Ein Angebot der NOZ

Fußball-Oberliga SV Atlas Delmenhorst beißt sich zum Sieg

Von Daniel Niebuhr | 10.09.2017, 21:42 Uhr

Nach dem 2:0 des SV Atlas Delmenhorst beim Heeslinger SC in der Fußball-Oberliga freut sich Trainer Jürgen Hahn über die Leidenschaft und die Wettkampfhärte.

Über die Sprintstärke von Fußball-Torhütern gibt es üblichweise nur wenige belastbare Daten, Schlussmänner spurten ja eher selten mal weit genug für brauchbare Messungen. Insofern hat Florian Urbainski am Sonntagabend seiner Zunft einen großen Dienst erwiesen, die Nummer Eins des SV Atlas rannte zehn Minuten vor Schluss des Oberligaspiels beim Heeslinger SC vor den Augen von rund 500 Zuschauern in einem imposanten Tempo über den kompletten Platz, um sich als einer der Ersten in den Jubelpulk zu stürzen. Sein Teamkollege Patrick Degen hatte mit seinem Tor zum 2:0 (1:0)-Endstand die Partie Sekunden zuvor zu Delmenhorster Gunsten entschieden – was selbst Trainer Jürgen Hahn zumindest zu einem kurzen Jubellauf inspirierte. „Die Erleichterung war groß, es war die Entscheidung“, sagte der Coach und nannte den zweiten Saison-Erfolg „ein Ausrufezeichen“. Immerhin hatte Atlas den Tabellenführer gestürzt.

Etliche Rudelbildungen

So schön sich der erste Oberliga-Auswärtssieg nach 18 Jahren für Atlas anfühlte, so dreckig war er andererseits auch – was Fußballer ja durchaus als Kompliment verstehen. Hübsch anzusehen war es nicht, was die bis dahin ungeschlagenen Heeslinger und die mal wieder von einer großen Fan-Schar begleiteten Delmenhorster boten, spannend aber sehr wohl. Atlas ließ Heeslingen viel Raum, um in der eigenen Hälfte konsequent abzuräumen, was gegen die spielerisch limitierten Gastgeber gut funktionierte. Beide Teams langten in den Zweikämpfen deftig hin, nach einer harten Grätsche von Degen gegen Gustav Balzer gab es nach 18 Minuten die erste von etlichen Rudelbildungen.

Degen leitete so unabsichtlich die Führung seiner Mannschaft ein: Atlas wehrte den folgenden Freistoß ab, nach einem eigentlich etwas umständlich vorgetragenen Gegenangriff flankte Marlo Siech auf den Kopf von Lars Scholz, dessen Bogenlampe zum 1:0 einschlug. Scholz musste unmittelbar vor der Pause verletzt raus, Hahn hatte mit Marco Prießner allerdings einen schlagkräftigen Ersatz auf der Bank. „Lars hat super gespielt, es ist ärgerlich, dass er sich verletzt hat“, sagte Hahn. Ein Muskelfaserriss war die erste Spontan-Diagnose nach dem Spiel.

„Plan hat perfekt funktioniert“

Atlas änderte nach der Pause nichts an der Taktik; verständlicherweise, denn Heeslingen fiel immer weniger ein. Auch die zahlreichen Standardsituationen verteidigte Atlas größtenteils souverän, ein Volleyschuss von Janis Müller nach einer Ecke in der 67. Minute war noch die größte Chance – doch auch der landete im Heeslinger Forst hinter dem Waldstadion. „Unser Plan hat perfekt funktioniert“, fand Hahn. „Hinten waren wir super organisiert, und unsere schnellen Stürmer waren für Heeslingens Verteidiger ein Problem.“

Sieben Gelbe Karten

Die starke Physis allein half den Platzherren nicht weiter. „Wir haben Leidenschaft gezeigt und uns gewehrt“, sagte Hahn. „Die Intensität ist so in dieser Liga.“ Der eher großzügig leitende Schiedsrichter Julian Lüddicke verteilte sieben Gelbe Karten – nur beim 1:1 des SV Atlas in Vorsfelde vor zwei Wochen hatte es in einem Oberliga-Spiel in dieser Saison mehr Verwarnungen gegeben.

Zweikampfhärte führte dann auch zur Entscheidung in der 78. Minute. Der eingewechselte Dominik Entelmann gewann im Mittelfeld den Ball und schickte Degen auf der linken Seite, der es dann vorzog, die Kugel selbst in lange Eck zu schießen, statt einen seiner drei mitgelaufenen Teamkollegen zu bedienen. „Gut für ihn, dass er den gemacht hat“, fand Hahn.

Er stand nach dem Spiel noch lange mit Scholz zusammen und schloss den tragischen Helden in die Arme, der dann mit der Mannschaft in die Kabine humpelte. Ob der flinke Angreifer den mit seinem vierten Treffer just eroberten Spitzenplatz der Torjägerliste am Samstag gegen den TuS Bersenbrück verteidigen kann, ist mehr als fraglich. „Ich fürchte, dass er erst einmal ausfällt“, meinte Hahn.