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Fußball-Landesliga Atlas-Trainer Jürgen Hahn baut auf Lerneffekt

Von Lars Pingel | 25.09.2016, 14:21 Uhr

Die Landesliga-Fußballer des SV Atlas Delmenhorst haben das Duell der Traditionsvereine bei Kickers Emden verdient mit 2:4 verloren. SVA-Trainer Jürgen Hahn ist sich sicher, dass seine Mannschaft aus dem Freitagabendspiel lernen wird.

Die Ursachenforschung begann natürlich unmittelbar nach dem Schlusspfiff. Auf der Suche nach einer Antwort auf die Frage, warum seine Mannschaft während der Partie bei Kickers Emden 90 Minuten lang ungewohnt gehemmt, „zu verhalten“ gespielt hatte, kam Jürgen Hahn, Trainer der Fußballer des SV Atlas Delmenhorst, etwas in den Sinn, dass in den vergangenen Jahren eher die Konkurrenten des Landesliga-Aufsteigers beschäftigte: die Atmosphäre. „Vielleicht war der eine oder andere beeindruckt von dem schönen Stadion“, sagte Hahn nach der verdienten 2:4 (0:2)-Niederlage am Freitagabend.

Respekt vor der Kulisse

Flutlicht, lautstarke Kickers-Fans unter den 1004 Zuschauern (darunter allerdings auch mehrere hundert ebenfalls unüberhörbare Atlas-Anhänger), getrennte Fanblocks, Tribünen direkt am Spielfeldrand, ein Spielertunnel zu den Kabinen - in der Tat erinnerte im Ostfrieslandstadion vieles an die ruhmreichen Jahre des Emder Clubs, der von den 1990-ern bis 2008 drittklassig mit regelmäßigem Kontakt zur zweiten Bundesliga gespielt hatte. Zuletzt, in der Kreis- und der Bezirksliga, waren es meistens die Atlas-Gegner, die sich vor allem wegen der vielen Zuschauer – und der Unterstützung von zwei Fanclubs – mit einer ungewohnten Kulisse auseinandersetzen mussten.

Abgezockte Kickers schlagen eiskalt zu

Am Freitagabend waren es, die Kickers-Spieler, die als erste ihren Respekt vor dem Duell der Traditionsvereine ablegten. Sie besiegten ihre Nervosität recht schnell; die Delmenhorster nach dem ersten Gegentor von Sebastian Bloem (13. Minute) irgendwie nie. Holger Wulff (41.) und Tido Steffens, der in der unerwartet turbulenten Schlussphase zwei Foulelfmeter verwandelte (81., 90.+2), und die Atlas-Spieler Stefan Bruns (81.) und Can Blümel (90.+4) sorgten für ein Ergebnis, das mehr Spannung vermuten lässt, als die Partie bot.

Emder Trainer Zedi begeistert

Dem Atlas-Team war zwar anzusehen, dass es sich viel vorgenommen hatte, es konnte das aber nicht auf den Rasen bringen. „Wir hatten gute Ideen, wie wir erfolgreich sein könnten“, erklärte Hahn. „Wir haben aber zu wenig davon umgesetzt.“ Eine war, die Emder schon in deren Hälfte zu stören, um zu verhindern, dass diese ihre schnellen, technisch starken Spitzen mit Steilpässen in Szene setzen. Es kam anders, weil die Delmenhorster im Aufbauspiel zu viele Fehler machten, den Ball daher immer wieder auf dem Weg nach vorn verloren ging. Perfekt für eine konterstarke Mannschaft wie die Kickers. „Genauso habe ich mir das die letzten Tage vorgestellt“, sagte der ihr Trainer Rudolf Zedi. „Ich ziehe den Hut davor, dass meine Mannschaft alles so gut umgesetzt hat.“ Vor allem die Leistung der ersten 45 Minuten hatte ihn begeistert. „Wir wollten den Erfolg eindeutig mehr als der Gegner“, erklärte er.

Viel Ballbesitz, wenig Ertrag

Nach der Pause war Atlas das Team, das das Spiel machte. Oder besser: machen musste. Die Kickers überließen den Delmenhorstern das Spielgerät, die wussten mit dem vielen Ballbesitz lange Zeit nichts anzufangen. Immer wieder waren vielversprechende Ansätze zu sehen, doch die gedankenschnelleren Emder fingen regelmäßig den entscheidenden Pass ab oder gewannen den entscheidenden Zweikampf, ehe der SVA torgefährlich werden konnte.

Hahn: Werden weiterarbeiten

Die Ursachenforschung war am Freitagabend etwa 30 Minuten nach der Partie natürlich noch nicht beendet. „Wir müssen daraus lernen“, sagte Hahn. „Das war nicht unser bester Tag.“ Und dann warnte er, ganz gut versteckt, noch davor, aus dem starken Saisonstart, der seine Mannschaft vor der Partie auf Platz zwei gebracht hatte, voreilige Schlüsse zu ziehen, die zu zu hohen Erwartungen führen (können). „Wir werden weiterarbeiten“, sagte Hahn. „Wir haben das als Aufsteiger bisher gut gemacht.“