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Fußball-Kreisliga Rot-Weiß Hürriyet zwischen Vorsicht und Vorfreude

Von Daniel Niebuhr | 05.07.2018, 12:30 Uhr

Die Fußballer von RW Hürriyet Delmenhorst wirken seriös und gefestigt wie lange nicht. Der Aufsteiger in die Kreisliga hat sich unter Trainer Mete Döner stabilisiert. Der Verein meldet nach sieben Jahren wieder eine zweite Mannschaft – doch Döner gibt den Mahner.

Die Hütchen waren schon eingesammelt und die Spieler in der Kabine verschwunden, da sprach Mete Döner am Ende des Trainings große Worte ganz gelassen aus. Der Trainer von Rot-Weiß Hürriyet hatte selbst mitgekickt und war schweißgebadet, als er sagte: „Dieser Verein hat schon viel erreicht, aber wir sind noch lange nicht über den Berg.“

Das war ein bemerkenswerter Satz zu einem bemerkenswerten Zeitpunkt. Die Delmenhorster bereiten sich nach zwei Jahren in der Kreisklasse gerade auf ihre Rückkehrsaison in der Fußball-Kreisliga vor – dabei hatte es vor nicht allzu langer Zeit noch so ausgesehen, als würde der 1976 gegründete, einstige Gastarbeiter-Verein in Kürze den Spielbetrieb einstellen. Döner hat das Team jedoch mit seiner ruhigen Art nach dem Abstieg aus der Kreisliga stabilisiert, zuletzt zum Wiederaufstieg geführt und nun sogar ein Reserveteam gemeldet. Eine zweite Mannschaft gab es bei Hürriyet seit sieben Jahren nicht. „Wir dachten, wir versuchen das mal“, sagt Döner. „Es wollen ja alle spielen.“ Ihn selbst eingeschlossen, „auch wenn ich lieber andere laufen lasse“.

Ukaj kommt von Atlas II

Die Rot-Weißen wirken seriös wie lange nicht, und doch gibt Döner beharrlich den Mahner. „Der Verein merkt erst langsam, dass einer allein nicht alles machen kann“, sagt er – und lobt den Vorstand, „der sehr verlässlich ist“. Der neue Vorsitzende Ahmet Sonuvar lässt sich oft beim Training sehen, auch er wird gespannt sein, wie Hürriyet sich in der Kreisliga schlägt. Vier Spieler aus dem Abstiegsjahr 2016 sind heute noch im Kader, der mit Offensivmann Milot Ukaj verstärkt wurde, der in der Vorsaison für den SV Atlas II elf Kreisliga-Tore erzielte. Eugen Plujnikov kommt mit Bezirksliga-Erfahrung vom SV Tur Abdin, Mariusz Miklasz trainierte am Sonntag zum ersten Mal mit und will vom TSV Ippener zu Hürriyet wechseln. „Für unsere Verhältnisse sind das Kracher“, sagt Döner.

Allein die geringe Spieler-Fluktuation ist ein Fortschritt, sonst hat Hürriyet regelmäßig den halben Kader umgekrempelt. „Wir hoffen, dass wir uns behaupten und 35 bis 40 Punkte holen“, erklärt Döner. 31 hatten zuletzt zum Klassenerhalt gereicht, was auch das Minimalziel für Hürriyet ist. Auf dem Weg dahin will man, wie unter Döner meist gelungen, Negativschlagzeilen vermeiden. In Sachen Fairplay landete der Club zuletzt im unteren Mittelfeld, was allerdings ebenfalls eine Steigerung ist, nachdem man 2014/15 noch die meisten Platzverweise in Niedersachsen kassiert hatte.