90er-Jahre, als der Großteil der heutigen Oldies im besten Fußballer-Alter war, bot der TuS lange Zeit sechs Herrenmannschaften auf, heute sind es mit Mühe und Not noch zwei. Viele von damals haben bis heute nicht genug. „Wir hatten in den 90ern einige starke Jahrgänge. Und wer in Heidkrug spielt, hört einfach nicht auf mit dem Fußball“, meint Carsten Barm, der die Erste und die neu angemeldete Fünfte trainiert.

Gesellschaftliches Event statt sportlicher Ehrgeiz

Wobei trainiert eigentlich schon das falsche Wort ist, denn ein Training gibt es ja gar nicht. Die Zweite und die Vierte würden seines Wissens nach schon regelmäßig außerhalb der Punktspiele auf dem Platz stehen; die Erste, aus deren großem Kader nun auch die Fünfte entstand, kommt seit Jahren nur für die Ligaspiele zusammen. Für die meisten geht es dabei weniger um sportlichen Ehrgeiz als um das gesellschaftliche Event. „Man hat beruflich und privat so viel um die Ohren. Wann sieht man sich denn normalerweise? Höchstens bei runden Geburtstagen“, erklärt Barm. „Durch den Fußball hat man einen Anreiz, sich zu treffen. Wenn umgekehrt jemand aufhört, hört man von dem in der Regel nichts mehr.“

Viel Quantität und Qualität

Dass der Klub der alten Herren nicht nur Quantität, sondern auch Qualität zu bieten hat, muss die Konkurrenz Jahr für Jahr wieder erfahren. In der vergangenen Saison standen die Erste und die Vierte im Halbfinale der Kreismeisterschaft, die Erste gewann, verlor aber das Finale überraschend gegen den SV Baris mit 2:4 im Neunmeterschießen. Nach regulärer Spielzeit ist Heidkrug I um die DFB-Pokal-erfahrenen ehemaligen Regionalligaspieler Ralf Faulhaber und Matthias Trätmar seit sage und schreibe 60 Spielen unbesiegt, die letzte Niederlage gab es vor fast genau drei Jahren am 31. August 2012 beim Delmenhorster TB.

Enttäuschungen auf Landesebene

Als Fleck auf der Heidkruger Weste bleibt allerdings das enttäuschende Abschneiden, sobald es über die Kreisebenes hinaus geht. In der Niedersachsenmeisterschaft wird die 3:4-Erstrundenniederlage bei Frisia Goldenstedt aus dem vergangenen Jahr erst einmal das letzte TuS-Resultat bleiben. „Wir haben nicht wieder gemeldet. Die Spiele sind in der Woche, da bekommen wir nicht unseren besten Kader zusammen“, sagt Barm. Kreismeister SV Baris verzichtete übrigens ebenfalls, Halbfinalist FC Hude (bei BW Bümmerstede), der TSV Ippener (beim TV Stuhr) und der TV Falkenburg (gegen BW Bakum) vertreten den Fußball-Kreis Oldenburg-Land/Delmenhorst in der ersten Runde kommende Woche.

1. Kreisklasse startet am Donnerstag

Erst einmal steht aber der Saisonstart in der Liga an. Heute Abend ab 19.30 Uhr eröffnen der Bookholzberger TB und der TuS Hasbergen II die 1. Kreisklasse, in der Kreisliga stehen am Freitag vier Paarungen auf dem Plan. Heidkrug I hat allerdings erst einmal spielfrei. „Schade“, findet Barm. „Alle sind total heiß.“ Davor schützt offenbar auch das Alter nicht.