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Fußball-Kreisliga U23-Teams werden für Kreisliga-Reserven zum Trumpf

15.07.2015, 12:19 Uhr

Bei den Fußballern des TSV Ganderkesee ist der Übergang zwischen A-Jugend, zweiter und erster Mannschaft fließend. Viele Talente sollen dadurch gehalten werden. Ähnlich verfährt der VfL Wildeshausen. Von Daniel Niebuhr und Manfred Nolte

Das hätte sich Manuel da Silva Carrilho wohl selbst nicht träumen lassen, dass er noch einmal für eine U23 auflaufen würde. Der Torjäger des TSV Ganderkesee ist vor zwei Wochen 35 Jahre alt geworden, am Sonntagnachmittag durfte er sich aber noch einmal fühlen wie zu Jugendzeiten. Erst wirkte Carrilho beim 3:3 der Ersten gegen den TSV Großenkneten in der zweiten Hälfte mit, dann blieb er direkt auf dem Platz und spielte für die Zweite durch, die eigentlich seit dieser Saison offiziell U23 heißt. Damit nahm man es aber dieses Mal nicht so ganz genau. „Gastspieler“ Carrilho gefiel es im Kreis der Youngster offensichtlich – er schoss beim 5:0 gegen den SV Brake II drei Tore.

Strikte Kader-Trennungen aus der Mode

Was man da am Sonntag in Ganderkesee bewundern konnte, war das gelebte Konzept, das der TSV seinen Leistungsmannschaften auferlegt hat. Strikte Trennungen sind aus der Mode; es gibt einen großen Spielerpool, in dem die Bezirksliga-Elf, die U23 aus der Kreisliga und die A-Jugend vereint sind – die Besten spielen dann für die Erste. Der Übergang ist fließend, sagt Andreas Dietrich, der in der abgelaufenen Saison einen zentralen Beitrag zu diesem Plan geleistet hat. Er ist mit der Zweiten in die Kreisliga aufgestiegen und hat dem TSV damit einen Trumpf geliefert, mit dem im Fußball-Kreis nur noch der VfL Wildeshausen mithalten kann. Zusammen mit dem VfL stellt der TSV die einzige Reservemannschaft, die in der Kreisliga spielt. Der Vorteil gegenüber den Nachbarn ist größer als man annehmen sollte, offenbart Dietrich: „Für die Gespräche mit unseren Jugendspielern ist das ideal. Wer es in der Bezirksliga-Elf noch nicht schafft, kann immerhin in der Kreisliga spielen.“

Vergleichsweise langweilige Transferpolitik

Die Folge für die U23 war im Sommer eine für einen Kreisligisten vergleichsweise langweilige Transferpolitik. Einzige Abgänge sind Benedikt Neumann und Julien Jentsch (beide TuS Heidkrug). Aus der eigenen A-Jugend rücken Jan Spille, Mario Gruber, Laurentz Schütte und Lucas Biener auf, einziger externer Neuzugang ist Jan Kerner vom VfL Stenum. Ziemlich kostengünstig sei das, findet Dietrich: „Andere Vereine machen finanzielle Verrenkungen, um sich jedes Jahr irgendwelche Söldner zu holen. Das brauchen wir nicht.“ Das Gesamtprodukt TSV Ganderkesee ist auch so interessant genug.

Youngster sammeln Spielpraxis in der Ersten und der U23

Die Trennung zwischen erster und zweiter Mannschaft ist kaum vorhanden, schon gar nicht in der Vorbereitung, wie man am Sonntag erleben durfte. Neben dem erwähnten Dauerläufer Carrilho spielte noch eine Handvoll A-Jugendlicher nacheinander bei der Ersten und der U23. „Ein gutes Training für die Jungs“, fand Bezirksliga-Trainer Daniel Lachmund.

Wildeshausen I gibt noch Spieler an Wildeshausen II ab

Seine Wildeshauser Kollegen Marcel Bragula und Arend Arends machen es übrigens ähnlich. 29 Spieler hat Bragula für die Vorbereitung seines Landesliga-Teams zusammengeholt, mindestens vier davon werden kurz vor Saisonstart noch an die von Arends trainierte Zweite abgegeben. Die heißt beim VfL übrigens auch U23, auch wenn dort ebenfalls ältere Semester spielen, zum Beispiel der 26-jährige Tobias Kern. „Das ist auch nur ein Wortspiel, dass man nicht zu ernst nehmen sollte“, sagt Dietrich. „Aber es zeigt doch: Wir haben ein Konzept für unsere Talente.“