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Hallen-WM der Leichtathleten Schierbrokerin Gabriele Rost-Brasholz mit fünf WM-Medaillen

Von Klaus Erdmann | 03.04.2019, 08:25 Uhr

Gabriele Rost-Brasholz aus Schierbrok kehrt mit fünf Medaillen von der Leichtathletik-WM der Senioren zurück. Zweimal Gold, Silber und zweimal Bronze: Die für die LG Bremen-Nord startende Läuferin belohnt sich für stressreiche Tage im polnischen Torun.

„Viele haben zu mir gesagt: ‚Du spinnst‘.“ Bei diesen Worten muss die Schierbroker Läuferin Gabriele Rost-Brasholz, die für die LG Bremen-Nord startet, schmunzeln. Sie hat Verständnis für diese Aussage. Sie weiß nämlich, dass dem Programm, das sie bei der Hallen-Weltmeisterschaft der Leichtathletik-Senioren in der polnischen Stadt Torun absolvierte, das Attribut „ungewöhnlich“ gebührt. Die Ausnahme-Sportlerin (Jahrgang 1946), die der Altersklasse W70 angehört, startete über die 800, 3000 und 10.000 Meter und beteiligte sich am Crosslauf (sechs Kilometer). Der abschließende Halbmarathon krönte ihren persönlichen „Fünfkampf“, an dessen Ende sich zwei Gold-, eine Silber- und zwei Bronzemedaillen in ihrem Besitz befanden.

Silber hinter der Weltrekordlerin

Rund 4300 Aktive aus 88 Ländern bewarben sich in 24 Disziplinen um die Titel. Rost-Brasholz weilte zehn Tage lang in Torun. Die Organisation lobt sie in höchsten Tönen: „Es war perfekt. Alle waren hilfsbereit und freundlich. Das habe ich so noch nicht erlebt.“

Am ersten Wettkampftag standen die 3000 Meter auf ihrem Plan. „Eigentlich ist das nicht meine Strecke“, kommentiert die 72-Jährige den Auftakt. Sie beachtete diese Tatsache jedoch nicht und kam nach 15:16,17 Minuten als Zweite ins Ziel. Sie ließ lediglich der Britin Angela Copson, mehrfache Weltrekordhalterin, den Vortritt.

Am zweiten Tag begann der Sechs-Kilometer-Crosslauf bereits um 8 Uhr. Auf dem anspruchsvollen Waldgelände mit seinen Steigungen, Sandkuhlen und Baumwurzeln kam es zu vielen Stürzen. Mit Platz sechs und 36:46 Minuten blieb Rost-Brasholz unter ihren Möglichkeiten. Belohnt wurde sie jedoch mit Gold in der Mannschaftswertung. Gemeinsam mit Elisabeth Springer (35:22) und Brigitte Nittel (36:01) bildete sie ein Team. Der zehn Kilometer lange Straßenlauf fand zwei Tage später statt. Rost-Brasholz landete als beste Deutsche der Altersklasse 70 überraschend auf dem dritten Platz (55:02 Minuten) und sicherte sich Bronze.

Delmenhorster Lersch disqualifiziert

Der 800-Meter-Lauf folgte am Abend des nächsten Tages. Rost-Brasholz lief erneut ein beherztes Rennen und zeigte sich sowohl mit der Zeit (3:39,25 Minuten) als auch mit dem vierten Rang zufrieden. „Für diesen Wettbewerb hatten nur Spezialistinnen, unter ihnen zwei Weltrekordhalterinnen, gemeldet“, berichtet sie.

Der Halbmarathon stand am letzten Wettkampftag auf dem Programm. „Nach den Strapazen quält man sich über diese Strecke“, blickt die Schierbrokerin zurück. Bei angenehmen Temperaturen ging sie das Rennen vorsichtig an. Nach 2:04,53 Stunden kam sie als beste Deutsche ihrer Altersklasse ins Ziel. Der Lohn: Platz drei und Bronze. Nittel (2:05,18 Stunden) und Springer (2:11,59 Stunden) vervollständigten das Team, das Gold errang. Mit fünf Medaillen verbuchte Rost-Brasholz ihre erfolgreichste Teilnahme an einer Leichtathletik-WM. „Demnächst stehen nationale Termine an“, sagt die Läuferin. „Im September folgt dann die Europameisterschaft in Venedig.“

Mit Heiko Lersch (Altersklasse 75) startete auch ein Delmenhorster bei der Weltmeisterschaft der Leichtathletik-Senioren in Torun. Der Geher, der zu den Mitgliedern des SV Brake gehört, hatte für die 3000 Meter in der Halle gemeldet. Nach einer Verwarnung wurde er 500 Meter vor Beendigung des Wettkampfs disqualifiziert. „Ich war sauer und enttäuscht“, betonte Lersch.