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Fußball-Bezirksliga VfL Stenum gewinnt Derby beim TSV Ganderkesee 4:1

Von Frederik Böckmann, Frederik Böckmann | 13.03.2016, 19:19 Uhr

Fünf Tore, ein Elfmeter, ein Slapstick-Eigentor und viele Emotionen: Das Gemeindederby zwischen dem TSV Ganderkesee und dem VfL Stenum sorgte für viel Kurzweil. Während die Gäste genüsslich ihren 4:1 (2:1)-Erfolg feierten, echauffierten sich die Gastgeber vor allem über eine Szene.

Während des Spiels war Daniel Lachmund schon restlos bedient, auch nach dem Schlusspfiff eines kurzweiligen Derbys schüttelte der Trainer des TSV Ganderkesee über die aus seiner Sicht spielentscheidende Szene bei der 1:4 (1:2)-Heimniederlage gegen den VfL Stenum noch immer den Kopf. „Der Ball liegt zwei Mal fast unter der Stenumer Auswechselbank. Acht Spieler hören plötzlich auf Fußball zu spielen. Das muss der Schiedsrichter doch sehen ...“.

„Das“, das war die 77. Spielminute: VfL-Spielmacher Bastian Morche suchte an der Seitenauslinie den Zweikampf mit Ganderkesees Außenverteidiger Marc Rässler – und dribbelte den Ball zumindest wohl ein Mal ins Aus. Schiedsrichter Felix Otten (Wardenburg) und sein Assistent ließen die Szene jedoch weiterlaufen, in dessen Folge Lennart Höpker mit einem Schuss an TSV-Torwart Felix Dittrich scheiterte, den Abstauber Viktor Stetinger zum 3:1 jedoch über die Linie köpfte – und heftige Proteste der Gastgeber auslöste. „Das war der Knackpunkt des Spiels“, fand Lachmund und war sich sicher: „Wenn wir in dieser Phase das 2:2 machen, kippt das Spiel.“

VfL Stenum mit der reiferen Spielanlage

Lachmunds Einschätzung wollte sein Gegenüber Thomas Baake nach dem Spiel so nicht stehen lassen. Aus zwei Gründen: Zum einen sah der VfL-Trainer den Ball bei der besagten Szene in der 77. Minute „nicht mit vollem Umfang im Aus“, zum anderen meinte er: „Selbst wenn wir das 3:1 nicht machen, verliert Ganderkesee das Spiel.“

Unverdient war der achte Stenumer Saisonerfolg in der Tat nicht. Im Gegenteil: Der VfL hatte die reifere Spielanlage, die besseren Ideen und besaß im Endeffekt auch die Mehrzahl an Chancen. „Wir haben das Spiel dominiert“, meinte Baake und freute sich über den „leidenschaftlichen“ Auftritt seiner personell arg gebeutelten Mannschaft: Mit den beiden Torhütern Marco Scheffler und Ole Siedenburg sowie Kapitän Julian Dienstmaier, Defensivallrounder Kristian Bruns und Antreiber Lukas Schwieters fielen gleich fünf wichtige, eingeplante Kräfte kurzfristig krankheitsbedingt aus. Dafür beorderte Baake mit Fynn Dohrmann und Helge Peterhagen zwei A-Jugendliche in die Startelf, mit dem eingewechselten Jonas Müller kam später noch ein dritter A-Junior dazu.

TSV Ganderkesee erhöht nach der Pause den Druck

Vor 270 Zuschauern war Stenum in der ersten halben Stunde das bessere Team. Die Folge: Bastian Morche (8., Kopfball nach Dittmar-Flanke) und Marc-Andre Klahr (26., nach starker Höpker-Vorarbeit) brachten den VfL mit 2:0 in Front. „Wir haben uns gut auf Ganderkesee Spielanlage mit deren vielen langen Bällen eingestellt“, sagte Baake. „Das war einfach zu verteidigen.“ Nach 31 Minuten fand Ganderkesee aber zurück ins Spiel. Rässler wurde nach einem Alleingang von VfL-Torwart Maik Panzram im Strafraum per Foul gestoppt, den Elfmeter verwandelte Darius Azadzoy sicher – 1:2. Die TSV-Bank hätte in dieser Szene gerne eine Rote Karte gegen Panzram gesehen, doch Otten beließ es mit Gelb – und lag damit richtig.

Kurz vor und nach der Pause hatte der agile Morche das 3:1 für die Gäste auf dem Fuß (40./50.). Doch mit dem Wind im Rücken wurden die Hausherren in Hälfte zwei zunehmend stärker – vor allem Mittelstürmer Manuel Carrilho, Oldie Sven Apostel und Rechtsaußen Robin Ramke machten viel Druck. Die Riesenchance zum Ausgleich bot sich Carrilho, als er VfL-Torwart Panzram schon umspielt hatte, danach aber nur den Außenpfosten traf (52.).

Slapstick-Eigentor zum 4:1-Endstand

In der Folge blieb Ganderkesee am Drücker. Nur: Zwingend wurde der TSV im Strafraum selten. Die besseren Chancen hatte weiter Stenum, etwa durch Höpker (61., Kerner klärt vor der Linie) und Morche (62./68., Dittrich pariert stark), ehe Stetingers Kopfball-Abstauber zum 3:1 für die Entscheidung sorgte (77.). Es passte irgendwie ins Ganderkeseer Bild, dass ein Slapstick-Eigentor zum 1:4 für den Endstand sorgte: Sven Apostel spielte einen Rückpass zu ungenau zu Torwart Dittrich zurück, der haute über den Ball, sodass dieser ins Netz kullerte (80.). Dass Ganderkesee danach noch drei Möglichkeiten durch Carrilho (85.), Apostel (86.) und Christoph Stolle (86.) besaß, blieb nicht mehr als eine Randnotiz. „Auf die letzten 50 Minuten der Partie können wir aber aufbauen“, meinte Lachmund. „Das waren wir energischer, zweistampfstärker, emotionaler.“