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Futsal-Kreismeisterschaft 2018 Fußballer freunden sich langsam mit Futsal an

Von Frederik Böckmann und Andreas Bahlmann | 16.01.2018, 09:26 Uhr

Bei der Futsal-Kreismeisterschaft 2018 in Sandkrug sehen einige Mannschaften das andere Regelwerk weiterhin skeptisch. Doch die meisten Kicker wissen die Vorzüge des Futsals zu schätzen, vor allem Techniker kommen besser zu Geltung.

Thomas Baake wusste im Vorfeld auch nicht so genau, was er von seiner Truppe erwarten sollte. Mit „gemischten Gefühlen“ trat der Trainer des VfL Stenum mit seiner Mannschaft die Reise zu den Futsal-Kreismeisterschaften am vergangenen Wochenende bei der TSG Hatten-Sandkrug an. Bei der ersten inoffiziellen Futsal-Meisterschaft im Dezember 2016 in Delmenhorst hatte der Bezirksligist Platz fünf belegt, bei der zweiten Auflage wenige Wochen später im Januar 2017 in Harpstedt hatte sein Team verzichtet.

Zur Premierenveranstaltung am Samstag und Sonntag in Sandkrug musste der VfL auch deswegen antreten, weil der Fußball-Kreis sie als Pflichtveranstaltung festgelegt hatte, der Fokus lag und liegt für Stenum aber weiter auf der Liga, weshalb Baake auch am Freitagabend ein Testspiel beim TuS Sudweyhe angesetzt hatte (und nach Toren von Lennart Höpker und Maximilan Klatte mit 2:3 verlor).

Wer Thomas Baake bei der Futsal-Meisterschaft wie gewohnt engagiert coachen sah, der merkte schnell, dass auch Baake Spaß am Futsal gefunden hatte. Rang vier drückte am Ende die Turnier-Leistung des VfL fast schon unzureichend aus. Stenum versuchte auch auf engstem Raum seine Aktionen spielerisch zu lösen, was Coach Baake teilweise zum Schwärmen brachte. Beim glänzenden 6:1 gegen den VfR Wardenburg leuchteten Baakes Augen vor allem bei einem Tor „über ganz viele One-Touch-Stationen, das könnte man auch als Lehrvideo bei Youtube zeigen“.

Wie für Baake ließ sich vor allem am Sonntag bei praktisch allen Beteiligten festhalten: Futsal scheint langsam, aber sicher im Fußball-Kreis auch bei den Senioren anzukommen. Zwar gab es am ersten Turniertag durchaus kritischen Stimmen, etwa von Ippeners Coach Chawakat El-Hourani („Wir sind Fußballer und wollen das spielen. Futsal nimmt einem den Spaß.“) oder TSV-Trainer Stephan Schüttel („Das Regelwerk ist viel zu kompliziert.“). Doch der grundsätzliche Tenor vor allem am zweiten Turniertag war positiv. Es wurde mehr gezaubert als gezaudert beim Umgang mit dem Futsal.

„Futsal ist gut angekommen und angenommen worden“, fand Schiedsrichter Michael Koch, Futsal-Ansetzer im Fußball-Kreis. „Ich denke, wir sind auch bei den Herren schon sehr weit. Die Spieler verinnerlichen das mehr und mehr.“

Koch freute sich vor allem über das teilweise „hervorragende Abschneiden“ der Mannschaften aus der 2. und 3. Kreisklasse. So hätten zum Beispiel der Delmenhorster BV, der nur um einen Punkt die Zwischenrunde verpasst, und Borussia Delmenhorst hervorragenden Futsal gezeigt.

Torhüter wissen die Regeln beim Futsal zu schätzen

Vom traditionellen Hallenkick trennen Futsal vor allem das Regelwerk und das Spielgerät: Das Feld wird nicht durch Banden, sondern durch Linien begrenzt. Gespielt wird mit einem kleineren, etwas schwereren und weniger stark aufgepumpten Ball. Sein reduziertes Sprungverhalten bringt die technischen Fähigkeiten der Akteure besser zur Geltung. Dazu gibt es besondere Zeitregeln: Frei- und Abstöße sind binnen vier Sekunden auszuführen. Ein Zuspiel zum Torwart ist nur erlaubt, wenn ein gegnerischer Spieler den Ball berührt hat oder der Torwart den Ball in der Gegner-Hälfte spielt.

Die teilweise vielen anderen Regeln im Vergleich zum klassischen Hallenfußball findet Torwart Tur-Abdin-Torwart Ehsan Ehsani Tabar „richtig gut“. „Dass man mich nicht anspielen darf, war auch für mich ungewöhnlich. Aber das macht das Spiel interessanter.“

Atlas-Keeper Florian Urbainski, der beste Torhüter des Turniers, hat ohne die Bande „weniger gefährliche Zweikämpfe“ gesehen und lobte die Regel mit den kumulierten Fouls: Denn ab einer bestimmten Foulzahl (je nach Spielzeit, in Sandkrug ab vier Fouls) gibt es stets einen Strafstoß für das andere Team, bei jedem weiteren Foulspiel einen weiteren Zehnmeter.

Foulregel als taktisches Element

Die kumulierte Foulregel ist auch ein taktisches Element. Während etwa der SV Tur Abdin wichtige Tore nach Standards erzielte, weil der Gegner seine Foulzahl überschritten hatte, kassierte der VfL Stenum nach ebensolchen Aktionen Gegentreffer. „Da müssen wir cleverer agieren“, haderte Coach Baake.

Dass Futsal nicht nur etwas für junge Spieler sein muss, bewiesen am zweiten Spieltag auch drei Oldies. Stenums Routinier Rouven Heidemann (36) bestach mit seiner körperlichen Präsenz und Übersicht als Aufbau- und Abwehrspieler, Wildeshausens fast immer durchspielender spielender Co-Trainer Sven Apostel (41) lenkte das Wittekind-Spiel aus der Defensive heraus und Baris-Torwart Malik Oflazoglu (44) zeigte auch im Handball-Tor starke Paraden.