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Fußball-Kreisliga Önder Caki: Auch mit 43 Jahren noch topfit

Von Frederik Böckmann | 03.09.2015, 00:08 Uhr

Trainer Önder Caki spielte bislang in allen Partien seines SV Baris Delmenhorst mit – notgedrungen. Er scheut auch keine Konflikte mit seinem Sohn Mert.

Am Tag nach dem Nachholspiel beim VfR Wardenburg wirkte Önder Caki aufgeräumt. Der Fußballer-Trainer des SV Baris lachte, scherzte und klang nicht wie jemand, dessen Team wenige Stunden zuvor eine heftige 1:5-Klatsche hatte einstecken müssen. Doch zwischen den Zeilen war Cakis Unmut über den schlechten Saisonstart des Kreisligisten deutlich zu hören. „Wir hätten eigentlich neun Punkte auf dem Konto haben müssen“, sagt Caki. Nach vier Spielen sind es aber erst vier Zähler.

„Das hatten wir uns natürlich anders vorgestellt“, sagt Caki. „Wir laufen jetzt schon der Spitze hinterher.“ Aktuell riecht es beim türkischen Klub eher nach grauem Mittelfeld statt dem selbst ausgerufenen Aufstiegskampf. Aber sein Team, so erzählt Caki, krieche durch Urlaube und Verletzungen personell aktuell eben auf dem Zahnfleisch. „Es ist zur Zeit einfach nicht mehr möglich.“ Die Folge: Das überschaubare Personal, das Caki zur Verfügung steht, hat aus dem Coach Caki, der am Spielfeldrand steht und Anweisungen gibt, den Spielertrainer Caki gemacht. Wieder einmal. Und notgedrungen.

„Wir hatten teilweise nur elf, zwölf Spieler“

Erst 90 Minuten gegen KSV Hicretspor (2:3), dann 90 Minuten beim TV Jahn (1:1), eine Minute gegen SV Achternmeer (3:2) und am Dienstag noch einmal 20 Minuten in Wardenburg. Caki ist in der ersten Phase der Saison nicht nur eine bessere Teilzeit- sondern schon fast ein Vollzeitkraft – und das mit 43 Jahren!

„Was soll ich machen? Wir hatten teilweise nur elf, zwölf Spieler. Irgendeiner muss ja spielen“, erklärt Caki. Dabei wollte er sich nach seiner Trainer-Rückkehr 2013 zum SV Baris, bei dem er Mitte der 90er schon mal Spielertrainer war, eigentlich voll auf das Coaching konzentrieren.

In der Defensive an der Seite von Sohn Mert

Nun steht Caki mit Sohn Mert (21) gemeinsam auf dem Platz – als zentraler Mann in der Abwehr. Für Önder Caki ist das kein Problem. „Ob ich die Anweisungen nun von der Seitenlinie oder auf dem Feld gebe, das ist nicht so entscheidend.“ Auch mögliche Dispute mit seinem Sohn sieht er gelassen „Das ist kein Problem“, sagt Caki und lacht. „Wenn wir uns streiten, ist nach dem Spiel alles gegessen.“

Unstrittig ist, dass Caki seinem Team mit seiner Erfahrung, seiner Übersicht und seinen Pässen weiterhilft. Damit steht der Baris-Coach in eine Reihe mit weiteren Recken wie Jahn-Trainer Timur Cakmak (39) und Berne-Coach Michael „Magic“ Müller (45). Diese wollten ebenfalls kürzer treten, sprangen in dieser Saison aber immer wieder als Spieler ein, wenn Not am Mann ist – und weil sie mit ihren Leistungen ihre Teams voranbringen.

Keine Probleme mit dem Tempo

Das Tempo über 90 Minuten mitzugehen, damit hat Caki kein Problem. Er sei noch immer „topfit“. „Als Spieler war ich schon immer sehr trainingsfleißig. Ich gehe gerne an meine Grenzen.“ Auch heute versuche er, bei den Einheiten viele Übungen mitzumachen und „voranzugehen“. Dennoch sieht Caki seine Einsätze nicht als Dauer- und schon gar nicht als Optimallösung, weshalb der Trainer Önder Caki den Spieler Önder Caki eigentlich am liebsten wieder aussortieren will – weil der Coach wohl bald wieder mehr kickendes Personal zur Verfügung hat.

Ob sich Caki trotzdem bei Bedarf weiterhin aufstellt? Ausschließen will der Baris-Trainer für die Zukunft jedenfalls nichts – und erzählt eine kleine Anekdote von seinem zweiten Sohn Anil. Der 16-jährige Torwart der Baris-B-Jugend habe ihn nämlich vor kurzem aufgefordert, „unbedingt noch zwei Jahre als Trainer dranzuhängen“ – damit auch er mit seinem Vater zusammenkicken könne. 2017 ist Önder Caki 45. Und auf dem Feld vermutlich noch immer eine Bereicherung für die Kreisliga IV.