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Fußball-Kreisliga SV Baris Delmenhorst – kein Zufalls-Spitzenreiter

Von Daniel Niebuhr | 16.09.2016, 11:21 Uhr

Die Fußballer des SV Baris Delmenhorst haben als einziger Kreisligist noch keinen Punkt abgegeben. Das Team hat an der Spitze seinen Spaß.

Es war insgesamt kein erfreulicher Nachmittag für Dennis Kuhn an diesem 7. August. Es war heiß und trocken, der Wind blies Sand von der benachbarten Baustelle über den Platz des SV Baris und das erste Kreisliga-Spiel gegen den TuS Heidkrug lief auch ziemlich zäh. Kuhn fiel am ehesten durch ein heftiges Foul am Heidkruger Torhüter auf, seine Schüsse landeten dagegen fast alle im Ballfangzaun. Baris gewann durch einen Freistoß in letzter Minute, den aber nicht Kuhn, sondern Teamkollege Mert Caki getreten hatte. Doch gerade deshalb war es ein Datum, das man sich merken sollte – denn ein Baris-Spiel ohne Kuhn-Treffer dürfte in dieser Saison ein seltenes Ereignis bleiben.

Kuhn schon mit 17 Treffern

Sechsmal haben die Delmenhorster seitdem um Punkte gespielt, Kuhn schoss dabei 17 Tore – das sind mehr als elf Ligarivalen mit ihren kompletten Teams zustande gebracht haben. Damit ist er nicht ganz unschuldig daran, dass Baris als einziges Team ohne Punktverlust an der Spitze steht, obwohl vor der Saison eigentlich andere Vereine höhere Ansprüche angemeldet hatten. „Es läuft besser als erwartet. Bis jetzt hat fast alles funktioniert, das macht riesigen Spaß“, verkündet Trainer Önder Caki.

Obwohl der 23-jährige Kuhn mit seiner unwirklichen Torquote heraussticht, ist es besonders die Tiefe des Kaders, die verblüfft. Immerhin haben noch acht weitere Baris-Spieler getroffen, Ligabestwert, außerdem hat sich der prominenteste Neuzugang eigentlich schon zu Beginn der Saison verletzt. Torwart Mikel Kirst brach sich beim Kreispokal-Aus gegen den Harpstedter TB das Schienbein, sein Vertreter Orhan Karakaya, gerade erst aus der A-Jugend gekommen, macht seine Sache bisher überraschend gut. „Er gibt der Abwehr Sicherheit. Mit jedem Spiel wird er besser und erfahrener“, sagt Coach Caki.

Irakische Flüchtlinge mit starken Auftritten

Zu seinem ohnehin schon spielstarken Kader kamen die beiden irakischen Flüchtlinge Hussein Al Aimre und Shewkat Barakat Osef hinzu, die sich mit couragierten Auftritten in die Startelf gespielt haben. „Ich staune über ihr Niveau. Das ist schon außergewöhnlich“, meint Caki. Mit dem Training ist es jedoch nicht immer ganz einfach: Al Aimre und Osef wohnen in der Kaserne Adelheide – der größten Flüchtlingsunterkunft der Stadt – und haben nicht immer die Möglichkeit, zur Anlage an der Lerchenstraße zu kommen. Manchmal sind sieben Kilometer Entfernung schon zu viel.

Bezirksliga? „Warum nicht?“

Sollte ihre Elf so weiterspielen, könnten die Fahrtwege in der kommenden Saison für das ganze Team größer werden – in der Bezirksliga. Caki geht zwar, als vernünftiger Trainer, Spiel für Spiel an, sagt aber auch: „Für uns ist alles möglich. Wenn wir in der Rückrunde immer noch oben stehen, sage ich: Warum nicht?“

Zufall ist der Höhenflug jedenfalls nicht. Am Sonntag können die Delmenhorster ihren Vorsprung von aktuell vier Punkten ausbauen – sie selbst spielen auf dem Kunstrasen der Spielvereinigung Berne bei einem Gegner aus dem Mittelfeld, während die Verfolger TSV Ganderkesee und VfR Wardenburg sich gegenseitig die Punkte abnehmen. „Je größer das Polster, desto besser“, sagt Caki. Die Duelle mit den direkten Konkurrenten stehen für seine Mannschaft Ende Oktober an.

Angst vor der eigenen Courage hat Baris ebenso wenig wie übertriebenen Druck. Ein Aufstieg ist nicht eingeplant und, wie Caki hofft, auch nicht nötig, um starke Spieler wie Kuhn zu halten. Der Stürmer, der als 13-Jähriger ein Angebot, ins Internat von Bayern München zu ziehen, ausschlug, hat allen Interessenten bisher abgesagt. „Es gefällt ihm bei uns. Natürlich werden wir uns nicht querstellen, wenn er doch mal höher spielen will“, sagt Caki. Gelegenheiten zum Scouting gibt es für andere Vereine reichlich: Kuhn trifft ja praktisch in jedem Spiel. Jedenfalls beinahe.