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Fußball-Bezirksliga Rosenbohm: Atlas ein Projekt für ganz Delmenhorst

Von Daniel Niebuhr | 02.01.2016, 12:31 Uhr

Jörg Rosenbohm will den SV Atlas sportlich und wirtschaftlich weiter in der Stadt etablieren. Der Sportchef will den Kader auch im Fall des Landesliga-Aufstiegs wenig verändern.

Wer dabei war an diesem 29. Mai 2015, wer in die Gesichter im Lager des SV Atlas geschaut hat, der konnte sich nicht vorstellen, dass die Sonne in Delmenhorst jemals wieder aufgehen würde. 1:1 hatte Atlas beim VfL Wildeshausen gespielt, ein Remis, das den Aufstieg in die Fußball-Landesliga verbaute und sich mehr nach Niederlage anfühlte als alle tatsächlichen Niederlagen zuvor. Zwischen den untröstlichen Fans und den um Fassung ringenden Spielern auf dem Rasen des Krandelstadions stand damals Jörg Rosenbohm und zog an seiner Zigarette; der Sportliche Leiter war da erst seit vier Monaten für die Geschicke des Klubs mitverantwortlich, doch nicht nur deshalb fand er als einer der ersten passende Worte – und ganz bemerkenswerte noch dazu. „So schade es ist, wir hören jetzt nicht auf. Wir werden es eben nächstes Jahr machen“, sagte Rosenbohm. Die Spieler würden das auch als Chance verstehen, irgendwann, wenn der Schmerz über diese 1:1-Niederlage verflogen ist.

„Andere Vereine schlafen nicht“

Dass dieses Krandel-Trauma nun, sieben Monate später, schon vollständig verarbeitet ist, wäre wohl zu viel gesagt, allerdings hat sich Atlas durch zwölf Siege in den folgenden 14 Ligaspielen doch recht gut selbst therapiert. Der Topfavorit geht im Februar mit acht Punkten Vorsprung in den zweiten Teil der Saison, – und Rosenbohm ist als Ruhepol heute nicht weniger gefordert als damals. Die Träume von der Landesliga und Duellen mit wie Kickers Emden oder Blau Weiß Lohne liegen nahe, der erfahrene Funktionär will aber hauptsächlich über die anstehende Rückrunde sprechen. „Erst einmal müssen wir aufsteigen. Wir spielen eine sensationelle Saison, die aber noch nicht vorbei ist“, sagt der 53-Jährige. „Andere Vereine schlafen nicht, das dürfen wir auch nicht tun.“

„Nicht jedes Jahr alles austauschen“

Rosenbohm ist ein besonnener Mensch, der eine für die Fußball-Szene außergewöhnliche Geduld beweist, das zeigt sich auch in der Planung. Viel Konkretes will er zum Kader für die kommende Saison noch nicht sagen, Einzelgespräche stünden jetzt erst an. Alle Spieler hätten jedoch angekündigt, gern in Delmenhorst bleiben zu wollen; und das, findet Rosenbohm, sei doch „schon eine schöne Anerkennung“. Leichte Verschiebungen im Aufgebot seien ohne Zweifel nötig, „aber ich kann schon sagen: Die Mannschaft in der nächsten Saison wird sich von der aktuellen nicht allzu sehr unterscheiden. Unser Konzept sieht nicht vor, jedes Jahr alles auszutauschen.“

SV Atlas Delmenhorst mit 55 Sponsoren

Konstanz, das hört man heraus, ist – nicht erst unter Rosenbohm – zum blau-gelben Mantra geworden. Nachdem der Verein nach der Wiedergründung 2012 manchmal „die Brechstange rausgeholt“ und eher den kurzfristigen Erfolg gesucht hätte, stehe für die aktuelle Vereinsführung Nachhaltigkeit im Vordergrund. „Wir wollen etwas für ganz Delmenhorst schaffen. Viele Menschen in der Stadt spüren das.“ Damit meint er auch die Atlas-Sponsoren aus der Wirtschaft – 55 kleine und große Partner hat der Klub aktuell –, die nach dem verpassten Aufstieg allesamt ohne zu zögern ihr Engagement verlängert hätten, wie Rosenbohm stolz berichtet.

Mittlerweile ist auch der Umgang mit den Nachbarvereinen ein anderer. Rosenbohm und seine Kollegen sind um Respekt bemüht, er erkennt nicht ohne Neid an, dass Klubs aus der Nachbarschaft – wie der TV Jahn oder der TSV Ganderkesee – dem SV Atlas in der Basisarbeit weit voraus sind. Dass er den VfL Wildeshausen in diesem Zusammenhang nicht nennt, hat mit dem 29. Mai 2015 wahrscheinlich nichts tun.