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Fußball-Oberliga Fünf Thesen über den SV Atlas Delmenhorst

Von Daniel Niebuhr und Frederik Böckmann | 17.10.2018, 08:59 Uhr

Die Fußballer des SV Atlas Delmenhorst stecken mitten in einer richtungsweisenden Phase. Nach zehn von 30 Spielen und Platz sechs trifft die dk-Sportredaktion fünf gewagte Aussagen für den Rest der Oberliga-Saison.

Über eine Sache ist man sich in Delmenhorst eigentlich einig: Die aktuelle Fußball-Mannschaft des SV Atlas ist die beste seit der Wiedergründung 2012. Nach einem Saisondrittel muss man feststellen: Das Team ist diesen Vorschusslorbeeren nicht immer gerecht geworden. Als Sechster ist der Kontakt zumindest zu Platz zwei, der zu Aufstiegsspielen berechtigt, aber noch nicht abgerissen. Die dk-Sportredaktion wagt nach zehn von 30 Spielen fünf Aussagen über eines der sportlichen Aushängeschilder Delmenhorsts – dass nicht alle unumstritten sind, versteht sich von selbst.

1. Atlas ist immer noch Kult 968 Zuschauer kamen im Schnitt zu den sechs Pflichtspielen ins eigene Stadion an die Düsternortstraße. Wer da über fehlenden Zuspruch meckert, sollte sich mal im Rest von Norddeutschland umsehen. In der Oberliga sind die Delmenhorster, wie gehabt, die Nummer eins. Ein Atlas-Spiel ist immer auch Treffpunkt und Gesprächsthema in der Stadt – ob man den Verein nun mag oder nicht. Viel mehr ist in einer Liga, in der kaum ein Gastverein viel Anhang mitbringt, wahrscheinlich auch nicht drin. Die Fans sind ein Trumpf und manchmal ein Fluch, wenn der pöbelfreudige Anhang mal wieder übers Ziel hinausschießt. Um übrigens mit der verklärten Vergangenheit aufzuräumen: Auch der alte SV Atlas zog keineswegs immer die Massen an. 1994/95, als der Club in die Regionalliga aufstieg, kamen im Schnitt 679 und damit fast 300 Fans weniger als heute.

2. Jürgen Hahn ist noch der richtige Trainer

In nur vier Jahren von der Kreisliga in die Oberliga: Trainer Jürgen Hahn ist allmählich eine lebende Legende. Trotzdem wurde und wird der gebürtige Bayer nicht von allen Fans geliebt. Vor allem im vergangenen Frühjahr, als Atlas um den Oberliga-Klassenerhalt kämpfte, wurde Kritik am für Außenstehende manchmal reserviert wirkenden Hahn laut. Aber: Der 47-Jährige hat den SVA Saison für Saison auf ein höheres Level gehoben. Er formte in der Kreisliga aus einer Ansammlung von starken Individualisten ein Team, seine Mannschaften überzeugten in der Bezirksliga und Landesliga teilweise mit spielerischer Leichtigkeit. Und jetzt in der zweiten Oberliga-Saison haben die Blau-Gelben auch in taktischer Hinsicht die nächste Stufe erklommen. Hahn sagt zurecht: „Wir sind mittlerweile taktisch sehr variabel. Kein Gegner kann sich wirklich auf uns einstellen.“ (Weiterlesen: Jürgen Hahn im

3. Die Regionalliga käme nicht zu früh

Beim 1:3 gegen Gifhorn war das Stadion zum Abpfiff fast wieder leer – Hunderte hatten sich weit vorher schon enttäuscht auf den Heimweg gemacht. Die Ansprüche der Fans sind hoch, die des Vereins sollten es auch sein. Clubchef Manfred Engelbart ist nicht der einzige, der von der Regionalliga träumt. Dort warten Traditionsvereine wie der VfB Oldenburg, der VfB Lübeck und ein möglicher Drittliga-Absteiger Eintracht Braunschweig. Der ganzen Stadt würde ein Fußball-Verein mit überregionaler Bedeutung gut tun. Dass die Mannschaft dafür reif ist, muss sie erst nachweisen. „Wir sind noch kein Spitzenteam“, betont Trainer Jürgen Hahn. Aber Atlas muss die Gunst der Stunde erkennen. In der Regionalliga sind die letzten sieben Plätze alle von niedersächsischen Vereinen besetzt. Der Oberliga drohen in der nächsten Saison drei vermutlich ambitionierte Absteiger.

4. Die Abgänge schmerzen mehr als erwartet

Mit Leon Lingerski, Stefan Bruns und Patrick Degen mussten beim 1:3 gegen Gifhorn drei Leistungsträger passen. Damit fehlte Qualität – „und das konnten wir nicht kompensieren“, räumte Hahn ein. Er betonte: Die Spieler, die dafür in die Startelf gerückt waren, „haben ihre Chance nicht genutzt“. Man könnte es auch so formulieren: Obwohl Atlas den stärksten Kader seit seiner Neugründung hat, alle Neuzugänge sinnvolle Verstärkungen sind, fehlt in der Breite dann doch die Qualität. Und: Von den zehn Sommer-Abgängen würden drei Spieler dem Atlas-Kader weiterhin sehr gut tun (vorausgesetzt, sie wären in Form, austrainiert und zeigten die richtige Einstellung). Denn Linksverteidiger Sebastian Kmiec, der zentrale Mittelfeldspieler Sebastian Koltonowski und Flügelflitzer Lars Scholz hätten die Positionen von Lingerski, Bruns und Degen sehr gut ausfüllen können. (Weiterlesen: Der SV Atlas Delmenhorst und sein harter Spielerkern)

5. Der DFB-Pokal würde einen Quantensprung bedeuten

Zwei Siege fehlen Atlas noch, um den reformierten Niedersachsenpokal der Amateure zu gewinnen und den DFB-Pokal zu erreichen. Dort gibt es neben Zuschauereinnahmen allein für die Teilnahme 121000 Euro vom DFB, von denen aber ein Viertel in einen Solidartopf gegeben wird. Von dem profitieren die anderen Niedersachsenpokalteilnehmer. Sportvorstand Bastian Fuhrken sagt dennoch zurecht: „Der DFB-Pokal würde uns ganz neue Möglichkeiten eröffnen.“ Und die Stadt bundesweit bekannt machen. Das Erreichen des Niedersachsenpokal-Halbfinals bringt schon 5000 Euro, bei einer Endspielteilnahme gäbe es 6250 Euro und einen gewaltigen Imagegewinn. Dann würde das Atlas-Spiel am Finaltag der Amateure am 25. Mai 2019 in einer Konferenz mit anderen Spielen in der ARD übertragen. Bis zu 1,4 Millionen Zuschauer waren in diesem Jahr live dabei.