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Fußball-Oberliga SV Atlas mit viel Aufwand, aber keinem Ertrag

Von Frederik Böckmann, Frederik Böckmann | 21.04.2018, 22:48 Uhr

Fünftes siegloses Spiel in Folge, dritte Niederlage hintereinander: Das 1:2 (1:1) gegen den BV Cloppenburg war für die Fußballer des SV Atlas Delmenhorst ein richtiger Nackenschlag im Oberliga-Abstiegskampf. „Wir sind brutal bestraft worden“, sagte Atlas-Trainer Jürgen Hahn.

Kevin Radke pfefferte seine Fußballschuhe auf den Rasen, Florian Urbainski lehnte sich gedankenverloren an den Pfosten und Thomas Mutlu verkroch sich in die Auswechselkabine: Auch mehrere Minuten nach der bitteren 1:2 (1:1)-Niederlage am Samstagnachmittag gegen den direkten Abstiegskonkurrenten BV Cloppenburg war die Enttäuschung bei den Fußballern des SV Atlas Delmenhorst auf- und neben dem Spielfeld sichtbar. Wie schon eine Woche zuvor bei der Pleite beim Aufstiegsaspiraten Lupo Martini Wolfsburg (1:3) belohnten sich die Blau-Gelben für einen vor allem in der ersten Halbzeit couragierten Auftritt nicht.

Nach der dritten Niederlage in Folge und jetzt fünf sieglosen Spielen war auch Atlas-Trainer Jürgen Hahn dementsprechend geknickt. „Wir haben alles probiert, wir hatten viele Chancen, wir haben gut gespielt – ich kann der Mannschaft keinen Vorwurf machen. Uns fehlt gerade einfach das Erfolgserlebnis.“

BV Cloppenburg jubelt über Big Points

Der Atlas-Coach räumte mit Blick auf den Cloppenburger Siegtreffer durch Derrick Ampofo (53.), der sich nach einem langen Ball im Zweikampf gegen die SVA-Verteidiger Marlo Siech und Stefan Bruns durchsetzte, aber auch ein: „So ein Fehler darf uns in der Defensive nicht passieren. Da fehlte uns der Zugriff im Zentrum.“

Cloppenburgs Trainer Olaf Blancke atmete nach den Big Points im Abstiegskampf für die Gäste indes tief durch. „Das war mega-wichtig für uns. Es war kein schönes Spiel, aber wir haben das über weite Strecken gut gelöst. Wir haben immer an uns geglaubt.“

 Spielplan und Tabelle der Fußball-Oberliga 

Auch nach den Sonntagsspielen bleibt der SV Atlas in der Tabelle Zehnter. Der etwas unerwartete 3:0-Erfolg des MTV Gifhorn beim SSV Vorsfelde ließ die Kellerkonkurrenten aber nochmals enger zusammenrücken. Denn mit Atlas, Vorsfelde, Gifhorn, TuS Sulingen (1:5 beim TuS Bersenbrück) und TB Uphusen (1:1 bei Arminia Hannover) sind nun fünf Teams nur zwei Punkte von einander entfernt.

750 Zuschauer sahen eine muntere Anfangsphase. Für die Blau-Gelben hatten Sebastian Koltonowski und Marco Prießner per Doppelchance (8.) sowie Dominik Entelmann (11.) Gelegenheiten zur Führung auf dem Fuß. Auf der Gegenseite vergaben Ampofo (9.) und David Niemeyer (12.) zwei Möglichkeiten für die personell schwer angeschlagenen Gäste, die mit drei A-Jugendlichen in der Anfangsformation begannen. Nach 14 Minuten führten die Gäste dann mit 1:0. Atlas bekam einen hohen Ball nicht geklärt, dieser landete bei Niemeyer, der per herrlichem 20-Meter-Dropkick traf. Die Gastgeber brauchten danach einige Momente, um sich von dem Rückstand zu erholen. Doch dann nahmen die Blau-Gelben die Zügel wieder in die Hand – und wurden dafür belohnt. Nach einer Immerthal-Ecke staubte Koltonowski aus acht Metern zum verdienten Ausgleich ab (27.).

Atlas-Vorstand Fuhrken vermisst „letzte Entschlossenheit“ im Abschluss

Der SVA überzeugte spielerisch, initiierte vor allem über seine linke Seite viele gefährliche Angriffe. Vor der Pause hätte Delmenhorst bei weiteren Chancen für Prießner (25./39.), Degen (38., Freistoß), Koltonowski (38.) und Kevin Radke (42.) durchaus führen können. Gäste-Trainer Blancke, der in der Saison 1987/1988 selbst für Atlas stürmte (13 Einsätze, drei Tore), räumte daher ein: „Wir hatten in einigen Situationen Glück.“ Auch, weil BVC-Torwart Diederik Bangma bei hohen Bällen nicht immer den sichersten Eindruck machte, dafür aber auf der Linie stark parierte.

Mit einem Tag Abstand meinte Sport-Vorstand Bastian Fuhrken vor allem mit Blick auf die erste Halbzeit, „dass wir das Spiel hätten gewinnen müssen. Wir hatten genug Möglichkeiten. Aber teilweise hat mir da auch die letzte Entschlossenheit gefehlt. Vor allem bei den Standardsituationen.“

Gäste-Trainer Blancke, der in der Saison 1987/1988 selbst für Atlas stürmte (13 Einsätze, drei Tore), räumte ein: „Wir hatten in einigen Situationen Glück.“ Auch, weil BVC-Torwart Diederik Bangma bei hohen Bällen nicht immer den sichersten Eindruck machte, dafür allerdings auf der Linie stark parierte.

Atlas nahm den Schwung der ersten Halbzeit auch mit aus der Kabine – und lag sieben Minuten nach dem Seitenwechsel trotzdem mit 1:2 zurück. Der starke BVC-Lenker Niemeyer, übrigens Deutscher Hochschulmeister mit der Uni Vechta, schickte Ampofo. Der Neuzugang vom SSV Jeddeloh setzte sich gegen die Innenverteidiger Siech und Bruns durch und tunnelte auch noch SVA-Torwart Urbainski. „Das war viel zu einfach“, haderte Atlas-Trainer Hahn und vermisste auch die letzte „Überzeugung“ seiner Defensive in dieser Szene. „Da wurden wir brutal bestraft.“

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Die Platzherren brauchten wieder einige Zeit, um den erneuten Rückstand zu verdauen. Doch Atlas gab nicht auf. Der SVA rackerte und ackerte, kämpfte und grätschte, war fußballerisch besser und stemmte sich gegen die Niederlage. Das einzige Problem: Atlas brachte den Ball nicht über die Linie. BVC-Torwart Bangma hielt erst einen Kopfball von Sebastian Koltonowski stark (74.) und parierte dann auch bei einer Doppelchance gegen Lars Scholz (77.), der nach seiner Einwechselung frischen Wind brachte. Auf der Gegenseite hielt der gute Atlas-Torwart Urbainski zwei Mal gegen Ampofo (63./71.).

„Die Einstellung der Spieler hat gestimmt, das ist absolut positiv“, sagte Sportvorstand Fuhrken. Wenngleich er auch einräumte, dass er sich von dem einen oder anderen Spieler „noch mehr Herzblut“ gewünscht hätte. Angesichts eines Chancenverhältnisses von 11:6 für Atlas fand Jürgen Hahn zurecht, dass „ein Remis gerechter gewesen wäre“. Es blieb jedoch beim 1:2 – und vielen enttäuschten Gesichtern.