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Fußball-Kreisliga Die Zweite des SV Atlas Delmenhorst und ihr mühevoller Weg

Von Andreas Bahlmann, Andreas Bahlmann | 06.01.2018, 15:53 Uhr

Sportlich läuft es ordentlich, dennoch hadert Fußball-Oberligist des SV Atlas Delmenhorst mit seiner Reserve.

Demnächst werden sie beim SV Atlas wieder über ihr großes Sorgenkind diskutieren. Im Januar stehen Gespräche über die sportliche Zukunft der zweiten Mannschaft des Fußball-Oberligisten an, das Trainer-Duo Steven Herrmann und Sven Schlundt wird sich mit dem Vorstand zusammensetzen, man wird über die Hinrunde reden und – wenn es nach Wunsch der Trainer geht – die Zusammenarbeit vorzeitig verlängern. Schließlich gibt es, wie Schlundt feststellt, „beim SV Atlas spannende Perspektiven“.

Es ist zu vermuten, dass man sich letztlich einig wird – denn der Trainer-Job in der Reserve ringt wahrlich nicht jedem so viel Enthusiasmus ab. Atlas II steht als Sechster der Kreisliga ordentlich da, dennoch bleibt das Team eine Dauerbaustelle, die mehr Zeit und Nerven kostet als erwartet, wie die Verantwortlichen erstaunlich klar durchblicken lassen. „Wir können auf keinen Fall zufrieden sein“, klagt zum Beispiel Teammanager Tammo Renken. „Mit unserem Kader hatten wir uns eine bessere Ausbeute gewünscht.“ Steven Herrmann bekennt: „Wir haben einiges an Punkten weggeschmissen.“

„Zusammengewürfelter Haufen“

Derartige Selbstkritik ist bemerkenswert, denn auf dem Papier gibt es seit dem Sommer eigentlich kaum Grund zur Klage. Nach einer nicht eingeplanten Ehrenrunde in der 1. Kreisklasse gelang – wenn auch als Nachrücker – der Aufstieg in die Kreisliga, dort ist die Bilanz mit sieben Siegen, vier Unentschieden und vier Niederlagen positiv. Doch noch immer ist die Mannschaft auf der Suche nach sich selbst, wie schon manche Statistik vermuten lässt. Atlas II hat bereits 33 Spieler eingesetzt und trotzdem in vielen Partien große Personalnot. Etliche Verletzungen, besonders von den Leistungsträgern Murat Aruk und Daniel von Seggern, waren ein Grund, fehlendes Teamgefühl ein anderer. „Wir sind leider keine richtige Mannschaft. Das ist immer noch ein zusammengewürfelter Haufen aus A-Jugendlichen, Spielern der bisherigen 2. Herren und der Ersten. Es gibt kein richtiges Mannschaftsgefüge und keine Hierarchie“, klagt Renken. Zum Leidwesen der Trainer: Unzufriedene Spieler hätten „schon mal schlechte Stimmung im Kader verbreitet, das mussten wir teilweise mit deutlichen Ansprachen lösen“, sagt Trainer Herrmann.

Die Rolle als Abstellgleis für Spieler aus dem Oberliga-Team ist durchaus gewollt, führt aber zu ständig wechselnden Aufstellungen. Und manchmal zu teuren Missgeschicken. Das spektakuläre 7:2 bei Kreispokalsieger VfR Wardenburg wurde nachträglich gegen Atlas gewertet, weil Verteidiger Mark Spohler aus der ersten Mannschaft nicht hätte spielen dürfen. Aus den folgenden vier Partien gab es dann nur zwei Punkte. „Das hat nachgewirkt“, sagt Sven Schlundt. „Aber wir werden unsere Lektion lernen und künftig zweimal nachfragen.“

Später Vorbereitungsstart

Dass am Ende der Lernphase der Aufstieg stehen soll, wird bei Atlas offen kommuniziert. Schon für die nächste Saison schwebt Herrmann ein Angriff auf die Spitzenplätze vor: „Wir basteln schon am Kader und werden eine schlagkräftige Truppe haben.“ Für den zweiten Teil der Saison 2017/18 kündigt er an: „Wir spielen noch gegen alle Vereine, die über uns stehen. Ich halte Platz drei für realistisch.“ Auch wenn Atlas II erst am 29. Januar in die Vorbereitung startet. Der grobe Zeitplan sieht einen Aufstieg in den kommenden drei Jahren vor – „aber der Verein macht uns keinen Druck“.

Mindestens ebenso wichtig ist allerdings die Weitentwicklung der Reserve zum echten Aushängeschild der mühevoll wachsenden Nachwuchsabteilung. „Es tut sich in unserer Talentförderung viel, aber wir brauchen noch Zeit“, sagt Manager Renken und klingt wie ein Visionär, wenn er sagt: „Eine echte U23 und ein SV Atlas, der von seinen eigenen Talenten lebt, das wäre großartig.“