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Fußball-Oberliga SV Atlas Delmenhorst ist der König der Nadelstiche

Von Daniel Niebuhr | 24.09.2017, 19:00 Uhr

Beim 3:0 bei Eintracht Northeim zeigt Fußball-Oberligist SV Atlas Delmenhorst seine Klasse und springt auf Rang vier. Auch das Publikum wird zum Faktor.

Nadelstiche sind im Fußball ein gängiges Stilmittel, in Northeim band man am Sonntag sogar den Stadionsprecher mit ein. Als die Eintracht gemeinsam mit dem SV Atlas zum Oberliga-Spiel ins schnuckelige Gustav-Wegner-Stadion einlief, wurde die rund 60 Menschen starke Delmenhorster Fan-Delegation mit dem gut gemeinten Gruß „Willkommen im schönsten Stadion der Oberliga“ brüskiert, was der Atlas-Anhang mit „Düsternort, Düsternort“-Rufen beantwortete – in Anspielung auf die eigene Anlage im gleichnamigen Stadtteil. 90 kampfbetonte Minuten später musste man feststellen: Auf dem Platz bleibt weiter Delmenhorst der König der Nadelstiche. Mit einem starken 3:0 (1:0) düpierte der Neuling mit dem Vizemeister den nächsten Favoriten, was Trainer Jürgen Hahn befinden ließ: „Es war wohl das beste Spiel der Saison.“

Hahn sauer über Tätlichkeiten

Die sechste Partie ohne Niederlage hintereinander ließ Atlas auf Platz vier klettern, Hahn gratulierte seinen Spielern zu „einer großartigen Leistung“ – meinte aber wohl speziell die neun, die beim Schlusspfiff noch auf dem Platz standen. Denn die Gäste gewannen das Spiel, obwohl sie elf Minuten zu zehnt und weitere sechs Minuten zu neunt durchhalten mussten. Die mit Rot bedachten Tätlichkeiten von Dennis Janssen in der 73. und Patrick Degen in der 84. Minute trübten auch Hahns Siegerlaune: „Dafür gibt es keine Entschuldigung. Das wird ein Nachspiel haben. So eine Mannschaft wollen wir nicht sein.“

Es spricht für den Plan des Trainers, dass man selbst mit zwei Northeimern mehr auf dem Feld nie das Gefühl hatte, Atlas könnte ernsthaft in Gefahr geraten. Mit einer bissigen Defensive und flinken Kontern über Marco Prießner zogen die Blau-Gelben dem Favoriten den Zahn. Der giftige Mittelstürmer erzielte beim 1:0 in der 17. Minute ein für ihn ganz typisches Tor: Nach einem eigentlich zu langen Ball von Musa Karli luchste er Northeims Kapitän Christian Horst den Ball ab und schoss ein.

Degen: Erst Tor, dann Rot

Die Führung passte perfekt in die Strategie, auch die verletzungsbedingte Auswechslung von Kapitän Stefan Bruns, brachte die Viererkette nicht durcheinander. „Wir haben wenig zugelassen“, sagte Hahn, was gegen den stärksten Angriff der Liga eine stattliche Leistung war.

Nachdem Janssen in der 73. Minute Northeims Thorben Rudolph ins Gesicht gefasst hatte, sah der Mittelfeldstratege Rot, danach verlagerte sich das Spiel immer mehr in die Delmenhorster Hälfte. Wie so oft zeigte Atlas aber das Talent zu Toren im richtigen Moment. In der 73. Minute verschätzte sich Northeims Abwehr bei einer Abseitsfalle, Degen lief ungehindert durch, umkurvte Torwart Jannik Strüber und erzielte das 2:0. Neun Minuten danach musste auch er nach einem Schubser – ebenfalls gegen Rudolph – vorzeitig vom Feld.

Northeim-Coach: Haben uns beeindrucken lassen

Auch neun Delmenhorster ließen die Gastgeber aber kaum in den Strafraum, stattdessen erzielte Karli unmittelbar vor dem Schlusspfiff auf Vorlage des eingewechselten Thade Hein noch das 3:0. „Diesen Kampf, den wir gewonnen haben, sollen die Spieler erst mal genießen“, sagte Co-Trainer Marco Büsing und freute sich, „dass unsere Fans wieder wichtige Unterstützung für uns waren“. Northeims Trainer Malte Froehlich klagte, dass sich seine Spieler von der Kulisse von 430 nicht durchgehend freundlichen Zuschauern beeindrucken ließen: „Wir hätten diese Emotionen, auf die man als Fußballer auch geil sein darf, nutzen müssen. Das haben wir nicht geschafft.“