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Fußball-Oberliga Rangeleien überschatten starkes Spiel des SV Atlas

Von Frederik Böckmann | 05.11.2017, 17:55 Uhr

Starke Leistung, aber keine Punkte: Die Oberliga-Fußballer des SV Atlas Delmenhorst haben ihr Auswärtsspiel beim heimstarken SC Spelle-Venhaus mit 1:2 (1:2) verloren. Trainer Jürgen Hahn war trotz der Niederlage nicht unzufrieden und sprach von der besten Saisonleistung. Überschattet wurde die Begegnung im Emsland von Rangeleien zwischen beiden Fanlagern nach der Partie.

Die meisten Fans hatten sich schon auf den Heimweg gemacht, die Ordner ihre Leibchen ausgezogen, die Protagonisten beider Mannschaften waren sich in der Spielanalyse weitgehend einig. Doch dann rückte nach einer gutklassigen Partie in der Fußball-Oberliga zwischen dem SC Spelle-Venhaus und dem SV Atlas Delmenhorst zehn Minuten nach dem Abpfiff und dem 2:1 (2:1)-Erfolg der Gastgeber der Sport doch noch in den Hintergrund.

Denn kurz vor Beginn der Pressekonferenz zettelten einige wenige Anhänger der Delmenhorster Fangruppierung Block H eine Rangelei vor dem Vereinsheim an. Auslöser war offenbar ein verbales Scharmützel, das es mit einem Speller Anhänger gegeben hatte. Als andere Speller Zuschauer den Delmenhorster abdrängten, schüttete der Atlas-Fan sein Bier in Richtung des Spellers aus. Es gab ein Handgemenge, Schlimmeres konnte bei der Rangelei aber verhindert werden, weil Spieler und Offizielle beider Teams auf die Chaoten einwirkten. Spelle-Venhaus rief die Polizei, die nicht mehr eingreifen musste, als sie eintraf.

SVA-Co-Trainer Marco Büsing entschuldigte sich noch direkt auf der Pressekonferenz im Namen des Vereins „für den Auftritt einzelner Personen. Das gehört sich nicht.“ Und erntete dafür Applaus.

Zumindest in sportlicher Hinsicht hinterließen die Blau-Gelben bei ihrem sonntäglichen Ausflug einen positiven Eindruck. Spelles Trainer Sebastian Röttger fand den Erfolg seiner Mannschaft „nicht unverdient“, räumte aber auch ein, „dass wir uns über ein Unentschieden nicht hätten beklagen dürfen“. Denn kurz vor Schluss vergaben die Gäste beim besten Heimteam der Liga zwei Riesenmöglichkeiten zum möglichen 2:2-Ausgleich.

Mit dieser vergebenen Doppelchance seiner Spieler Patrick Degen und Thomas Mutlu (86.) haderte auch SVA-Trainer Jürgen Hahn. „Das war eine bittere Niederlage gegen einen starken Gegner“, sagte er. Doch bei Hahn überwogen nach dem Schlusspfiff die positiven Aspekte. Er sah sogar die „beste Saisonleistung“ seiner Mannschaft. „Fußballerisch und taktisch hat alles gepasst. Wir hätten ein zweites oder drittes Tor machen müssen.“ Der SVA-Coach räumte aber auch ein: „Wir haben bei beiden Gegentoren Geschenke verteilt.“

Turbulente Anfangsphase zwischen SC Spelle und SV Atlas

446 Zuschauer sahen eine turbulente Anfangsphase. Bereits nach nicht einmal 20 Minuten waren schon alle drei Tore gefallen. Eine scharf geschossene Ecke von Musa Karli landete unter gütiger Mithilfe von Spelles Torwart Michael Gellhaus zum 1:0 für die Gäste im Tor (8.). Doch die Führung für die Gäste hielt keine 60 Sekunden. Spelles Kapitän Florian Hoff köpfte eine Ecke am kurzen Pfosten scharf ein (9.). Dabei sah SVA-Torwart Florian Urbainski nicht ganz so gut aus. „Überflüssig“ nannte Hahn den Ausgleich.

Er musste dann wenig später den zweiten Gegentreffer seiner Mannschaft mit ansehen. Die Blau-Gelben spielten bei einem langen Ball für Hahn „völlig unnötig“ auf Abseits. Atlas-Torwart Urbainski drängte den freistehenden Speller Michael Thielke zwar noch geschickt nach außen ab. Doch Thielke behielt die Übersicht, als er im Strafraum Sascha Wald bediente, der den Ball eiskalt zum 2:1 in Maschen hämmerte (19.). Der SCSV-Torjäger traf damit auch im siebten Heimspiel und hat nun bereits zwölf Treffer auf seinem Konto.

SC Spelle nach vorne brandgefährlich

Außer den Toren entwickelte sich ein kurzweiliges Spiel mit diversen guten bis sehr guten Möglichkeiten auf beiden Seiten. Einen von den SVA-Fans vehement geforderten Handelfmeter gab Schiedsrichter Kevin Dickscheid richtigerweise nicht (15.). Mitte der zweiten Halbzeit hätte Nick Köster freistehend aus sieben Metern das 2:1 machen können, vielleicht sogar müssen (27.).

Aber: Auch Spelle war im Spiel nach vorne immer brandgefährlich. Max Bachl-Staudinger und Florian Hoff zogen in der Zentrale die Fäden, in der Offensive war Wald von der SVA-Abwehr kaum zu halten. Und: Atlas war bei Speller Pässen in die Schnittstellen der Viererkette anfällig. „Wir hatten ein sehr gutes Kurzpassspiel“, fand Röttgers. Zur Pause hätte es auch 3:3 stehen können, doch der SVA lag mit einem Tor zurück.

SV Atlas vergibt gute Möglichkeiten für den Ausgleich

Die Gäste kamen bei zunehmendem Regen schwungvoll aus der Kabine. Dominik Entelmann köpfte über das Tor (48.), Lars Scholz suchte bei seinem Alleingang selber den Abschluss anstatt die freistehenden Mitspieler zu bedienen (56.), ehe „Domo“ Entelmann zwei Mal abgeblockt wurde (67./68.). Hier lag der Ausgleich für Atlas durchaus in der Luft. „Wir hatten Spelle soweit, dass wir hätten treffen müssen“, fand Hahn.

Sein Trainer-Kollege Röttgers räumte ein, „dass es aufgrund der Witterung mehr das Kampfspiel wurde, das wir nicht haben wollten. Wir wurden in zu viele Zweikämpfe und Luftduelle verwickelt.“ Allerdings hätten die Gastgeber bei einem halben Dutzend teilweise hochkarätiger Kontermöglichkeiten, die Urbainski teilweise klasse entschärfte, schon frühzeitig für die Entscheidung sorgen können. Und das hätte Atlas vier Minuten vor Schluss fast bestraft: SCSV-Torwart Gellhaus lenkte einen Degen-Kopfball fantastisch an den Pfosten, den Nachschuss schoss Mutlu ans Außennetz. Wenig später pfiff der Referee ab.

Zu sehr ärgern wollte sich Atlas-Coach Jürgen Hahn über die Niederlage aber nicht. „Kein Vorwurf an die Mannschaft: Das war eine ganz tolle Leistung.“ Was sich am Sonntagnachmittag von einigen wenigen Atlas-Fans nicht behaupten ließ.