Ein Angebot der NOZ

Fussball-Regionalliga B-Junioren Delmenhorster Vittorio Mandurino kämpft mit Borgfeld um Bundesliga-Aufstieg

Von Lars Pingel | 09.06.2018, 10:31 Uhr

Der 16-jährige Delmenhorster Vittorio Mandurino läuft seit zwei Jahren für den SC Borgfeld auf. Das Regionalliga-Team kann an diesem Sonntag in die Relegation zur Fußball-Bundesliga einziehen oder sogar direkt in die Erste Liga aufsteigen.

Der Name der Straße in Bremen, an der die feine Sportanlage des SC Borgfeld zu finden ist, klingt wie ein Versprechen. „Hinter dem Großen Dinge“ heißt sie. Die B-Jugend-Fußballer (U17) des Vereins, für die auch der Delmenhorster Vittorio Mandurino aufläuft, haben es im Laufe der Saison 2017/2018 oft wahr gemacht. Doch an diesem Sonntag kann die Mannschaft dort einen Schritt machen, für den die Bezeichnung „großes Ding“ eindeutig untertrieben ist. Der Regionalligist trifft in seinem letzten Punktspiel auf seinem Platz ab 13 Uhr auf den Niendorfer TSV, dessen Abstieg schon feststeht. Das SCB-Team kann dagegen einen Traum verwirklichen. Holt es in dieser Partie mindestens einen Punkt, belegt es in der Abschlusstabelle den vierten Rang – und wird am 16./17. Juni und am 23./24. Juni gegen Tennis Borussia Berlin (Vierter der Regionalliga Nordost) in der Relegation um einen Platz in der Bundesliga kämpfen. Besiegen die Borgfelder am Sonntag ihren Gast, dann ist sogar noch mehr möglich, denn: Verliert der VfL Osnabrück beim JFV Nordwest in Oldenburg, rücken die Bremer auf Platz drei vor – und wären direkt für die Erste Liga qualifiziert.

Aufstieg wäre „überragend“

Der 16-jährige Mandurino ordnet die Saison schon jetzt, unabhängig von ihrem Ausgang, in der Kategorie „Highlight“ ein. „Es ist das erste Mal, dass ich so hoch spiele“, erzählt er, „dann noch als Stammspieler. Das ist ein großer Erfolg für mich.“ Gelingt der Bundesliga-Aufstieg, wäre das „überragend“. Der Delmenhorster ist rechter Verteidiger. Die Position interpretiert er sehr offensiv, erläutert er: „Wenn wir in Ballbesitz sind, agieren wir in einer 3-5-2-Formationen mit den Außenverteidigern auf den Flügeln.“ Insofern kommt es ihm entgegen, dass er, ehe er vor zwei Jahren zum SC Borgefeld wechselte, zunächst im Mittelfeld und dann als Stürmer gespielt hat. Diese Erfahrungen helfen ihm ebenfalls bei der Erfüllung seiner Defensivaufgaben. „Ich habe schon ein Gefühl dafür, was ein Stürmer machen kann und will“, sagt er.

Die ersten Trainingseinheiten und Punkt- und Pokalspiele absolvierte Vittorio Mandurino im Trikot des TuS Heidkrug. Über den TV Jahn Delmenhorst, den VfB und den VfL Oldenburg kam er zum SC Borgfeld. Trainer Burak Bahar hatte ihn zu einem Probetraining eingeladen. „Das hat mir sehr gut gefallen“, sagt Mandurino. Er entschied sich für den Wechsel.

Vittorio Mandurino wird beim SC Borgfeld zum Verteidiger umgeschult

Sein neuer Trainer hatte für Mandurino, der beim VfL Oldenburg als Stürmer zum Einsatz gekommen war, allerdings eine ganz andere Position vorgesehen. „Vor einem Blitzturnier in der Vorbereitung in Hamburg hat er gesagt, dass wir es mit mir als rechtem Verteidiger ausprobieren“, erzählt der Delmenhorster und fügt lachend hinzu: „Ich glaube, dass ich etwas doof geguckt habe.“ Doch das Experiment wurde ein Erfolg. „Jetzt habe ich richtig Spaß daran.“

Außenseiter überrascht die Konkurrenten

In seiner ersten Saison wurde Vittorio Mandurino, Sohn des Delmenhorster Gastronoms Vito Mandurino, mit dem SCB-Team Meister der Winterrunde der Verbandsliga Bremen und hinter Union Bremen Vizemeister der Sommerrunde. Das Entscheidungsspiel um den Regionalliga-Aufstieg gewannen die Borgfelder mit 3:1. In der Regionalliga überraschte die Mannschaft in der nun zu Ende gehenden Spielzeit die etablierte Konkurrenz um den Hamburger SV II oder den FC St. Pauli II. „Viele haben nicht mit uns gerechnet“, erklärt Mandurino die bisherige Bilanz von 13 Siegen, acht Remis und nur vier Niederlagen. Auch die beiden stärksten Teams der Liga, Meister VfL Wolfsburg II (59 Punkte) und Werder Bremen II (55), die nicht aufstiegen dürfen, weil die ersten Mannschaften in der Bundesliga antreten, ließen gegen den SC Borgfeld Federn. Gegen Werder (2:2, 0:0) holte der SCB zwei Zähler, gegen Wolfsburg mit dem 1:1 am „Hinter dem Großen Dinge“ einen (Hinspiel: 0:2). „Die Bundesligavereine haben gegen uns Spieler aus ihren ersten Mannschaften eingesetzt“, sagt Mandurino: „Das ist schon ein gutes Gefühl.“

Vittorio Mandurino geht weite Wege

„Wir sind als Team sehr stark“, erklärt der Delmenhorster, der gerade seinen Realschulabschluss gemacht hat, den Erfolg des Außenseiters. „Wir sagen: Wir sind wie eine Familie. Wir motivieren uns immer, kämpfen alle füreinander.“ Hinzu käme die in den drei bis vier Trainingseinheiten pro Woche entstandene gute Ausdauer aller Spieler und die glänzende taktische Vorbereitung und Motivation durch den Betreuerstab. „Unser Trainer sagt ständig, dass wir das Zeug haben, dort mitzuspielen.“

Rechtsfuß Mandurino sieht seine Stärken, die er in das Team einbringt, in seiner Disziplin und Aufmerksamkeit. „Ich kann mich gut fokussieren“, erzählt er. „Ich gehe konzentriert in die Spiele und bleibe es bis zum Schluss.“ Zudem sei seine Kondition groß: „Ich kann die weiten Wege gehen.“ Dass ihn Fußball fasziniert, liegt eben daran, dass der ein Mannschaftssport ist, sagt er. Und: „Ich fühle mich einfach wohl auf dem Platz.“

SCB-Vorstand arbeitet intensiv für den Aufstieg

„Der Zusammenhalt in der Mannschaft ist klasse“, lobt Dirk-Jochem Beckmann, 2. Vorsitzender des 1981 gegründeten SC Borgfeld. „Es macht Spaß, ihr zuzusehen.“ Das gelte auch für die Trainingseinheiten, in denen viel gelacht, aber dennoch sehr ernsthaft gearbeitet werde.

Einen Bundesligisten gab es in dem Verein noch nie, erzählt Beckmann. Er und seine Vorstandskollegen arbeiten intensiv daran, es ihren B-Junioren möglich zu machen, dass sie, wenn sie ihren Traum verwirklichen, diesen in der Saison 2018/2019 auch leben können. „Das ist kein ganz günstiges Unterfangen“, gibt der 2. Vorsitzende zu, der sich freut, dass der Klub große Unterstützung vom Bremer Fußball-Verband erhält, der sich über einen weiteren Bundesligisten aus seinem Gebiet „natürlich sehr freuen würde“. „Wir werden aber keine finanziellen Risiken eingehen“, sagt Beckmann. „Endgültig wird sich das in den nächsten Tagen entscheiden. Ich bin guten Mutes.“ Trotzdem, erklärt er, werde im SCB der Breitensport weiter gefördert: „Wir wollen unseren Dorfcharakter behalten.“

Vittorio Mandurion rückt ins A-Junioren-Team auf

Dass in Borgfeld, etwas im Schatten der B-Junioren, eine weitere Jugend-Mannschaft eine Erfolgsgeschichte schreibt, freut Beckmann natürlich trotzdem. Die A-Junioren haben gute Chancen, den Aufstieg in die Regionalliga zu schaffen. Das interessiert auch Mandurino, da er altersbedingt in der kommenden Saison 2018/2019 dorthin aufrückt. Er hofft, dass er dann in dieser Mannschaft das Versprechen, das der Straßenname andeutet, an dem der Sportplatz des SC Borgfeld liegt, wieder oft erfüllen kann. Denn er möchte als Fußballer große Dinge erreichen. Wie groß diese schließlich werden, wartet er entspannt ab: „Ich möchte einfach immer so hoch wie möglich spielen. Vielleicht schaffe ich es ja sogar mal in die Bundesliga. Im Fußball ist alles möglich.“