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Fußball-Oberliga Atlas mit Moral, Leidenschaft und den Fans zum 1:1

Von Frederik Böckmann | 18.11.2018, 22:09 Uhr

Nach turbulenten Tagen inklusive der Entlassung von Erfolgstrainer Jürgen Hahn haben die Fußballer des SV Atlas Delmenhorst in der Oberliga eine gute Reaktion gezeigt. Im Auswärtsspiel beim Heeslinger SC erkämpften sich die Blau-Gelben nach einem Rückstand noch ein 1:1 (0:1)-Unentschieden. Leon Lingerski glich spät aus (80.).

Die Fans verließen zufrieden das Stadion, die Spieler klatschen sich mit einem Lächeln ab und auch Coach Daniel von Seggern machte mit seiner kurzen und knackigen Ansprache im Mannschaftskreis deutlich, dass auch er mit dem Auftritt seiner Fußballer im Großen und Ganzen einverstanden war: Als Schiedsrichter Jan Tschwirschwitz um 15.59 Uhr quasi mit dem Einbrechen der Dunkelheit das 1:1 (1:0) in der Fußball-Oberliga zwischen dem Heeslinger SC und dem SV Atlas Delmenhorst im schmucken Waldstadion abgepfiffen hatte, waren sich alle Beteiligten des SVA nach turbulenten Tagen nach der überraschendem Trennung des langjährigen Erfolgstrainers Jürgen Hahn einig: „Diesen Punkt nehmen wir sehr gerne mit.“

In der Tabelle fiel der SVA durch das vierte Unentschieden der Saison zwar auf Rang sechs zurück. Doch das interessierte das Interimstrainer-Trio mit Daniel von Seggern, Benno Urbainski und Bastian Fuhrken nur am Rande. Viel wichtiger war ihnen die Leistung der Mannschaft. Die war zwar nicht überragend, aber sehr ordentlich. „Aller Ehren wert“, nannte Fuhrken die 90 Minuten gegen einen cleveren, giftigen und gefährlichen Gegner, der besser war, als es Abstiegsrang 13 für Heeslingen vermuten lässt.

Auch Moral und Mentalität stimmten. Denn nach dem 0:1 zur Pause durch Kevin Rehling (18.) glich Atlas in der Schlussphase durch Leon Lingerski zum verdienten 1:1 aus (80.). „Die zweite Halbzeit war wesentlich besser als die erste“, sagte von Seggern. Warum? „Wir haben uns im Spielaufbau mehr zugetraut und gleichzeitig weniger Fehler gemacht.“

Im Vergleich zum erfolgreichen 2:0 gegen den 1. FC Wunstorf fielen mit Thomas Mutlu (Nasenbeinbruch) und Nick Köster (Oberschenkelprobleme) beide Rechtsverteidiger aus. Rechts hinten spielte dafür Marlo Siech. Er zeigte eine gute Leistung und setzte auch Impulse nach vorne. Gleichzeitig rückten Dennis Mooy (als Linksverteidiger) und Marco Prießner (als Mittelstürmer) in die Anfangself. Nominell war Atlas so offensiv aufgestellt wie lange nicht mehr.

Heelingen trifft herrlich zur Führung

Vor 400 Zuschauern, darunter mindestens 150 Fans aus Delmenhorst, hatte Heeslingen in der ersten Halbzeit Vorteile. Und die Gastgeber, die nach dem Rücktritt von Hansi Bargfrede durch den bisherigen Co Hendrik Lemke ebenfalls interimsmäßig betreut werden, führten nach 45 Minuten durch einen herrlichen Freistoßtreffer. Der starke Kevin Rehling zirkelte den Ball aus 20 Metern von halblinks unhaltbar für Florian Urbainski ins linke obere Eck (18.). Allerdings monierten die Gäste, dass das von Marlo Siech zuvor verursachte Foul keines gewesen sein soll. „Nie im Leben“, beschwerte sich der Verteidiger.

So oder so war Atlas in Halbzeit eins aber noch nicht völlig im Spiel. Dass Heeslingen früh presste und viele zweite Bälle gewann, schmeckte dem SVA nicht wirklich. Die Platzherren hätten bei drei weiteren Chancen (15./39./ 43.) höher führen können.

 Spielplan und Tabelle der Fußball-Oberliga

Und Atlas? Zeigte gute Ansätze über die Außen, wurde aber nur bei einem Schuss von Dennis Mooy (13.) und einen Alleingang des freistehenden Marco Prießner, der den Ball jedoch schlecht annahm und dann vertändelte (37.), überhaupt gefährlich. „Wir haben uns im Spielaufbau zu wenig zugetraut“, erklärte von Seggern unter anderem die Harmlosigkeit im Angriff.

In der Halbzeit reagierte Atlas deshalb. Von Seggern, der auch unter der Woche die drei Einheiten geleitet hatte, brachte Patrick Degen für Stefan Bruns. Dadurch rückte Leon Lingerksi von Linksaußen auf die Sechs, und tat mit seiner Übersicht dem Spielaufbau der Blau-Gelben spürbar gut. „Leon war nach der Pause viel besser im Spiel“, lobte Fuhrken den Linksfuß.

Erst verdienter Ausgleich ...

Nach der Pause entwickelte der SV Atlas direkt mehr Druck. Delmenhorst schnürte die Gäste regelrecht hinten rein. Das Problem: Bis auf eine Schusschance für Musa Karli (56.) musste Heeslinges Torwart Arne Exner nicht eingreifen. Auch deshalb, weil die Atlas-Angreifer Marvin Osei und Marco Prießner, die sich beide die fünfte Gelbe Karte abholten, relativ ungefährlich waren.

Das 1:1 durch Leon Lingerski, der nach einer abgewehrten Ecke mit links von halbrechts traf (80.) war dennoch verdient, weil Atlas immer wieder anlief. „Wir haben mit Kampf und Leidenschaft dagegen gehalten. Und uns dadurch das Unentschieden verdient“, lobte von Seggern den Einsatz der Spieler.

... dann Glück bei zwei Heeslinger Chancen

Zur Wahrheit der Partie gehörte aber auch, dass Atlas nach dem Ausgleich zwei Mal Glück hatte. Ein Volleyschuss von Rehling segelte knapp am Pfosten vorbei (82.), dazu setzte der gefährliche Angreifer einen Kopfball völlig freistehend daneben (88.).

So blieb es beim 1:1, das sich Atlas auch durch die Unterstützung der Fans erkämpft hatte, wie Fuhrken lobte. „Die Zuschauer waren unser zwölfter Mann. Die Stimmung war grandios.“ In der Tat war der Support der fast 90 Minuten lang durchsingenden Fans so stark wie schon lange nicht mehr bei einem Auswärtsspiel.

Trainer-Kandidat Neubarth unter den Zuschauern

So blieb nach dem verdienten Punktgewinn an diesem kalten November-Sonntag nur noch eine Frage offen: Wer wird neuer Trainer? „Wir haben noch mit niemandem gesprochen“, betonte Klubchef Manfred Engelbart. Dieses Thema wolle er erst nach der mit spannend erwarteten Jahreshauptversammlung am Dienstag (19 Uhr, Jan Harpstedt) angehen. Unter den Zuschauern war auf jeden Fall mindestens ein potenzieller Kandidat: Frank Neubarth. Der Ex-Profi sah sich das Spiel interessiert von der Gegengerade an.