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Fußballer im Abstiegskampf TV Jahn Delmenhorst droht nach 69 Jahren die Kreisklasse

Von Daniel Niebuhr und Andreas Bahlmann | 03.04.2019, 12:54 Uhr

Der TV Jahn Delmenhorst hat die größte Fußball-Abteilung der Stadt, doch die erste Mannschaft steckt schon wieder in der Krise. Nach zehn Spielen ohne Sieg stehen die Delmenhorster im vierten Jahr nacheinander im Kreisliga- Keller. Ein Abstieg wäre historisch: In der Kreisklasse hat Jahn seit 1950 nicht gespielt.

Dass Konrad Adenauer und der Turnverein Jahn Delmenhorst von 1909 in einem Satz genannt werden, kommt nicht allzu häufig vor, geschieht an dieser Stelle aber ausnahmsweise mal aus Gründen der Veranschaulichung. Dass Jahns Fußballer zum letzten Mal in der Kreisklasse spielen mussten, ist nämlich schon eine ziemliche Weile her, damals hatte die Amtszeit des ersten Bundeskanzlers der Bundesrepublik Deutschland gerade erst begonnen – es war die Saison anno 1949/50.

Wenn es schlecht läuft, kann man bei dem Verein aus Düsternort ab Sommer also etwas erleben, was es seit 69 Jahren nicht mehr gegeben hat – denn die Kreisklasse ist am Brendelweg ein durchaus denkbares Szenario. Seit zehn Spielen und sechs Monaten hat der Kreisligist nicht mehr gewonnen, immerhin endete mit dem 1:1 gegen den SV Achternmeer am Wochenende die Serie von sieben Niederlagen in Folge, auch wenn sich die Freude von Trainer Arend Arends in Grenzen hielt, der feststellte, „dass wir dieses Spiel gewinnen müssen“.

Noch drei Punkte Vorsprung

Noch hat Jahn drei Punkte Vorsprung auf die Abstiegsränge, in den letzten neun Spielen steht aber ein brutales Restprogramm mit Spielen gegen sämtliche Spitzenteams auf dem Plan. Es könnte mal wieder eng werden für die Violetten, und diese Geschichte kommt einem inzwischen bekannt vor. Tatsächlich steckt der Club mit der größten Fußball-Abteilung der Stadt im vierten Jahr in Folge im Abstiegskampf der Kreisliga – kein Trainerwechsel und kein Neuzugang konnten die Dauerkrise bisher lösen.

Arends war vor anderthalb Jahren mit viel Eifer und neuen Ideen in den Trainerjob gestartet, er rettete den Club in der Vorsaison auch am letzten Spieltag. 2018/19 lief es zunächst nicht einmal schlecht, nach dem überraschenden 3:2 beim Titelanwärter SV Atlas II stand man am 3. Oktober auf Rang neun mit 14 Punkten. Seitdem kamen aber nur zwei dazu, inzwischen ist man als Zwölfter einer der fünf Beteiligten im Abstiegskampf. „Mir tut es manchmal schon für die Jungs leid, dass sie sich zu oft einfach nicht für ihren Aufwand belohnen können“, sagt Arends.

Der Knipser fehlt

Er hat dafür eine Erklärung, die durchaus einleuchtet: Jahn fehlt im Strafraum die Cleverness. 35 Tore in 21 Spielen sind zumindest in der Kreisliga die Bilanz eines Abstiegskandidaten, nicht ohne Grund stellt Jahn als einziges Team der Liga keinen Spieler unter den besten 25 der Torjägerliste. Der beste Schütze ist Timo Füller auf Rang 34 mit sechs Treffern. „Uns fehlt einfach jemand, der in der Box steht und auch mal dahin geht, wo es wehtut. Einer, der einfach mal draufhaut, ohne viel nachzudenken“, sagt Arends. „Wir arbeiten ganz gut gegen den Ball, auch das Herausspielen von Torchancen ist nicht unser Problem. Nur ohne Torjäger ist das einfach nicht zwingend genug.“

Es tröstet immerhin ein wenig, dass schon 15 verschiedene Spieler für Jahn getroffen haben, die Moral hat unter der sportlichen Krise auch kaum gelitten, versichert Arends: „Der Zusammenhalt ist sehr gut. Die Jungs spielen wirklich zusammen, aber genau das ist wohl auch das Hauptproblem. Wir haben eigentlich zu viele Techniker.“ Die vielen Niederlagen und das immer näher rückende Tabellenende sind aber allen bewusst: „Das frustriert natürlich und macht nervös.“

Noch vier Flutlicht-Heimspiele

Bisher allerdings hat Jahn die Kurve jedes Mal noch irgendwie gekriegt. Vor drei Jahren hatten die Delmenhorster zu diesem Zeitpunkt noch zwei Punkte weniger und schafften es am Ende doch noch mit einem Zähler Vorsprung. Vor drei Jahren war man nach zwischenzeitlich zwölf Pleiten in Serie sportlich schon abgestiegen, profitierte aber vom Rückzug des TV Falkenburg. Dieses Mal sind die Falkenburger erneut einer der Konkurrenten im Abstiegskampf und der einzige von ihnen, der ein ähnlich schweres Restprogramm hat.

Jahn hat immerhin noch vier Heimspiele, alle unter Flutlicht und drei davon am Freitagabend, der bei Gastmannschaften am Brendelweg einst gefürchtet war. Die Unterstützung ist für einen Kreisligisten durchaus bemerkenswert, gegen Achternmeer kamen knapp 150 Zuschauer. In der kommenden Woche spielt der TV Jahn zweimal zuhause, am Dienstag, 9. April, gegen den VfR Wardenburg und am Freitag, 12. April, gegen den TSV Großenkneten. Vielleicht kann man am kommenden Freitag beim TV Munderloh schon die Negativserie brechen. Damit man Konrad Adenauer und den den TV Jahn am Ende der Saison nicht noch einmal in einem Satz nennen muss.