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Fußball-Landesliga VfL Wildeshausen steht vor dem Showdown im Krandel

Von Daniel Niebuhr | 03.06.2016, 21:01 Uhr

Mit einem Remis gegen Holthausen-Biene bliebe der VfL Wildeshausen wahrscheinlichin der Landesliga. Es ist der Schlussakt einer nervenaufreibenden Saison.

Als Trainer macht man in einer Saison irgendwie auch eine Art Evolution durch. Das kann auf lange Sicht richtig anstrengend werden, Marcel Bragula kann davon ein Lied singen. Kaum ein anderer Landesligist schwankte in den vergangenen zehn Monaten so sehr zwischen Euphorie und Krise wie der VfL Wildeshausen – und sein Trainer mit ihm. Bragula war mal begeistert von seinem Team, mal der Verzweiflung nahe, er lobte seine Fußballer mal als „Mentalitätsmonster“, um in der Krise regelrecht drohend anzukündigen: „Wer nicht alles gibt, bekommt ein Problem mit mir.“

„Wir haben die mentale Stärke“

Das Verblüffende und vielleicht Bewundernswerte ist nun: Vor dem Spiel des Jahres und einem der wichtigsten der jüngeren Vereinsgeschichte spricht Bragula plötzlich leise. Keine Kampfansagen hört man vor dem Abstiegsfinale am Samstag (17 Uhr) gegen den SV Holthausen-Biene – der Wildeshauser Coach ruht in sich. Der personell enorm geschwächte VfL hat vor dem Schlussakt dieser nervenaufreibenden Saison zwei Punkte und acht Tore Vorsprung auf Türkgücü Osnabrück und damit auf die Abstiegsplätze. Auch wenn Türkgücü bei Absteiger SV Wilhelmshaven noch Gelegenheit hat, am Torverhältnis zu arbeiten – ein Unentschieden sollte Wildeshausen nach menschlichem Ermessen reichen. Bragula sagt nicht ganz unerwartet: „Darauf verlassen wir uns nicht. Wir wollen einfach gewinnen, ich bin auch sicher, dass wir die mentale Stärke dazu haben.“

Rivale Türkgücü glaubt an Abstieg

Wobei Stärke im Moment eher zum Gegner passt. Holthausen-Biene ist seit zehn Spielen unbesiegt, zum letzten Mal verloren haben die Lingener im März – kurioserweise gegen Wildeshausen. „Seitdem gehen sie durch die Decke“, meint Bragula und scherzt: „Ich weiß auch nicht, was die sich da ins Getreide tun.“ Sein Team hat zuletzt aber auch mentale Kraft bewiesen und Türkgücü in der Nachspielzeit mit 2:1 niedergerungen. Die Osnabrücker machen es ganz anders als Bragula und reden die eigenen Chancen klein. „Wir können es theoretisch noch schaffen, aber ich mache mir keine Illusionen“, sagt Trainer Uwe Persson, der dem Club gar jegliche Landesligatauglichkeit absprach.

Auch Bragulas Nerven waren zuletzt gespannt, wie er erzählt. Ein wenig sehnt er die Pause herbei, die auch seiner Familie guttun wird, wie er bekennt. Vorher muss er aber noch das Abstiegsfinale überstehen. „Danach werden wir alles analysieren und sehen, wie es weitergeht“, sagt er. Und meint damit auch: ob mit ihm als Trainer oder ohne ihn.