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Fußball-Oberliga Cloppenburg und Atlas fiebern Nachbarduell entgegen

Von Frederik Böckmann, Frederik Böckmann | 20.10.2017, 08:47 Uhr

Nach drei Spielen ohne Sieg will der SV Atlas Delmenhorst in der Fußball-Oberliga beim BV Cloppenburg wieder dreifach punkten. Aber: Der BVC war zuletzt gut drauf. Anpfiff im pk-Sportpark ist um 19.30 Uhr.

BV Cloppenburg gegen SV Atlas, Schwarz-Weiß gegen Blau-Gelb, der eine Traditionsverein aus dem Nordwesten gegen den anderen: Wenn sich der BVC und der SVA am Freitagabend (19.30 Uhr) im pk-Sportpark in Cloppenburg gegenüberstehen, dann ist es besonders für die älteren Fans eine Reise in die erfolgreiche Vergangenheit beider Mannschaften, die sich in den vergangenen Jahrzehnten häufig auch in drittklassigen Ligen gegenüberstanden.

Das Flutlicht-Duell ist jetzt zwar „nur“ eine Partie in der fünfthöchsten deutschen Spielklasse, doch von der Brisanz früherer Jahre hat das Derby zwischen den nur 46 Kilometer Luftlinie entfernten Städten nichts verloren. „Das wird ein Duell auf Augenhöhe, in dem Kleinigkeiten entscheiden werden“, sagt Atlas-Trainer Jürgen Hahn. Und BVC-Coach Sebastian Schütte erwartet „ein hochspannendes, enges Spiel“.

Der Blick auf die Tabelle bestätigt die beiden Übungsleiter. Cloppenburg liegt zwei Punkte hinter Atlas, hat ein Spiel weniger absolviert und könnte die Delmenhorster mit einem Erfolg in der Tabelle überflügeln. Damit war vor einigen Wochen noch nicht unbedingt zu rechnen. Der SVA schnupperte nach dem Auswärtserfolg bei Eintracht Northeim an den Spitzenplätzen, holte aus den vergangenen drei Spielen aber nur einen Zähler. Cloppenburg steht seit dem ersten Spieltag auf einem der Abstiegsplätze, holte aus seinen vergangenen fünf Partien aber satte zehn Punkte und kämpfte sich an das untere Mittelfeld der Liga heran.

Krise beim SV Atlas? Davon will Hahn nichts wissen

Die Tabellensituation habe man im Atlas-Lager sehr wohl im Blick, wie Hahn einräumte. „Wir können am Freitagabend schon entscheiden, ob wir uns in der Tabelle nach oben oder nach unten orientieren müssen.“ Von einer Ergebnis- oder gar Formkrise bei SVA will Trainer Hahn aber nicht sprechen. Er finde, „dass wir bislang noch immer ganz ordentlich gepunktet haben. Es gibt immer Phasen in einer Saison, in denen es mal nicht so gut läuft.“ In der Bezirks- oder Landesliga hätte seine Mannschaft 90 Prozent aller Spiele gewonnen, „auch wenn wir mal nicht so einen guten Tag hatten.“ Da sei in der Oberliga eben nicht mehr der Fall.

Fest steht aber auch, dass die Blau-Gelben die Ausfälle ihrer ersten Sturmreihe mit Patrick Degen, Marc Prießner und Lars Scholz, die bislang zusammen die Hälfte der Atlas-Tore erzielt hatte, nicht kompensieren konnte. „Da fehlte Qualität“, räumt Hahn ein. Degen ist nach seiner Rot-Sperre wieder spielberechtigt, Scholz hat das Training wieder aufgenommen. Ob beide in Cloppenburg auch von Beginn an stürmen werden? Darauf wollte sich Hahn auch mit Blick auf das Abschlusstraining am Donnerstag noch nicht festlegen. Es deutet aber viel darauf hin. Diejenigen, die zuletzt im Angriff gespielt hätten, „haben ihre Chance nicht unbedingt genutzt“, meinte Hahn vielsagend. Zu früh kommt ein Einsatz noch für die verletzten Marco Prießner und Sebastian Kmiec. Antreiber Dennis Janssen ist letztmals gesperrt.

Grundsätzlich hält der SVA-Trainer mit Blick auf das Cloppenburg-Spiel fest: „Wir müssen mehr Chancen kreieren, mehr Gefahr im Eins-gegen-Eins ausstrahlen und die wenigen Möglichkeiten, die wir bekommen, besser nutzen.“ Für das Defensivspiel gelte es, „weniger Fehler zu machen.“ Und: Hahn hofft, dass einige Leistungsträger, die zuletzt in einem kleinen Tief steckten, „eine bessere Tagesform“ haben werden. Das dürfte auch für den Ex-Cloppenburger Nick Köster gelten, der von 2014 bis 2017 20 Oberliga-Spiele und 60 Regionalliga-Partien absolvierte im BVC-Trikot absolvierte.

Sportchef Schütte nun auch Interimstrainer beim BV Cloppenburg

Apropos BVC: Cloppenburg produzierte in den vergangenen Tagen einige Paukenschläge. Nach dem überraschenden, aber verdienten 2:1-Erfolg am Sonntag bei Arminia Hannover trat der bisherige Coach Petar Kosturkov überraschend zurück. Den Bulgaren, der erst im Sommer an der Soeste anheuerte, zog es aus familiären Gründen zurück ins baden-württembergische Crailsheim. Der bisherige Sportliche Leiter Sebastian Schütte ist nun in Personalunion mindestens bis zum Winter auch Interimstrainer.

„Das ist kein Problem für mich“, erklärte Schütte. Da er bisher bei jeder Trainingseinheit anwesend gewesen sei, „wird sich an den Abläufen nichts ändern.“ Bei der Trainersuche will sich Cloppenburg Zeit lassen und nichts überstürzen. Ohnehin ist Schütte von der Qualität seiner Mannschaft überzeugt. „Wir haben viele junge Spieler, die sich erst noch an das Oberliga-Niveau gewöhnen mussten.“ Nach dem schlechten Saisonstart greife jetzt jedoch ein Rad ins andere.

Mit Schüttes Amtsantritt im Sommer 2016 und dem Rückzug von einigen potenten Sponsoren hat sich die sportliche Philosophie beim BVC geändert. Mit Mittelstürmer Aleksandar Kotuljac (früher u. a. Lotte, Osnabrück, Greuther Fürth) spielt zwar noch ein Ex-Profi in Cloppenburg. Doch die Zeiten, in denen Altstars teilweise sogar mit Champions-League-Erfahrung zum BVC gelockt wurden, sind vorbei. Neben gestandenen Kickern wie Christian Willen, Kristian Westerveld und David Niemeyer setzt Cloppenburg jetzt vor allem „auf junge Spieler aus der Region“. Der Zirkel sei grob von Oldenburg bis nach Osnabrück gesteckt. Mit den Wildeshausern Tom Schmidt und Janek Jacobs, dem Dötlinger Marius Krumland und dem Sandkruger Nikita Kirik kicken auch vier Spieler aus dem Landkreis Oldenburg im Nachbarkreis.

Der BV Cloppenburg und seine neue Philosophie

Ob Flügelstürmer Jacobs auflaufen kann, ist aber ebenso noch ungewiss, wie der Einsatz von einigen anderen Cloppenburger Akteuren. Denn der Auswärtssieg bei Arminia Hannover war nicht nur hart erkämpft, sondern das Spiel auch hart geführt. „Viele Spieler haben Blessuren davon getragen. Unsere Physio-Abteilung hatte einiges zu tun“, erklärt Schütte.

Für das Duell gegen Atlas sieht der Ex-Trainer des BV Bockhorn, des SV Brake und des A-Jugend-Bundesligisten VfL Oldenburg seine Elf gut gerüstet. „Jürgen Hahn macht beim SV Atlas hervorragende Arbeit. Aber wir kennen die Spielweise von Atlas und bereiten uns dementsprechen auch taktisch auf das Spiel vor“, sagt Schütte, der früher unter anderem die Atlas-Angreifer Patrick Degen, Oliver Rauh und Steven Müller-Rautenberg trainierte.