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Fußball-Kreisliga Schlitzohr Mert Caki schießt SV Baris zum Derby-Sieg

Von Daniel Niebuhr | 08.08.2016, 00:49 Uhr

Mert Caki entscheidet das hart geführte Fußball-Stadtderby gegen den TuS Heidkrug für den Kreisligisten SV Baris mit einem cleveren Freistoß.

Talkrunden von Trainern, Schiedsrichter und Assistenten gehören in der Fußball-Kreisliga nicht zum üblichen After-Show-Programm. Önder Caki, Selim Karaca und das Gespann um Referee Michael Koch fanden am Sonntagnachmittag eher spontan auf dem Rasen zusammen, um das rassige Stadtderby des SV Baris gegen den TuS Heidkrug auszudiskutieren. Es dauerte, bis sie schließlich auseinander gingen, wie erwartet fast ohne Konsens. Nur in einem waren sie sich einig: Das 1:0 (0:0) von Cakis Baris-Elf war verdient.

Lohfeld-Verletzung erhitzt die Gemüter

Worüber dort an der Mittellinie diskutiert wurde, konnte sich nach dem Auftaktspiel der Saison jeder der 100 Zuschauer an der Lerchenstraße denken. Die 90 Minuten – ohne die rekordverdächtigen neun Minuten Nachspielzeit – waren hart geführt gewesen; Heidkrugs Coach Karaca haderte weniger mit der an sich schon bitteren Pleite durch einen schlitzohrigen Freistoß von Mert Caki in der Schlussminute der regulären Spielzeit als mehr mit der schweren Verletzung seines Spielers Marvin Lohfeld. Er stürzte nach einem Foul von Baris-Kapitän Cumali Tuner auf die Schulter und wurde ins Krankenhaus gebracht. „Es war ein Derby, das ist immer hitzig. Aber der Schiedsrichter hat die Härte nicht aus dem Spiel genommen“, haderte Karaca – ohne den Gegner zu attackieren: „Beide sind teilweise wild reingegangen. Aber wenn du nicht bestraft wirst, machst du halt weiter.“

Acht Gelbe Karten

In der Tat hatte der Unparteiische im Duell der Nachbarn und der Geheimfavoriten eine relativ lockere Linie gepfiffen, die in der ersten halben Stunde dem Spiel aber nicht schadete. Baris war klar überlegen, Heidkrug stellte sich tief in die eigene Hälfte und verließ sie nur im Notfall. Tuners Lattenkopfball in der 31. Minute war die beste Möglichkeit, danach wurde das Spiel noch zügiger und merklich ruppiger. Acht Gelbe Karten kamen am Ende zusammen, es hätten zweifellos noch mehr sein können. Die Gastgeber blieben immer am Drücker und führten zur Pause nur deshalb nicht, weil Stefan Weber in der 42. Minute einen Schuss von Baris-Youngster Devin Isik artistisch von der Linie kratzte.

Cakis frecher Freistoß

Heidkrugs bester Mann hatte zwei Minuten nach dem Wechsel die größte Chance: Kapitän Patrick Klenke schüttelte zwei Verteidiger ab und setzte einen Lupfer auf die Latte – es war für lange Zeit das letzte Highlight. Lohfelds Verletzung in der 58. Minute trug nicht zur Beruhigung der Partie bei, die Chancenproduktion stellten beide Mannschaften praktisch völlig ein. „Es war nicht schön anzusehen. Baris war zwar besser, aber auch nicht gut“, fand Karaca.

Nicht ganz zufällig fiel das Siegtor auch nach einer Standardsituation. Mert Caki wurde in der 90. Minute 22 Meter vor dem Heidkruger Tor von Marc Metzner gefoult und nahm sich selbst den Ball. Nach etlichen Freistößen in den Auffangzaun zuvor hielt es Caki lieber einfach und überraschte Gäste-Schlussmann Philip Gruß mit einem Flachschuss in die Torwartecke. Sein Jubellauf endete am Fuß einer Jubeltraube vor der eigenen Bank. Sein Vater und Trainer Önder Caki sprach hinterher von einer „schlauen Aktion“, die seiner Elf den Sieg brachte: „Aus dem Spiel heraus war zum Schluss nicht mehr viel los. Es musste irgendwie anders gehen.“

Schon jetzt hat Baris mehr Punkte als nach den letzten drei Spielen der Vorsaison, in der man insgesamt nur zweimal zu Null spielte. „Das ist ein schönes Gefühl“, fand Caki, „dass es nicht immer fünf Tore braucht, um zu gewinnen.“ Manchmal reicht schon ein Geistesblitz.