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Futsal-Kreismeisterschaft 2018 SV Tur Abdin schlägt SV Atlas im Finale

Von Frederik Böckmann und Andreas Bahlmann | 14.01.2018, 17:53 Uhr

Bei der Futsal-Kreismeisterschaft in Sandkrug zwingt Bezirksligist SV Tur Abdin Delmenhorst im Finale überraschend den Oberligisten SV Atlas Delmenhorst in die Knie.

99 Spiele, zwei lange Turniertage, intensiv geführte Begegnungen: Kurz vor dem Showdown bei der Futsal-Kreismeisterschaft in Sandkrug zehrte die Mammutveranstaltung auch an den Kräften der austrainiertesten Spieler. Vor dem Endspiel der offiziellen Premiere des Indoor-Kicks liefen sich die Fußballer des SV Tur Abdin eher gemächlich als konzentriert warm. „Ich bin schon ganz schön kaputt und kann kaum noch gehen“, schmunzelte Abdins Abwehrrecke Daniel Karli vor dem Finale gegen den Delmenhorster Stadionnachbarn SV Atlas.

Im Finale bündelten die Aramäer dann aber noch einmal alle Kräfte. Sie schmissen sich gegen den Oberligisten in der Defensive in jeden Zweikampf, gingen jeden langen Sprint mit und beschäftigten den SVA aber auch mit ihren technischen Qualitäten in der Defensive. Den Lohn für diese mannschaftliche Geschlossenheit gab es am Sonntagabend um 16.39 Uhr, als Kapitän Lukas Mutlu nach einem 5:4-Sieg im Sechsmeterschießen – zuvor hatte es 1:1 gestanden – den Sieger-Pokal von Kreischef Erich Meenken in Empfang nahm.

Kurios: Kreismeister Abdin kassiert höchste Turnierniederlage

„Wir sind für unseren Teamgeist und unsere Moral belohnt worden“, jubelte Abdins Mathias Demir, der zusammen mit Isa Tezel das Coaching für den verhinderten Trainer Christian Kaya übernommen hatte. Dabei hatte Demir nach dem 0:6 im ersten Gruppenspiel gegen den VfL Wildeshausen – übrigens die höchste Niederlage im gesamten Turnier – „schon schwarz gesehen für uns“. Doch die Aramäer rissen sich danach zusammen. Sie gewannen und hitzige Spiel gegen den FC Hude (2:1), drehten einen Rückstand gegen den Harpstedter TB noch in einen Sieg (2:1) und zeigten dann im Halbfinale gegen den VfL Stenum (2:1) eine für Demir „super Leistung“ . „Wir haben uns von Spiel zu Spiel gesteigert“, stellte der Trainer richtigerweise fest.

Das Endspiel gegen Oberligist SV Atlas war dann eng und umkämpft. Abdins Offensivmotor Can Blümel brachte den SVT mit 1:0 in Führung (3.), als ins leere Tor schoss, weil SVA-Torwart Florian Urbainski nach einer Rettungsaktion noch nicht rechtzeitig zurück im Kasten war. Wenig später gelang Atlas durch Thade Hein nach einer Einzelleitung der Ausgleich (7.). Dabei blieb es – und es ging ins Sechsmeterschießen, wo Tur-Abdin-Torwart Ehsan Ehsani Tabar zum Matchwinner avancierte, als er den entscheidenden Schuss von Urbainski parierte (siehe Extra-Text). „Ob unser Sieg jetzt glücklich war, oder nicht, ist egal. Jetzt haben wir den Pokal, nur das zählt“, schmunzelte Mathias Demir, ehe er sich zur Feiermeute der Aramäer begab.

Die Blau-Gelben waren nach der Pleite im Endspiel schon niedergeschlagen. „Natürlich sind wir enttäuscht, wenn man so ein Finale verliert“, sagte Trainer Steven Herrmann, der nach vier Hallenmasters-Titel als Spieler mit dem VfL Stenum auch gerne als Coach das Turnier gewonnen hätte. Herrmann hatte eine Mix-Truppe mit Oberliga-Akteuren und Spielern aus der Reserve aufgeboten. Nach einer souveränen Vorrunde spielte Atlas auch eine perfekte Zwischenrunde: Der SVA hatte alle neun Gruppenspiele mit einem Torverhältnis 23:1 Toren gewonnen. Vor allem die Neuzugänge Dennis Thüroff und Philip Immerthal deuteten ihre individuellen Qualitäten mehrmals an.

VfL Stenum brechen die vielen Foulspiele etwas Genick

Atlas hatte sich im Halbfinale gegen den VfL Wildeshausen durchgesetzt, weil Immerthal 17,6 Sekunden vor Schluss nach einem Freistoß zum 2:1-Endstand traf. Zuvor hatte Timo Höfken (10.) die Atlas-Führung von Hein (7.) ausgeglichen. „Unser Ausscheiden gegen Atlas war schon unglücklich. Wir haben schon einen ganz guten Ball gespielt, wenn auch manchmal zu kompliziert“, fand der Co-Trainer Sven Apostel. Der 41-Jährige spielte übrigens fast in allen Begegnungen durch und bestach durch seine Übersicht. Für Wildeshausen reichte es immerhin noch zu Rang drei, durch einen 3:2-Erfolg (zuvor 0:0) im Sechsmeterschießen gegen den VfL Stenum.

Deren Trainer Thomas Baake war „sehr zufrieden“ mit dem Auftritt seiner Truppe. Baake bilanzierte richtigerweise: „Wir haben mit den besten Futsal gespielt. Deswegen war auch mehr möglich als Rang vier.“ Im verlorenen Spiel um Rang drei hatte Stenum die besseren Möglichkeiten, im verloren 1:2-Halbfinale gegen Tur Abdin gleichwertig.

Was Stenum etwas das Genick brach, war die Vielzahl der Foulspiele. Im Semifinale traf Abdins Can Blümel 42 Sekunden vor Schluss mit einem Zehnmeter, weil Stenum sich das vierte Foul geleistet hatte. „Fast alle unsere Gegentore sind nach Strafstößen oder Zehnmetern gefallen. Da fehlte uns etwas die Cleverness“, fand Baake, dem dennoch mit Blick auf seine Mannschaft „das Herz aufging“. Stenum löste viele Offensiv-Aktionen spielerisch. „Wir hatten tolle Spielzüge.“ Neben den Futsal-erfahrenen Youngstern überzeugte etwa auch der 36-Jährige und Futsal-unerfahrene Rouven Heidemann als Abwehr- und Aufbauspieler. „Unglaublich gut“, fand Baake Oldie Heidemann.