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Fußball-Kreisliga Dem KSV Hicretspor laufen die Spieler weg

Von Frederik Böckmann, Frederik Böckmann | 30.12.2016, 22:08 Uhr

Der Fußball-Kreisligist KSV Hicretspor Delmenhorst ist weiter auf Trainer-Suche und steckt jetzt in einem anderen Dilemma: Er hat aktuell nur elf Feldspieler im Kader.

Der Rücktritt von Ex-Trainer Chawkat El-Hourani zog sich im Herbst wie ein Kaugummi hin, in der Liga sammelten sie mehr Platzverweise (acht) als Punkte (sieben) und nach zwei Spielabbrüchen (weil sie nicht mehr genügend Spieler aufbieten konnten) fiel das Echo bei den Kreisliga-Konkurrenten auch nicht gerade positiv aus. Keine Frage: Diese Halbserie war für die Fußballer des KSV Hicretspor eine zum Vergessen. In der Außendarstellung bekleckerte sich der Kultur- und Sportverein nicht gerade mit Ruhm, sportlich taumelt Hicretspor als Letzter dem Abstieg entgegen. (Weiterlesen: KSV Hicretspor ist die launische Diva)

Nur zu gerne hätten die Düsternorter in diesen Tagen mit der Verpflichtung eines neuen Trainers wieder positive Meldungen produziert. Doch seit einigen Wochen hat Hicretspor ein anderes Problem: Dem KSV läuft die halbe Mannschaft weg. „Wir brauchen erst einmal neue Spieler, bevor wir einen Trainer verpflichten können“, klagt Fußball-Obmann Mithat Uzun, der seit Ende Oktober Interimstrainer ist. (Weiterlesen: KSV Hicretspor sehnt die Winterpause herbei)

Kapitän schon weg, die Torjäger wohl auch bald

Praktisch die ganze Hinrunde hatte der KSV mit Personalproblemen zu kämpfen, die sich seit der Winterpause immens verschärften. Mindestens fünf Leistungsträger plus eventuell weitere Akteure werden Hicret verlassen, sagt Uzun und zählt „aktuell nur elf Feldspieler“.

Der Abgang von Turgay Thuran zum Stadionnachbarn RW Hürriyet ist bereits fix; der Kapitän lief schon am vergangenen Wochenende für die Rot-Weißen beim 31. Friedensturnier des SV Baris auf. Torjäger Hayri Sevimli darf zum Liga-Rivalen TSV Ippener wechseln und seinem sportlichen Ziehvater Chawkat El-Hourani folgen, „wenn er seine Sachen bei uns erledigt hat“, wie Uzun erzählt. Nach Ippener zieht es auch Abwehrmann Yusuf Kalmis, dem Hicret allerdings noch keine Freigabe erteilt hat. Ebenfalls seinen Abgang angekündigt hat Torwart und Trainer-Sohn Harun Uzun, der Sohn von Uzun. Auch mit der Rückkehr von Stürmer Cem Hilken rechnet man nicht mehr. Schwarzmalen will Mithat Uzun aber nicht. Er blickt durchaus positiv in die Zukunft.

Neuzugänge vom TV Jahn Delmenhorst?

Denn mit Sinan Yorgancioglu, Hasan Gökdeniz und Hilmi Yavuczan vom TV Jahn bahnt sich die Rückkehr von drei Spielern an, die Uzun bei Hicret schon in der Jugend trainiert hat. Zudem werden wohl Kicker aus Bremen-Nord zum KSV wechseln. „Wir brauchen einen Kader von mehr als 20 Spielern, dann können wir vernünftig arbeiten“, sagt der Aushilfscoach, der zuversichtlich ist, danach einen neuen Trainer präsentieren zu können – um selbst wieder in in das zweite Glied zu rücken. Der Klassenerhalt sei ohnehin nicht mehr das primäre Saisonziel, sondern dieses: „Wir planen jetzt einen Neuaufbau.“ Mit charakterlich einwandfreien Spielern und weniger negativen Ausreißern. „Wir haben den Mut nicht verloren“, betont er.

Dem in der Fußball-Szene kursierenden Gerücht, dass Hicretspor mit dem Stadionnachbarn RW Hürriyet kooperieren oder sich gar zusammenschließen will, erteilte Uzun übrigens eine klare Absage. Mit dem früheren Hürriyet-Vorstand habe es solche Überlegungen in der Tat gegeben, erzählt er. Mit den neuen Frontmännern bei RWH seien diese Pläne aber schnell ad acta gelegt worden. Mit Blick auf die Tabellenstände der beiden abstiegsbedrohten Klubs sagt Uzun mit bitterem Sarkasmus: „Wir gehen lieber gemeinsam unter.“