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Fußball-Landesliga VfL Wildeshausen atmet nach dem Klassenerhalt auf

Von Daniel Niebuhr | 05.06.2016, 16:32 Uhr

Nach dem nervenzehrenden Abstiegsfinale in der Fußball-Landesliga fließen beim VfL Wildeshausen Tränen der Erleichterung.

Es wurde keine offizielle Liste darüber geführt, wie viele Menschen Marcel Bragula am Samstagabend umarmte, ihre Anzahl kann man also nur schätzen. Da waren natürlich seine Spieler und Betreuer, sein künftiger Co-Trainer Sven Apostel und die Fußballerinnen der Damenmannschaft, die am Spielfeldrand mitgefiebert hatten; sie alle wurden vom Trainer des VfL Wildeshausen geherzt – und die Dunkelziffer lag wohl noch deutlich höher. Was sich sicher sagen lässt, war, wen er nach dem überstandenen Landesliga-Abstiegsfinale am längsten in die Arme schloss: seinen Trainerkollegen Marco Elia, dem nach seinem letzten Spiel in Diensten des VfL – dem rettenden 2:1 (0:1) über den SV Holthausen-Biene – die Tränen über die Wangen liefen. Es war ein Bild der Freude, aber auch der Erleichterung, dass alles vorbei war.

Trainer-Duo ist „fix und fertig“

Nach dem Jubel-und-Umarm-Marathon sahen Bragula und Elia dann so erschöpft aus, als wäre alle Last der Welt von ihren Schultern gefallen – und immerhin die Last einer ganzen Saison war es ja auch gewesen. „Ich bin fix und fertig“, schnaufte Bragula und sein Kollege bekannte mit heiserer Stimme: „Mir fehlen die Worte.“

Den Wildeshauser Spielern war die Energie auch nach 90 buchstäblich heißen Minuten im Krandelstadion noch nicht ausgegangen, sie feierten einen Sieg, der dem VfL mit letzter Kraft ein weiteres Jahr in der Landesliga gesichert hatte. Wie alles in dieser stressigen Saison war auch der Erfolg über zähe Holthauser wieder ein hartes Stück Arbeit gewesen, bei dem man sich zwischenzeitlich ernste Sorgen um den VfL machen musste.

Früher Rückstand lähmt die Wildeshauser

Die Kreisstädter brauchten einen Sieg, um sicher gerettet zu sein; bei einem Remis hätte Abstiegsrivale Türkgücü Osnabrück beim SV Wilhelmshaven allerdings mit acht Treffern Unterschied gewinnen müssen. Allen, die gehofft hatten, die Biener würden im für sie nahezu bedeutungslosen Spiel in Wildeshausen nur mit halber Kraft agieren, fuhr in der siebten Minute zum ersten Mal der Schock in die Glieder: Nach einer schwachen Kopfballabwehr schoss Jannis Bolk die Kugel aus zehn Metern zur Gäste-Führung ins Eck.

Die Wildeshauser schüchterte der frühe Rückstand regelrecht ein, sie agierten fahrig und unkonzentriert. „Die Jungs hatten Muffe“, sagte Bragula hinterher. Dazu kam die frühe Auswechslung des verletzten Janek Jacobs für den in der 22. Minute der ebenfalls angeschlagene Sascha Görke kam. Weil Türkgücü zur Halbzeit zeitgleich in Wilhelmshaven nur ein 1:1 zustande bekam, war Wildeshausen trotz des Rückstandes nach 45 Minuten nicht auf einem Abstiegsplatz – laut wurde es in der VfL-Kabine trotzdem. Die Trainer hätten geredet, aber die Spieler hätten sich gegenseitig die Meinung gesagt, erzählte Bragula.

Görke bleibt cool

Und es half. Wildeshauser spielte plötzlich mit Zuversicht, die in der 49. Minute neue Nahrung bekam, als Lennart Flege die Kugel nach einer Ecke von Jan Lehmkuhl und einem Pfostenkopfball von Lukas Schneider zum 1:1 über die Linie köpfte. Danach drängte der VfL und erspielte sich diverse Großchancen. Die eine, die die Entscheidung brachte, nutzte Görke mit verblüffender Coolness. Nach einem abgeblockten Schuss von Lennart Feldhus umkurvte der Spielmacher Holthausens Keeper Lars Wentker und schob ein – um dann unter einer Meute aus Mitspielern, Trainern und Betreuern begraben zu werden.

Wildeshausen hätte höher gewinnen müssen, doch Feldhus schob den Ball in der 78. Minute am leeren Tor vorbei, und Schneider köpfte in der 81. Minute nur an die Latte. Brgaula war’s letztlich egal. „Der Sieg war hochverdient“, fand er und kündigte an: „Die letzten Wochen war ich zuhause unausstehlich – jetzt ist meine Familie dran. Ich freue mich drauf, mal wieder was Schönes zu unternehmen, statt immer nur an Fußball zu denken.“