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Fußball-Kreisliga Selim Karaca freut sich über die Entwicklungen beim TuS Heidkrug

Von Andreas Bahlmann, Andreas Bahlmann | 10.08.2017, 16:07 Uhr

Am Sonntag (14 Uhr) erwartet der TuS Heidkrug zum ersten Saisonspiel in der Fußball-Kreisliga den TV Jahn. Vor dem Delmenhorster Derby spricht TuS-Trainer Karaca über seine Fußball-Philosophie, den neuen Kader, die Jugendarbeit und seinen sportlichen Ziehvater.

Als der Niedersächsische Fußballverband (NFV) am 1. August dieses Jahres seine zum mittlerweile 25. Mal ausgewertete Fairness-Wertung veröffentlichte, schaute Selim Karaca ganz genau. Und der Trainer des Kreisligisten TuS Heidkrug nahm sie zufrieden zur Kenntnis. Denn die Heidkruger stellten in der jüngsten Fair-Play-Tabelle einmal mehr das fairste Team im Kreis Oldenburg-Land/Delmenhorst.

„Ich bin sehr ehrgeizig und ich hasse es, Spiele zu verlieren. Aber trotzdem ist für mich die Fairness das Wichtigste“, verdeutlicht Karaca seine Fußball-Philosophie. Fair-Play vor sportlichem Erfolg – das lebt der TuS-Trainer vor. Das Fairness auf und neben dem Feld auch sportlichen Erfolg mit sich bringt, davon ist Karaca überzeugt: „Ich sage meinen Jungs immer: wer gut verteidigt, greift gut an. Das bedeutet ganz einfach, dass wir ohne Foulspiel den Gegner zu Fehlern zwingen wollen, um selbst schnell umschalten und agieren zu können. So spielt man einfach konzentrierter und ohne Nebenkriegs-Schauplätze.“

Eine Fußballmannschaft sollte idealerweise für Karaca aus Freunden bestehen, die zusammen aufwachsen, zusammen Fußball spielen und die später auch an den anderen, wichtigen Schritten im Leben, wie Berufsabschluss, Heirat oder Geburt eines Kindes teilhaben. Dabei kommt dem Breitensport-Gedanken und der Identifikation mit dem Verein eine herausragende Bedeutung zu, was aber den Leistungssport keinesfalls ausschließt. „Ein gut aufgestellter Breitensport bietet im Verein automatisch eine gute Grundlage für den Leistungssport, da sowieso immer die Besten in der ersten Mannschaft spielen werden“, erklärt Karaca.

 Trainerduo beim TuS Heidkrug: Selim Karaca (links) und Jorge Jacinto. Foto: Rolf Tobis

Am Sonntag (14 Uhr) startet der Achte der vergangenen Saison mit einem Heimspiel gegen den TV Jahn Delmenhorst in die neue Kreisliga-Saison. Fast alle Kader-Neuzugänge haben eine Heidkruger Vergangenheit. Darauf legte das Trainer-Team – bestehend aus Co-Trainer Jorge „Porto“ Jacinto, Torwarttrainer Lars Bitter, Teammanager Denis Lubrich und eben Karaca – viel Wert: „Wir spielen doch lieber mit Herz und Spaß in der Kreisliga, als auch nur 50 Euro für jemanden auszugeben, nur um in der Bezirksliga dabei sein zu können.“

Florian Bartels (kehrt nach beruflicher Ausbildung vom SV AM Hart München zurück), Irfan-Zeki Gök (SV Baris), Sven Holthausen (TuS Hasbergen), Martin Demir (SV Tur Abdin), Philipp Kahlert (Rückkehr nach beruflich bedingter dreijähriger Pause), Gabriel Kaya und Mahmoud El-Husseini (beide eigene A-Jugend) verstärken den Kreisliga-Kader und machen die Abgänge der langjährigen Spieler Bastian Ernst, Sebastian Ohde, Stefan Weber (alle Kariereende aus Altersgründen) und Patrick Klenke (zu SV Atlas II) zahlenmäßig mehr als wett.

„Martin Demir war schon in der D-Jugend mein Kapitän“, lacht Karaca. Er betont aber, dass Waldemar But bei ihm weiterhin die Kapitänsbinde tragen wird, da er die Mannschaft mit seiner Erfahrung auf einen einstelligen Tabellenplatz – das Saisonziel – führen kann.

Außendarstellung des TuS Heidkrug wandelt sich zum Positiven

Eine weitere Entwicklung der vergangenen Jahre erfüllt Selim Karaca mit Stolz. Nachdem Heidkrug zur Saison 2015/16 eine zweite Herren in den Punktspielbetrieb schicken konnte, kommt jetzt sogar wieder eine dritten Herren dazu. „Das geht doch nur, weil das ganze Umfeld im Verein so hervorragend zusammenarbeitet“, betont Karaca.

Die Außendarstellung des TuS Heidkrug hat sich zuletzt wieder zum Positiven gewandelt. Früher wurde der TuS häufig mit dem Begriff „Klopper-Truppe“ in Zusammenhang gebracht. Dazu kam das unrühmliche Landesliga-Fiasko in der Saison 2011/2012 mit dem Rückzug der Mannschaft.

Nun hat sich der Verein in den vergangenen Jahren einen ausgezeichneten Ruf für seine gut funktionierende Nachwuchsarbeit erarbeitet. „Der Fokus liegt natürlich immer auf der ersten Herren. Aber die wichtigsten Leute sind doch eigentlich die zahlreichen Jugendtrainer und -Betreuer eines Vereins. Die bilden doch über eine lange Zeitspanne, meist von Kindheit an, die Spieler aus und formen sie zu den sozialen Wesen, mit denen dann die Trainer im Herrenbereich arbeiten können“, bricht Selim Karaca eine große Lanze für die zahlreichen Ehrenamtler in Diensten der Nachwuchsabteilungen der Vereine.

Karacas sportlicher Ziehvater ist übrigens Hicretspor-Trainer Timur Cakmak, der ihn „letztlich überhaupt erst zum Fußball gebracht hat“. Cakmak erinnert sich gerne zurück: „Ja, wir wohnten im Nachbarhaus und ich war so um die 18 oder 19 Jahre alt. Selim war noch ein kleiner Junge, vielleicht fünf Jahre alt. Er fand in der Umgebung nicht so viele gleichaltrige Kinder zum Spielen.“ Deshalb habe sich Cakmak die Zeit genommen, „mit ihm immer mal wieder“ Fußball zu spielen: Ich habe ihm die ersten Tricks beigebracht.“ Karaca versucht nun, die seinen Spielern zu vermitteln.