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Fussball Jahn-Spielerinnen werden auf Herz und Gelenke untersucht

Von Lars Pingel | 25.07.2017, 23:43 Uhr

Der DFB schreibt vor, dass die Spielerinnen des Zweitliga-Aufsteigers TV Jahn Delmenhorst vor dem Saisonstart einen Medizincheck absolvieren. Den übernimmt das Josef-Hospital

Die sportliche Qualifikation für die Zweite Bundesliga haben die Fußballerinnen des TV Jahn Delmenhorst schon seit dem 7. Mai sicher. Nach einem 5:0 gegen Fortuna Celle stand fest, dass sie in der Saison 2017/2018 in der zweithöchsten Spielklasse antreten können, da ihnen der zweite Platz in der Regionalliga-Tabelle nicht mehr zu nehmen war. Der ebenfalls schon feststehende Meister Werder Bremen II hatte bereits erklärt, dass er auf den Aufstieg verzichtet. Damals war aber noch längst nicht sicher, dass tatsächlich ein Jahn-Team Spieltag 2017/2018 in der 2. Liga auflaufen darf. Das ist inzwischen aber keine Frage mehr, denn das Team um die erfolgreiche Mannschaft, das die Leiter der Frauenfußball-Abteilung Petra Zimolong und Bernd Hannemann führen, hat hart dafür gearbeitet, die organisatorischen Vorgaben, die der Deutsche Fußball-Verband einem Zweitligisten macht, zu erfüllen: Der Verband hat dem TV Jahn die Lizenz erteilt, am 3. September muss die Mannschaft beim USV Jena II antreten. Von jetzt an sind wieder die Spielerinnen gefordert – allerdings nicht nur auf dem Trainingsplatz. Der DFB schreibt nämlich auch vor, dass sich jede von ihnen einer ärztlichen Untersuchung auf orthopädischem und kardiologisch-internistischem Gebiet unterziehen und so ihre Tauglichkeit für den Hochleistungssport nachweisen muss. Diesen Medizincheck übernimmt das Josef-Hospital Delmenhorst.

Ärzte arbeiten außerhalb ihrer Dienstzeit

Die ersten acht Jahn-Fußballerinnen haben die Untersuchung auf Herz und Gelenke an diesem Dienstag absolviert. „Vor dem DFB-Pokalspiel am 24. August in Magdeburg, also vor dem ersten Pflichtspiel, müssen alle Ergebnisse beim DFB sein“, erzählte Zimolong. „Nur dann erteilt er die Spielerlaubnis.“

Als Sportarzt leitet Jörg Retzlaff, KIinikdirektor und Chefarzt der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, die Untersuchungen. Er wird dabei unter anderem von der Oberärztin Dr. Anne Katrin Rucktäschel, Dr. Holger Dießel (Facharzt für Chirurgie) und Dr. Klaus Gutberlet (Chefarzt der Klinik für Innere Medizin) unterstützt. „Wir machen das mit mehreren Ärzten außerhalb der Dienstzeit“, sagte Gutberlet. „Als die Anfrage kam, haben wir schnell zugesagt. Dann haben wir einen Zettel ausgehängt, in den sich jeder eintragen konnte.“ Das sei gut angenommen worden. Es sei bekannt, dass es Vereine schwer haben, eine derartige Betreuung zu finden, erklärte Gutberlet. „Das ist ein Delmenhorster Verein, wir sind das Delmenhorster Krankenhaus“, erklärte er die Motivation. „Wenn Delmenhorster Fußballerinnen so tollen Erfolg haben, wollen wir das gerne unterstützen“, ergänzte Rucktäschel.

Beweglichkeit der Gelenkte wird getestet

Der orthopädische Teil „ist eine Ganzkörperuntersuchung“, erklärte Rucktäschel. Dabei werde beispielsweise die Beweglichkeit der Gelenke getestet und nach muskulären Dysbalancen gesucht. Ein typisches Problem von Fußballerinnen und Fußballern sei übrigens eine verkürzte Hüftbeugemuskulatur, die sich aus dem Training und der spezifischen Wettkampfbelastung dieses Sports ergibt. „Dagegen kann man etwas tun“, sagte die Ärztin. Deshalb werde sie auch Trainingseinheiten des Jahn-Teams besuchen. Denn: Die Zusammenarbeit zwischen dem Josef-Hospital und den Fußballerinnen endet nicht nach Abschluss der vom DFB vorgeschriebenen Medizinchecks. Es wurde eine Kooperation vereinbart. „Wenn wir etwas machen, dann machen wir es auch richtig“, sagte Rucktäschel. Sie werde die Mannschaft auch bei Spielen betreuen.

Medizincheck ist anstrengend

Eine der ersten Jahn-Spielerinnen, die den Test absolvierte, war Kristin Meyer. „Schon, ja“, sagte sie auf die Frage, ob er anstrengend gewesen sei. Auf einem Fahrrad-Ergometer war ein Belastungs-EKG vorgenommen worden, auch ein Ruhe-EKG stand auf dem Programm. Ziel sei es, herauszufinden, ob das Herz leistungsfähig genug ist. „Wir wollen angeborene Anomalien feststellen“, erklärte Gutberlet. Der Blutdruck wurde gemessen, Blut abgenommen. Und es wurde ein genauer Blick in das Impfbuch geworfen. „Impfungen, zum Beispiel gegen Tetanus, sind einfach zweckmäßig“, sagte Gutberlet. Am Ende des Medizinchecks ist ein siebenseitiger Fragebogen ausgefüllt, der an den DFB geht.

TV Jahn lobt die Zusammenarbeit

„Wir sind heilfroh, dass das Josef-Hospital zugesagt hat“, sagte Zimolong. „Dort hatten alle sofort ein offenes Ohr für uns. Das ist schon bemerkenswert.“ Dass aus den Gesprächen über einen Medizincheck sogar eine Zusammenarbeit wurde, findet sie großartig: „Das ist schon ein großer Vorteil für uns.“