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Fußball-Oberliga SV Atlas Delmenhorst brennt auf die ersten Punkte

Von Daniel Niebuhr | 18.08.2017, 21:05 Uhr

Nach dem missratenen Start in die Fußball-Oberliga will sich der SV Atlas Delmenhorst im ersten Heimspiel gegen den MTV Eintracht Celle das Momentum zurückholen.

So unrund, wie sich David Lohmann vor einer Woche über den Sulinger Rasen schleppte, war er schon eine ziemlich gute Symbolfigur für den Saisonstart des SV Atlas. Die Oberliga hatte den Delmenhorstern bei ihrer Rückkehr wahrlich einen frostigen Empfang bereitet – am ersten Spieltag gab es nicht nur das in Überzahl entstandene 2:3 beim Mitaufsteiger TuS Sulingen zu verdauen, sondern auch Lohmanns Verletzung, ein Innenbandriss, wie der Torwart später berichten musste. Weil sich Angreifer Dennis Metzing beim Einsatz für die zweite Mannschaft in der Kreisliga auch noch das Kreuzband riss, klang es fast schon nach Verharmlosung, als Trainer Jürgen Hahn verkündete: „Das war keine schöne Woche für uns.“

Erstes Oberliga-Heimspiel seit 1999

Die gute Laune, die Atlas nach dem Aufstieg eigentlich erstaunlich gut durch die Vorbereitung gerettet hatte, ist vor dem ersten Heimspiel gegen den MTV Eintracht Celle also einer Anspannung gewichen – die Hahn aber erstaunlicherweise gar nicht groß stört. „So ist der Sport. Das Momentum kann sich in einem Spiel drehen, wir müssen es uns jetzt zurückholen“, sagt er.

Die Mannschaft brennt darauf, meint er, und baut mal wieder auf den Heimvorteil, der für Atlas vermutlich so groß ist wie für kaum einen anderen Club. Mehr als 1000 Zuschauer erwartet Hahn für das erste Oberligaspiel im Stadion an der Düsternortstraße seit dem 1:1 gegen Werder Bremen III am 16. Mai 1999. „Das ist was ganz Besonderes, da kommen die Leute bei jedem Wetter“, hofft der Trainer. „Das Publikum ist immer ein Plus für uns.“

Celle mit kleinem Etat

Auch für Celle wird es – wie für viele Gegner – eine ungewohnte Kulisse sein, nicht nur deshalb ist Atlas gegen den erstmals in der Oberliga vertretenen Mitaufsteiger der Favorit. Celle hat mit 55 000 Euro einen der kleinsten Etats und verlor in Felix Krüger den besten Stürmer, der in der Vorsaison 34 der 77 Tore erzielte. „Mit Vereinen wie Atlas können wir nicht mithalten“, sagt Teammanager Andreas Leihbacher. Mit Arminia Hannover auch nicht, gegen den ehemaligen Zweitligisten kassierte Celle am ersten Spieltag ein 2:5, das Hahn feststellen ließ: „Celle hat am ersten Spieltag Lehrgeld bezahlt.“

Beide Vereine hatten allen Grund, mit ihren Abwehrreihen zu hadern, besonders Hahn war auch mit etwas Abstand zum Sulingen-Spiel noch leicht angesäuert. „Solche Fehler haben wir in der letzten Saison nicht gemacht“, sagte er und meinte nicht nur den entscheidenden Fehlpass des sonst so verlässlichen Rechtsverteidigers Kevin Radke, sondern auch die Schwächen im Stellungsspiel.

Wer ersetzt Torwart Lohmann?

Besonders das Innenverteidigerpaar Stefan Bruns und Mark Spohler hatte Schwierigkeiten mit den langen Bällen der Sulinger. Allzu oft musste der eigentlich hinter den Spitzen eingeplante Nick Köster aushelfen. Hinter der Viererkette muss Hahn durch Lohmanns Ausfall zwangsläufig umbauen. Wer ihn im Tor ersetzt – ob Florian Urbainski oder Edgar Kary – ließ Hahn offen: „Das erfahren die Jungs am Samstag.“

Vorne hat Atlas dagegen keine Sorgen. Marco Prießner präsentierte sich als quirliger Unruheherd und ist auch gegen Celle erster Kandidat für die Position in der Spitze. Dominik Entelmann und Simon Matta, beide zuletzt eingewechselt, machten nach ihren Einwechslungen in Sulingen mit viel Engagement Eigenwerbung. „Es war wirklich vieles auch sehr gut im ersten Spiel“, fand Hahn.

Allerdings auch nicht so gut, dass er sich ohne Widerspruch die Favoritenrolle für das Celle-Spiel andrehen lassen will. „Von einigen habe ich schon gehört, unser Sieg wäre nur eine Frage der Höhe. Wer so denkt, hat nicht verstanden, wo wir sind“, sagt der Trainer. Er hatte Celle gegen Arminia Hannover beobachten lassen und kam zu dem Schluss: „Sie hatten Pech, genau wie wir. Beide Vereine stehen gerade an der gleichen Stelle.“