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Fussball-Oberliga Knifflige Elfmeterentscheidung bringt Atlas aus der Spur

Von Lars Pingel | 02.12.2018, 19:04 Uhr

Die Oberliga-Fußballer des SV Atlas Delmenhorst haben sich mit einer Niederlage in die Winterpause 2018/19 verabschiedet: Sie verloren am Sonntag beim VfV Hildesheim mit 0:2 (0:1).

Außerhalb oder innerhalb? Um diese Frage drehten sich am späten Sonntagnachmittag im Friedrich-Ebert-Stadion in Hildesheim viele Gespräche. Gesucht wurde der Ort eines Zweikampfs zwischen Jannik Vollmer (linker Außenverteidiger des SV Atlas Delmenhorst) und Hady El Saleh (Angreifer des gastgebenden VfV), in der 31. Minute. Vollmer hatte den Hildesheimer festgehalten, das war unstrittig. Aber eben außerhalb oder innerhalb des Strafraums?

Schiedsrichter Felix Bahr entschied auf innerhalb und damit auf Elfmeter für Hildesheim. Eine knifflige, aber richtige Entscheidung wie die Videobilder bewiesen. Benedict Plaschke verwandelte den Strafstoß zum 1:0 (32.). „Das war die Schlüsselsituation“, fand Leistungsfußball-Chef Bastian Fuhrken. „Ich konnte das von der Bank aus nicht sehen.“ Das ging auch Interimstrainer Daniel von Seggern so. „Wenn das Foul außerhalb passiert ist, wäre das natürlich sehr, sehr ärgerlich“, sagte er. Denn auch für ihn war das 0:1 „der Knackpunkt“.

Die bis dahin ganz starken Delmenhorster verloren nach dem Gegentreffer den Faden. Sie mussten sich im letzten Punktspiel des Jahres nach einem weiteren Gegentor durch Hady El Saleh (68.) schließlich mit 0:2 (0:1) geschlagen geben.

Atlas Delmenhorst vergibt klare Torchancen

Fuhrken und von Seggern wussten aber auch, dass die Delmenhorster zu diesem Zeitpunkt schon hätten führen können – eigentlich sogar müssen. Mit den starken Innenverteidigern Stefan Bruns und Mark Spohler, die den gelbgesperrten Marlo Siech und den kurzfristig ausgefallenen Karlis Plendiskis ersetzten, bestimmte Atlas vor 360 Zuschauern die Begegnung zunächst eindeutig.

Die Gäste griffen die Hildesheimer erst an, wenn diese die Mittellinie erreichten. Von dort an bauten die Delmenhorster ein so gut gestaffeltes Defensiv-Bollwerk auf, weshalb dem VfV lange nichts einfiel. Nach Ballgewinnen spielte Atlas mit guten Kombinationen über die Außenbahnen in Richtung des VfV-Strafraums und sorgte dort für viel Gefahr. Musa Karlis Kopfball, der nach einem Freistoß von Dennis Mooy knapp vorbei ging (5.), war die erste Chance. Thade Hein traf dann aus kurzer Distanz den Ball nach einer flachen Vollmer-Hereingabe von links nicht richtig (8.). Das waren die besten von mehreren Chancen.

Der erste offensive Akzent der Hildesheimer wurde von einem Ballverlust von Bruns im Mittelfeld begünstigt. VfV-Stürmer Adem Avci scheiterte mit seinem 16-Meter-Schuss aber am gut reagierenden Urbainski (29.). Keine 120 Sekunden später kam es, nachdem die Delmenhorster den Ball nicht energisch genug aus ihrem Strafraum befördert hatten, zu dem Zweikampf zwischen Vollmer und El Saleh – und dem daraus resultierenden Rückstand für Atlas.

Hildesheim wird immer stärker

Das Tor war ein Wirkungstreffer. Für Atlas negativ. Für Hildesheim positiv. Die Gastgeber, die als Regionalliga-Absteiger ihren Ansprüchen (noch) hinterherlaufen, beflügelte die Führung. Hildesheim wurden zweikampfstärker und ballsicherer. VfV-Trainer Thomas Siegel bezeichnete die Führung als „Türöffner“. Während Hildesheim stetig stärker wurde, fand Atlas nicht mehr zu seiner Leistung der ersten halben Stunde zurück. Lauf- und Einsatzbereitschaft und auch die Moral der Atlas-Spieler stimmten zwar, aber Aufwand und Ertrag passten nicht mehr zusammen. Die Pässe und Flanken wurden vor allem nach der Pause ungenau. Die Delmenhorster kamen so nur noch selten wirklich gefährlich vor das VfV-Tor.

Klare Chancen hatten in der zweiten Halbzeit nur die Hildesheimer. Emir Hadzic scheiterte nach einem Solo mit seinem Schuss an Urbainski (53.), so erging es nach einem Konter auch Avci noch einmal (67.). Das 0:2 konnte Urbainski aber nicht verhindern. Ein abgefälschter 18-Meter-Schuss von Plaschke klatsche an die Unterkante der Latte und von dort zurück ins Feld. El Saleh hatte darauf spekuliert, kam im Fünfmeterraum ans Leder und schob den Ball ins Netz (68.). Diesen Vorsprung brachte der VfV clever ins Ziel. „Bei diesem Boden geht dir dann auch die Kraft aus“, erklärte von Seggern. „Da hat es die Mannschaft, die verteidigen kann, leichter.“

Delmenhorster starten in Northeim in den zweiten Saisonteil

Die Delmenhorster gehen trotz der „nachher verdienten“ (Fuhrken) Niederlage als Tabellenvierter in die Winterpause. Dass sie sich ihre letzte Busfahrt des Jahres anders vorgestellt hatten, verheimlichte Fuhrken nicht. „Du fährst die 160 Kilometer nicht hierher, um dann 160 Kilometer mit null Punkten zurückfahren zu müssen.“ Zum Auftakt des zweiten Saisonteils steht dem SVA übrigens eine noch längere An- und Abreise bevor. Am 24. Februar 2019 kämpft die Mannschaft beim Spitzenreiter Eintracht Northeim um die nächsten Oberliga-Punkte. Northeim ist rund 230 Kilometer von Delmenhorst entfernt. Mark Spohler wird dann nicht mit im Bus sitzen. Er wird nach der Winterpause aus beruflichen Gründen für die Kreisligamannschaft des SVA auflaufen, erklärte Fuhrken.

Die Interimstrainer Fuhrken, von Seggern (Coach des Kreisligateams) und Benno Urbainski (Manager) trugen als Trio zum letzten Mal die sportliche Verantwortung. Noch in diesem Jahr soll ein Nachfolger von Coach Jürgen Hahn präsentiert werden.