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Fußball-Kreisliga Rot-Weiß Hürriyet will es noch einmal wissen

Von Daniel Niebuhr | 20.01.2016, 22:14 Uhr

Kreisliga-Schlusslicht Rot-Weiß Hürriyet rüstet für den Abstiegskampf personell auf. Trainer Mete Döner bringt sich bei seinem neuen Klub direkt voll ein.

Die meisten Fußballer tun naturgemäß nichts lieber als Fußball zu spielen, weshalb viele gerade unter einer ernsten Winter-Melancholie leiden. Ein Kreisliga-Trainer sollte nach Wochen ohne Freiluftspiel demnach eigentlich schon längst die Tapeten von den Vereinsheimwänden gerissen haben vor lauter Entzugserscheinungen, Mete Döner allerdings ist in dieser Hinsicht ein spezieller Vertreter seiner Zunft – er trainiert ja auch einen speziellen Verein. Am 31. Januar soll Rot-Weiß Hürriyet eigentlich zum Jahresauftakt beim FC Hude auflaufen; wenn es nach dem Coach geht, darf dann gerne noch eine Schneedecke auf den Plätzen liegen. „Ich würde mir wünschen, dass es ausfällt. Wir brauchen so viel Vorbereitungszeit wie möglich“, sagt er.

Elf Punkte Rückstand auf das rettende Ufer

Man muss an dieser Stelle für Verständnis werben; die Herausforderung, die Döner in den kommenden Monaten vor sich hat, erfordert in der Tat eine Menge Anlauf. Mitte Dezember hat er das von Niederlagen und internen Streitigkeiten gebeutelte Schlusslicht übernommen und im ersten Spiel bei Aufsteiger SVG Berne eine 0:12-Packung kassiert. Elf Zähler beträgt der Rückstand auf das rettende Ufer, das sind fast dreimal so viele, wie Hürriyet mit einem Sieg und einem Remis aus den bisherigen 15 Spielen geholt hat.

Vier Neue im Winter, weitere sollen folgen

Döner lässt sich von erschwerten Arbeitsbedingungen aber generell nicht schocken – er reagiert stattdessen mit verstärktem Engagement. In der Winterpause hat er bereits einen Co-Trainer, einen neuen Sponsor und vier neue Spieler verpflichtet, die Hoffnung machen. Torwart Tuna Sahinkaya bringt Döner quasi von seiner vorherigen Station KSV Hicretspor mit, in der Vita des 28-Jährigen stehen sogar drei U17-Länderspiele für die Türkei. Spielmacher Yasin Güney kommt ebenfalls vom Stadtrivalen, Innenverteidiger Stefan Kirst von der SG Bookhorn und Offensivmann Ümit Ekiz vom Bremer Landesligisten SV Hemelingen, auch wenn er verletzungsbedingt monatelang kein Spiel bestritten hat. Neu dabei ist auch Assistent Mehmet Ali Elibol, der Döner unterstützt und von ihm zweifellos einiges lernen kann – zum Beispiel, wie eine Vorbildfunktion zu interpretieren ist. „Ich gebe immer alles, aber nur, wenn die Spieler das auch tun“, sagt Döner, der es als gutes Zeichen sehen darf, dass beim Training auf dem verschneiten Schlackeplatz im Delmenhorster Stadion im Schnitt 16 bis 17 Akteure dabei sind. Am Dienstag, bei einer wegen des ausgefallenen Testspiels bei OT Bremen spontan angesetzten Einheit, waren es 14, darunter auch Gastspieler, die als weitere Neuzugänge infrage kommen. „Wir werden sicher noch was machen“, kündigt Döner an.

Das wird wohl auch nötig sein, schließlich haben sieben Spieler den Klub im Winter verlassen, darunter Kapitän Adrian Mazur, der sich wohl dem Bezirksligisten VfL Stenum anschließt. „Wir wissen, dass es schwer wird“, sagt Döner: „Zumindest wollen wir im Abstiegskampf mal für Spannung sorgen. Mir ist das wichtigsten, dass wir als Team intakt sind. Das wäre schon ein großer Fortschritt. Wenn wir dann eine Serie starten – wer weiß, was noch passiert?“