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Fußball-Bezirksliga TSV Ganderkesee steigt bei Atlas-Meisterparty ab

27.05.2016, 23:44 Uhr

Meister SV Atlas besiegelt den Abstieg des TSV Ganderkesee aus der Fußball-Bezirksliga. Die Delmenhorster gewinnen am letzten Spieltag gegen aufopferungsvolle Ganderkeseer mit 3:2.

Das ganze Spiel über hatte er ein schelmisches Lächeln auf den Lippen gehabt, doch als alles vorbei war, war auch Daniel Lachmunds gute Laune nicht mehr zu halten. Im Mittelkreis lagen seine Spieler und vergossen Tränen über den gerade besiegelten Abstieg, und auch der Trainer des TSV Ganderkesee rang um Fassung nach einem dramatischen Schlussakt der Bezirksliga-Saison. „Es tut mir unglaublich leid“, stöhnte Lachmund. „Das sind geile Jungs, die so etwas nicht verdient haben. Aber so ist eben Fußball.“

Oberbürgermeister bei der Schalenübergabe

Und weil Fußball eben tatsächlich so ist, musste er sich, während er das sagte, die Delmenhorster Jubelgesänge anhören. Keine 100 Meter Luftlinie entfernt feierte der SV Atlas das 3:2 (1:2) gegen die aufopferungsvoll kämpfenden Ganderkeseer, nach dem der Meister die Schale von Staffelleiter Frank Schulte und Oberbürgermeister Axel Jahnz überreicht bekam. Er sei fix und fertig, aber auch stolz, sagte Atlas-Coach Jürgen Hahn und schwärmte vom Gegner: „Kompliment an die Ganderkeseer, sie haben alles reingeworfen.“

900 Zuschauer im Stadion

Und beinahe hätte dem TSV das zu einem Fußball-Wunder und zur Last-Minute-Rettung gereicht. Lachmunds Team hätte einen Sieg und Schützenhilfe gebraucht (die sie auch bekam) und kämpfte mit Herz und heftigem Einsatz um seine kleine Chance – was die phasenweise im Gala-Modus auftretenden Delmenhorster vor massive Probleme stellte. Die prächtige Kulisse von 900 Zuschauern beflügelte hauptsächlich die Gäste. Christoph Stolle gab der Hoffnung auf die Sensation weiteres Futter, er köpfte den TSV in der neunten Minute nach einer Flanke von Jan Badberg in Führung.

Atlas hatte mit so viel Widerstand offenbar nicht gerechnet und tat sich schwer, gegen mehr als robust agierende Ganderkeseer zu Chancen zu kommen. Für den Delmenhorster Ausgleich musste der TSV schon mithelfen: Atlas-Offensivmann Daniel Isailovic wurde im Strafraum zu Fall gebracht, den Elfmeter nutzte Bezirksliga-Torschützenkönig Donik Entelmann zu seinem 29. Saisontor. Allerdings spielte sich eine Minute später auf der Gegenseite fast eine Kopie dieser Szene ab. Stefan Bruns foulte Ganderkesees Angreifer Manuel Carrilho, und der gute Schiedsrichter Lukas Tepe zeigte erneut auf den Punkt. Dariusch Azadzoy hämmerte den Strafstoß in den Winkel und brachte den TSV wieder in Führung.

Karli mit dem Siegtor

Die Kaltschnäuzigkeit des SV Atlas war aber auch am Freitag wieder der große Trumpf. Iman Bi-Ria stibitzte Badberg in der 54. Minute den Ball und bediente Simon Matta, der die Partie wieder ausglich. Ganderkesee hing danach in den Seilen, hielt dank Torwart Christian Klattenhoff aber das 2:2. „Atlas konnte konditionell noch zulegen. Der Druck wurde immer größer“, sagte TSV-Routinier Timur Nakip.

In der 81. Minute hätte das Spiel aber trotzdem noch fast eine Wende zugunsten des TSV genommen: Nachdem Lachmunds Elf zuvor etliche Konter schlampig verspielt hatte, steckte der eingewechselte Michael Eberle den Ball zu Jean-Michel Dietrich durch, doch dessen Schlenzer parierte Atlas-Schlussmann Florian Urbainski mit den Fingerspitzen.

Hitzige Schlussphase

In der Schlussphase wurde es dann chaotisch, zwischenzeitlich gerieten Hahn und Lachmund in der Ganderkeseer Coachingzone und mehrere Spieler auf dem Feld aneinander – die Nerven lagen auf beiden Seiten blank. Entelmann hätte gegen aufgerückte Gäste für Beruhigung sorgen können, er scheiterte aber zweimal freistehend an Klattenhoff. Beim dritten Mal – in der Schlussminute – behielt er schließlich die Übersicht und legte quer auf Musa Karli, der zum 3:2-Siegtreffer einschob; damit besiegelte er den Ganderkeseer Abstieg und den 27. Atlas-Sieg im 30. Spiel.

Während die TSV-Spieler mit dem Schlusspfiff trauerten, begann die Delmenhorster Meisterparty. Sogar Jahnz bekannte: „Auf diesen Tag habe ich mich richtig gefreut.“ Man sah den Atlas-Verantwortlichen aber auch die Erleichterung an über den siegreichen Abschluss dieser rekordverdächtigen Saison. „Wir wollten uns den Sieg nicht so hart erarbeiten. Ich hätte nicht gedacht, dass es so schwer wird“, schnaufte Teammanager Bastian Fuhrken. Die meisten Ganderkeseer kauerten da noch auf dem Rasen oder hatten sich in die Kabine verkrochen – wo sie von der Niederlage des VfL Oldenburg II erfuhren, die ihnen im Falle eines eigenen Sieges den Klassenerhalt beschert hätte. Freund und Leid lagen in Delmenhorst am Freitagabend nah beieinander.