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Fußball-Oberliga SV Atlas Delmenhorst verteilt gegen Lupo Martini fleißig Geschenke

Von Frederik Böckmann, Frederik Böckmann | 15.10.2017, 22:45 Uhr

Schwache Leistung, verdiente Niederlage: Der SV Atlas Delmenhorst hat in der Fußball-Oberliga sein Heimspiel gegen Lupo Martini Wolfsburg vor 900 Zuschauern mit 1:3 (1:1) verloren.

Die Sieger feierten den ersten Auswärtserfolg der Saison jubelnd im Mannschaftskreis, die Verlierer schlichen bedröppelt über den Platz und bedankten sich bei ihren Fans für die Unterstützung. Und was machte Jürgen Hahn? Der Coach des SV Atlas Delmenhorst blieb nach dem Schlusspfiff erst einmal ein paar Minuten auf seinem Trainerstuhl sitzen. In sich gekehrt und fast regungslos nahm Hahn den Handschlag seines Trainerkollegen Giampiero Buonocore entgegen und versuchte, die verdiente 1:3 (1:1)-Niederlage in der Fußball-Oberliga seiner Mannschaft gegen Lupo Martini Wolfsburg zuerst alleine zu verarbeiten.

In seiner Analyse über die dritte Saisonpleite nahm Hahn dann nach der wohl schwächsten Saisonleistung kein Blatt vor den Mund. „In der Abwehr haben wir bei den ersten beiden Gegentoren Geschenke verteilt, im Spielaufbau hatten wir viele einfache Fehler und nach vorne hat uns einfach die Qualität gefehlt“, fasste der SVA-Trainer ziemlich ernüchtert seine Eindrücke zusammen. Und: „Einige Leistungsträger hatten einfach keinen guten Tag.“

Lupo-Martini-Trainer lobt Kampfgeist

Wolfsburgs Interimstrainer Buonocore strahlte indes nach dem zweiten Sieg im zweiten Spiel unter seiner Regie. „Das Spiel vor so einer Kulisse hat richtig Spaß gemacht. Meine Mannschaft hat verstanden, dass nicht nur das Spielerische, sondern auch der Kampf wichtig ist“, sagte der Ex-Profi des SSC Neapel und begründete den Erfolg seiner Elf so: „Wir sind mit viel Schwung aus der Pause gekommen und hatten in der zweiten Halbzeit mehr Torchancen. Deshalb war der Sieg verdient.“

Die Niederlage hatte für Atlas als Neunten in der Tabelle keine direkten Auswirkungen. Indirekt aber schon. Während Wolfsburg bis auf einen Zähler heranrückte, machte auch der auf dem ersten Abstiegsplatz stehende BV Cloppenburg drei Punkte gut. Der BVC gewann überraschend mit 2:1 bei Arminia Hannover – und hat am kommenden Freitag (19.30 Uhr) den SVA zum brisanten Nachbarduell zu Gast.

Diese Partie war auch bei vielen der rund 900 Zuschauer Gesprächsthema. Zum einen, weil es ein Derby zwischen zwei früheren Rivalen ist. Zum anderen aber auch, weil das vergangene Spiel der Blau-Gelben gegen Lupo Martini nicht unbedingt eines der Kurzweiligsten in der jüngeren SVA-Geschichte war – weil es viel Zeit zum Fachsimpeln gab.

Vorneweg: Den Atlas-Akteuren war Einstellung und Engagement am Sonntag zu keinem Zeitpunkt abzusprechen. Es gab allerdings in allen Mannschaftsteilen die von Hahn angesprochenen Defizite. Gedanklich war Wolfsburg immer einen Schritt voraus. Und Torchancen waren für die Gastgeber ziemlich rar gesät. Herausgespielte Möglichkeiten gab es für den SV Atlas genau eine einzige: Als Steven Müller-Rautenberg in der 87. Minute nach einer Vorlage von Thade Hein das mögliche 2:3 vergab.

Der Plan des SV Atlas geht nicht auf

Ansonsten basierte bei Atlas vieles auf Zufallsprodukten, auch wegen der technischen Unzulänglichkeiten im Spielaufbau, die Kombinationen oft verhinderten. „Wir wollten unser Spiel über die Außenverteidiger aufbauen und dann die Schnelligkeit von Oliver Rauh als Mittelstürmer ausnutzen. Das hat nicht geklappt“, sagte Hahn und räumte unumwunden ein, dass sein Plan nicht aufgegangen sei. Rauh hing wie auch Sturmpartner Entelmann ziemlich in der Luft, weil Atlas (zu) viel mit langen Bällen agierte – die meistens von den starken Wolfsburger Innenverteidigern Harry Pufal und Niklas Eilbrecht ziemlich humorlos geklärt wurden.

Die Blau-Gelben wurden gleich kalt erwischt. Nach einer Linksflanke von Razak Iddrisu traf Leon Hense ziemlich ungedeckt aus sieben Metern zur Führung für die Italiener (7.). Atlas hatte danach viel Ballbesitz, doch bis auf ein paar abgeblockte Schüsse und Hereingaben oder Eckbälle strahlten die Blau-Gelben kaum Gefahr aus. Dennoch glich der SVA noch vor der Pause aus. Nach einer eher missratenen Ecke von Musa Karli und einem Entelmann-Schuss staubte Oliver Rauh aus elf Metern zum 1:1 ab (33.).

Hahn beklagt im Angriff die fehlende Qualität

Wer gedacht hätte, dieser Ausgleich würde dem SVA guttun, sah sich getäuscht. Im Gegenteil. Vor allem in den ersten Minuten nach dem Seitenwechsel wirkten die Platzherren völlig unsortiert. Das nutzte Lupo, als Petrus Amin nach einer Ecke und einer Parade von SVA-Torwart Florian Urbaniski freistehend zum 2:1 traf (49.).

Atlas ließ nach dem neuerlichen Rückstand im Abwehrverbund Zweikampfhärte und Zuordnung vermissen, in der Offensive fehlten Ideen und Tempo, um die kompakt verteidigenden Gäste auszuhebeln. „Wir gehen personell auf dem Zahnfleisch“, meinte Hahn mit Blick auf seine Ausfallliste und trauerte vor allem dem Fehlen seiner ersten Sturmreihe mit Patrick Degen (letztmals gesperrt), Marco Prießner und Lars Scholz (beide verletzt) hinterher. „Das können wir aktuell nicht kompensieren“, sagt Hahn.

Wolfsburg war bei drei hochkarätigen Konterchancen für Elvir Zverotic (51.), Amin (55., Urbainski pariert klasse) sowie Amin und Iddrisu (78.) dem dritten Tor deutlich näher als Atlas dem Ausgleich. Doch die Hoffnungen der Atlas-Fans, doch noch irgendwie einen Punkt mitzunehmen, zerstörte dann der starke Amin, als er nach einem Konter per Flugkopfball traf (86.). „In der Oberliga“, betonte Hahn einmal mehr, „hat einfach jede Mannschaft große Qualität.“ Die eigene konnte der SVA am Sonntag jedoch nicht abrufen.