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Generalprobe gegen BSV Rehden SV Atlas Delmenhorst macht Lust auf mehr

Von Daniel Niebuhr | 17.02.2019, 20:52 Uhr

Der SV Atlas Delmenhorst macht vor dem nahenden Oberliga-Start Lust auf die mit Spannung erwartete Rückserie. Die Delmenhorster Fußballer feiern eine interessante Generalprobe gegen den Regionalligisten BSV Rehden. In einer Hinsicht hält die Pechsträhne des neuen Trainer Olaf Blancke aber doch an.

Nicht ganz unerwartet setzte Manfred Engelbart am Sonntagnachmittag an der Seestraße die modischen Maßstäbe. Der stets eloquente Vorsitzende des SV Atlas trug zum letzten Testspiel des Winters bei Kaiserwetter auf der Anlage des Delmenhorster TB schon seine auffällige Sonnenbrille, während die meisten der 150 Zuschauer noch auf frühlingshafte Accessoires verzichteten. Zwischendurch verteilte er noch Nettigkeiten und ein paar Atlas-Schals, die man bekanntlich bei allen Temperaturen tragen kann.

Nach dem unterhaltsamen 1:1 (1:1) gegen den Regionalligisten BSV Rehden stieß Engelbart zur Spielanalyse seines Trainers Olaf Blancke dazu, um kurz loszuwerden, „dass die Mannschaft heute einen großen Fortschritt gemacht hat“. Er konnte nicht wissen, dass Blancke kurz vorher schon das gleiche gesagt hatte – bei ihm klang das Fazit so: „Wir haben es defensiv besser gemacht als zuletzt. Wir wollen das Ergebnis nicht zu hoch hängen, aber wir hätten sogar gewinnen können.“ Es sei „ein Spiel für die Birne“ gewesen, meinte er – also vor allem wichtig für die Mentalität, die nach eher mäßigen Resultaten zuletzt etwas gelitten hatte.

Lob von Rehdens Trainer

Die Generalprobe vor dem schweren Auswärtsspiel am kommenden Sonntag beim Oberliga-Spitzenreiter Eintracht Northeim war durchaus gelungen und gut anzusehen obendrein, beide Teams hatten bei ihrem ersten Spiel auf Rasen in diesem Jahr offenkundig Lust auf Fußball. Auch Rehdens Trainer Benedetto Muzzicato, der einige Spieler aus der zweiten Reihe auflaufen ließ, nannte Atlas hinterher „eine starke Mannschaft, die in der Oberliga zurecht oben mitspielt. Das ist ein Club mit Ambitionen, gegen den sich meine Jungs gut geschlagen haben.“

Tatsächlich macht Atlas den Fans durchaus Lust auf den zweiten Teil der Saison. Das verdiente Remis am Sonntag war zweifellos der beste Test, seit Blancke das Ruder übernommen hat; seine Elf wirkte bissig und gut geordnet gegen einen klassenhöheren Gegner, der zwar nicht in Bestbesetzung, aber immer mit einem namhaften Team spielte – unter anderem mit Solomon Okoronkwo, der 39-mal für Hertha BSC in der Bundesliga und zweimal für Nigerias Nationalmannschaft gespielt hat. Atlas stand hinten hervorragend, vor allem das Abwehrzentrum mit Marlo Siech und Aushilfs-Innenverteidiger Leon Lingerski war kaum zu überraschen.

Zwei neue Verletzte

Vorne war Patrick Degen der aktivste Mann, mit dem einzigen Delmenhorster Tor an diesem Nachmittag hatte er aber nichts zu tun. Abräumer Thomas Mutlu flankte aus dem Halbfeld, Marco Prießner drückte den Ball mit dem Kopf aus elf Metern ins lange Eck. In der 40. Minute war Prießner erneut enteilt, sein missglückter Querpass auf Steven Müller-Rautenberg war allerdings die schlechteste Idee. „Wie einige andere braucht Marco noch etwas mehr Dampf auf dem Kessel“, sagte Blancke.

Dass Müller-Rautenberg zu diesem Zeitpunkt auf dem Platz stand, erzählt die negative Geschichte des Nachmittags. Er war für Tom Schmidt eingewechselt worden, der sich wohl einen Muskelfaserriss zugezogen hatte. Weil in der zweiten Halbzeit auch noch Kevin Radke umknickte, beklagt Blancke nun schon fünf Verletzte. Zudem sind Neuzugang Aladji Barrie und Abwehrchef Karlis Plendiskis gerade krank. „Das nervt einfach nur noch“, stöhnte Blancke.

Urbainski hält Elfmeter

Die Optionen für das Northeim-Spiel sind so einerseits weniger geworden, andererseits zeigten sich die Einwechselspieler am Sonntag durchaus auf der Höhe. Nach dem 1:1 durch Rehdens kroatischen Winterneuzugang Tomislav Ivicic, der eine Vorlage von Okoronkwo verwertete, überstand Atlas in der zweiten Halbzeit einige schwere Phasen. Rehden hatte die größte Chance auf den Sieg durch einen von Radke verursachten Foulelfmeter, mit dem Okoronkwo nach einer Stunde aber am hervorragenden Keeper Florian Urbainski scheiterte. Atlas wurde in der gegnerischen Hälfte auch noch einmal auffällig, als Oliver Rauh nach einem Lingerski-Befreiungsschlag über 40 Meter allen davonlief, um den Ball dann jedoch genau auf Torwart Eric Schröder zu schießen.

Am Ende nahmen alle aber doch eine Menge mit aus diesem Sonntag, der einen Vorgeschmack auf die Intensität lieferte, die Atlas in den etwas mehr als drei Monaten erwartet, die nun kommen. Die Delmenhorster sind in der Oberliga als Vierter in der Verfolgerposition, der Dritte Eintracht Braunschweig II darf höchstwahrscheinlich nicht aufsteigen. Die beiden Spitzenteams Northeim und HSC Hannover sind aber schon acht Punkte weg und haben beide im Winter angekündigt, die Regionalliga-Lizenz zu beantragen. Zusätzlich brisant: Trotz der glänzenden Platzierung sind die Abstiegsränge punktemäßig weniger weit entfernt als Rang zwei, nämlich nur sechs Punkte. Zumindest Manfred Engelbarts Vorfreude auf die spannende Rückserie konnte man hinter der Sonnenbrille schon erahnen.