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Fußball-Bezirksliga VfL Wildeshausen bezwingt SV Tur Abdin zu zehnt

Von Daniel Niebuhr | 12.11.2017, 22:25 Uhr

Bezirksliga-Spitzenreiter VfL Wildeshausen bezwingt den starken SV Tur Abdin in Unterzahl mit 2:0.

Als die Punkte verteilt und die Jubelschreie verklungen waren, war am Sonntag die Zeit der Laudatoren gekommen. Als Gast durfte Christian Kaya höflicherweise den Anfang machen. Der Trainer des SV Tur Abdin hatte seine Hände wie gewohnt in den Taschen verborgen, als er kurz nach dem Abpfiff über das 0:2 (0:0) beim VfL Wildeshausen sprach; er brauchte aber auch keine Gesten, um dem Nachbarn alles Gute zu wünschen. „Wildeshausen ist zurecht Erster“, stellte der 29-Jährige nüchtern fest und gab dem Gegner den Wunsch mit auf den Weg, „dass sie es auch durchziehen. Wenn sie Meister werden, würde ich mich sehr freuen.“ Wildeshausens Coach Marcel Bragula antwortete kurz darauf mit der Siegerzigarette zwischen den Lippen: „Tur Abdin spielt guten Fußball und hat uns einen geilen Kampf geliefert.“

Ole Lehmkuhl sieht Gelb-Rot

Die Analyse der Übungsleiter war das Kontrastprogramm zu den 90 Minuten zuvor, in denen sich die beiden Fußball-Bezirksligisten verbissen beharkt hatten und manches Mal aneinandergeraten waren. „Es war hart, aber nicht unfair“, fand Bragula, der mit seinem Team zweifellos einen Bigpoint im Titelrennen mit dem SV Brake landete. Vor allem, weil Spitzenreiter VfL eine Halbzeit zu zehnt spielte.

Es passte zur starken Wildeshauser Saison, dass sie einen Gegner bezwangen, der fast alles richtig gemacht hatte. Der Tabellenvierte Tur Abdin war mutig und geschlossen aufgetreten und hatte den VfL mit cleverem Pressing und couragiertem Zweikampfverhalten schon in der ersten Halbzeit völlig entnervt. Can Blümel hatte für die Gäste die beste Chance mit einem Pfostenschuss in der 19. Minute, auf der Gegenseite herrschte zweimal Aufregung, weil Schiedsrichter Christian Flitz den Gastgebern zwei Strafstöße verwehrte. Überhaupt rieben sich die Wildeshauser in permanenten Diskussionen mit den Unparteiischen auf, der Ole Lehmkuhl unmittelbar vor dem Pausenpfiff nach einem taktischen Foul an Manuel Celik zurecht mit Gelb-Rot vom Platz schickte. In der Pause wollte Bragula Flitz zur Rede stellen, wurde aber von Abteilungsleiter Ottmar Jöckel zur Ordnung gerufen. „Ich war nicht einverstanden. Der Platzverweis war korrekt, er hat aber Fouls auf beiden Seiten unterschiedlich bewertet“, fand Bragula.

Tur Abdin im Strafraum gehemmt

In Überzahl hatte Tur Abdin mehr Ballbesitz, die fußballerisch glänzenden Offensivkünstler wirkten im Strafraum aber seltsam gehemmt. Viele gut vorgetragene Angriffe blieben hängen, am dichtesten kam Celik, der aus spitzem Winkel an VfL-Torwart Sebastian Pundsack scheiterte. Die Delmenhorster arbeiteten ein halbes Dutzend Ecken heraus, die überall hinsegelten – nur nicht dorthin, wo es hätte gefährlich werden können. „Unsere Standards waren schwach, daran müssen wir arbeiten“, bekannte Kaya.

Umso cleverer machten es die Wildeshauser, die mit einem traumhaften Konter elf Minuten vor Schluss in Führung gingen. Über Sascha Görke und Michael Eberle kam der Ball zu Maximilian Seidel, der vor dem leeren Tor fast die Nerven verloren hätte – sein Schuss sprang vom Innenpfosten zur Wildeshauser Erlösung ins Tor. Beim anschließenden Torjubel war neben Bragula auch die halbe Ersatzbank mit dabei. „Die Geschichte des Spiels hat für Anspannung gesorgt. Die musste raus“, sagte der 43-Jährige.

Wildeshausen eiskalt

Tur Abdin riskierte nach dem Rückstand alles und brachte mit David Uyar in der 83. Minute einen weiteren Angreifer, der Sekunden nach seiner Einwechslung den Ausgleich auf dem Stiefel hatte. Sturmkollege Andreas Lorer legte mit der Hacke ab, doch Pundsack parierte Uyars Schuss mit dem Fuß. Im Gegenzug enteilte Seidel der weit aufgerückten Gäste-Abwehr setzte die Kugel jedoch ohne Gegenspieler am Tor vorbei. Die Entscheidung fiel in der 90. Minute, als Daniel Karli Görke im Abdin-Strafraum foulte. Eberle schob den Elfmeter zum 2:0 ins Netz. „Da ist Wildeshausen eiskalt“, stöhnte Kaya: „Wir hatten sie, wo wir sie haben wollten, haben es aber nicht zuende gebracht.“

Nach zehn Punkten aus den vergangenen vier Spielen war es mal wieder ein Rückschlag für Kayas Team, das aber dennoch Vierter blieb. „Für ganz oben sind wir auch nicht reif. Das ist noch nicht unser Anspruch, da ist Wildeshausen schon weiter“, meinte der Coach.