Ein Angebot der NOZ

Gudjon Geirsson träumt vom Finale Isländer aus Stuhr erlebt EM-Wunder in Reykjavík

Von Yannick Richter, Yannick Richter | 29.06.2016, 21:09 Uhr

Das EM-Wunder der Isländer fasziniert die Fußball-Welt. Der in Stuhr lebende Isländer Gudjon Geirsson macht zurzeit in seiner Heimat Urlaub und schildert seine Eindrücke vom Fußball-Märchen.

So verfolgt die Region Delmenhorst die EM 2016

Ein paar Tage nach dem Einzug Islands ins Viertelfinale der EM kann Gudjon Geirsson sein Glück immer noch nicht fassen. „Es ist der reinste Wahnsinn, einfach ein unbeschreibliches Gefühl. Die ganze Nation feiert und lebt das EM-Wunder mit“, schwebt der Fußballfan zurzeit gemeinsam mit dem gesamten isländischen Volk auf der Euphoriewelle. Der 41-Jährige lebt seit einigen Jahren in Stuhr, leitet ein Architekturbüro in Bremen-Neustadt und macht momentan im Heimatland bei seinen Eltern in der isländischen Hauptstadt Reykjavík Urlaub.

Isländische Fußballfans feiern bis in die Morgenstunden

Wurden die überragende EM-Qualifikation, bei der die Isländer die Niederlande ausschalteten, und das Überstehen der EM-Gruppenhase schon enthusiastisch gefeiert, fand die Party-Stimmung auf Island nach dem sensationellen Achtelfinal-Sieg gegen die Fußball-Großmacht England erneut ihren vorläufigen Höhepunkt. „Die Fans sind bis in die Morgenstunden singend und tanzend durch die Straßen in Reykjavík gezogen. Es war eine unfassbare Atmosphäre“, beschreibt Gudjon Geirsson das EM-Fieber auf Island, das mit gerade einmal gut 330000 Einwohnern den bevölkerungsärmsten Turnierteilnehmer stellt. Aufgrund der Mitternachtssonne sind auf Island gegenwärtig die Tage ohnehin schon lang und die Nächte kurz, doch nach dem Einzug der isländischen Nationalmannschaft ins EM-Viertelfinale sei die Nacht quasi ausgefallen.

Belohnung nach jahrelanger Arbeit

Dass Island bei seiner ersten Teilnahme an einem großen Fußball-Turnier auf Anhieb zu den acht besten Mannschaften Europas gehört, habe zu Hause zwar niemand erwartet, gänzlich überraschend sei der Erfolg des Inselstaates jedoch nicht. Vielmehr sei er das Produkt langjähriger Arbeit, sagt Gudjon Geirsson: „Wegen der langen Winter haben wir vor Ort riesige Sporthallen, in denen das ganze Jahr über trainiert werden kann. Außerdem werden die Jugendarbeit und die Trainerausbildung von den Sportverbänden gezielt gefördert.“ Für Kinder und Jugendliche sei es deshalb von klein auf gang und gäbe, drei bis vier Mal in der Woche bei lizenzierten Übungsleitern zu trainieren. Während die isländischen Fußballer nun ihre erste Duftmarke setzen, gehört beispielsweise die isländische Handballnationalmannschaft nicht zuletzt wegen der zielstrebigen Förderung längst zur Weltspitze: 2010 holte sie bei der Europameisterschaft in Österreich die Bronzemedaille, zwei Jahre zuvor war sie 2008 mit dem Gewinn der Silbermedaille bei den Olympischen Spielen in Peking für den größten Erfolg in der Sportgeschichte des Landes verantwortlich.

Alle wichtigen Informationen zur EM gibt es auf unserer Themenseite

Erfolgsgeheimnis: Teamgeist und Mentalität

Neben Fleiß und Ehrgeiz seien der Teamgeist und die Mentalität das große Plus Islands. „Die Jungs haben einen unglaublichen Zusammenhalt und eine starke Moral. Zusammen mit den Fans im Rücken bilden sie eine Einheit, die auf und neben dem Platz spürbar ist“, erklärt Gudjon Geirrson das Erfolgsgeheimnis. Dementsprechend selbstbewusst geht der Fußballfan auch in die Viertelfinal-Partie gegen Gastgeber Frankreich: „In der K.o.-Runde ist alles möglich. Der Druck liegt nicht bei uns. Wir müssen nichts mehr beweisen“, fühlt sich der Stuhrer in der Rolle des Underdogs wohl.

Alles zur EM in unserem News-Blog

Bei Finaleinzug wird der Urlaub verlängert

Obwohl sich in Reykjavík Tausende Fußballbegeisterte zum Public-Viewing treffen, wird Gudjon Geirrson das nächste Spiel seiner Mannschaft wie gehabt im kleinen Kreise mit seiner Familie und Freunde schauen. Getreu dem Motto „Never change a winning team“ gibt er sich abergläubig: „Es wird nichts verändert. Die Konstellation beim Fußballgucken bleibt genauso wie bisher.“ In Schwierigkeiten könnte der 41-Jährige jedoch kommen, wenn sein Team ins Finale einzieht. Dann ist sein Urlaub nämlich eigentlich vorbei. Falls es Island jedoch tatsächlich ins Endspiel schafft, kehrt Gudjon Geirrson erst einmal nicht nach Deutschland zurück: „Dann werde ich mit allen Mittel versuchen, zum Finale nach Paris zu kommen.“