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Fußball-Kreisliga TSV Ippener: Ein normaler Aufsteiger?

Von Daniel Niebuhr | 03.08.2016, 22:18 Uhr

Erneut hat sich der TSV Ippener gut verstärkt. In der Fußball-Kreisliga ist das Team von Andreas Lorer für einen Neuling luxuriös besetzt.

Es wäre sicher übertrieben, den Fußballern des TSV Ippener vorzuwerfen, dass sie mit ihrer Aufwärmkluft eine Botschaft an die Konkurrenz senden wollen. Die Shirts mit der Aufschrift „Kreisliga-Aufsteiger“, mit denen sich die meisten Akteure vor den Spielen einlaufen, sind natürlich Erinnerungsstücke an die vor zwei Monaten erkämpfte Meisterschaft in der 1. Kreisklasse – und doch kann man sie auch anders verstehen. Die Aussage könnte genauso sein: Wir sind doch nur ein ganz normaler Aufsteiger. Nicht dass jemand etwas anderes behauptet.

Spielertrainer Lorer: Erstmal ankommen

Falls es tatsächlich als Nachricht gedacht war, dann wird sie vermutlich bei den wenigsten ankommen. Ippener ist zwar neu in der Kreisliga, die Gesetze eines üblichen Aufsteigers gelten für den TSV aber zumindest in der allgemeinen Wahrnehmung nicht, auch wenn Spielertrainer Andreas Lorer angestrengt dafür wirbt. „Alle scheinen zu glauben, dass wir schon halb Meister sind. Aber auch wir müssen erst einmal ankommen“, meint der 31-Jährige. Das 3:2 gegen den gut verstärkten Ligarivalen SV Achternmeer im Kreispokal-Erstrundenspiel am Wochenende lässt erahnen, dass die Eingewöhnung nicht allzu lange dauern muss.

Wieder Neuzugänge aus Delmenhorst

Die Transferpolitik tut ihr Übriges zur hohen Erwartungshaltung der Konkurrenz. Mal wieder hat der TSV seinen ohnehin schon Delmenhorst-lastigen Kader mit weiteren Spielern aus der Stadt aufgerüstet. Der Bezirksliga-erfahrene Danyel Akyol spielte in der vergangenen Saison für den VfB Oldenburg II, Stadtauswahlspieler Lamin Sillah für die Regionalliga-Reserve des BSV Rehden, Andreas Böhm und Shevan Dixon waren zwei der wenigen Stützen des Kreisliga-Absteigers Rot-Weiß Hürriyet. Weil nur der 15-fache Torschütze Bassal Ibrahim den Verein Richtung Bookholzberber TB verließ , glaubt Lorer, „dass wir stärker geworden sind“.

Offensivtrio mit 69 Treffern

Die, die schon da waren, sind schon namhaft genug. Allein das Offensivtrio Lorer, Zana Ibrahim und Mikael Blümel, alle schon als überdurchschnittliche Bezirksliga-Spieler in Erscheinung getreten, traf in der 1. Kreisklasse zusammen 69 Mal. Aber das, sagt Lorer, seien nur die Namen, die man ständig hört. Dahinter muss er einige Spieler auf ein höheres Niveau bringen, für die die Kreisliga der Höhepunkt der bisherigen Laufbahn wird. Im Laufe der vergangenen Saison kamen unter anderem Nico Bonin, Alexander Rautenhaus und Ferhat Kesim vom inzwischen vom Spielbetrieb der 2. Kreisklasse abgemeldeten Adelheider TV, alle drei standen im Pokal gegen Achternmeer auf dem Platz. „Es ist nicht so, dass wir unser Team nur mit Prominenten auffüllen“, sagt Lorer, der damit auf die Vergangenheit anspielt. Lange galt Ippener als Chaos-Club, der dank eines zahlungsfreudigen Sponsors aufsehenerregende Transfers tätigte – die Verpflichtung des syrischen Ex-Nationalspielers Maher Malki ist nur ein Beispiel –, dafür eine katastrophale Trainingsbeteiligung und kaum Teamgeist hatte.

Mehr Konstanz im Kader

Der zahlungsfreudige Sponsor ist noch da, die Philosophie aber eine andere. Lorer berichtet von einem Schnitt von 17 Spielern pro Übungseinheit und stellt fest: „Früher sind Zehn gekommen und Elf gegangen, jetzt sind wir konstant.“ Er gebe auch vielen jungen Spielern eine Chance. „Sie können von unseren erfahrenen Leuten viel lernen“, sagt Lorer. Er kann sich selbst auch dazuzählen, Lorer spielte in der Jugend für Werder Bremen und später zeitweise auf Viertliga-Niveau. Ende Mai erlebte er eine Sternstunde, als er für die Delmenhorster Stadtauswahl beim 1:11 gegen den FC St. Pauli traf .

Aktuell ist eher sein Defensiv-Knowhow gefragt. Er bläut seinem Team gerade die Funktionsweise einer Viererkette ein, die den Libero ablöst, was in unteren Klassen selten ohne Startschwierigkeiten abläuft. „Es darf nicht zu kompliziert sein. Nicht jeder versteht auf Anhieb, wo er hinlaufen soll“, sagt Lorer.

Am Sonntag muss das neue Abwehrgebilde einen echten Stresstest bestehen, wenn der Harpstedter TB zum Samtgemeinde-Derby auf den engen Platz nach Ippener kommt. Es ist das Duell des Mitfavoriten beim Aufsteiger. Jedenfalls auf dem Papier.