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Handball-Bundesliga A-Jugend Grüppenbühren/Bookholzberg verliert knapp gegen Magdeburg

Von Lars Pingel | 01.10.2017, 18:47 Uhr

Unglückliche Niederlage: Die A-Jugend-Handballer der HSG Grüppenbühren/Bookholzberg mussten sich im Bundesliga-Heimspiel gegen den SC Magdeburg nach einem Gegentreffer in den Schlusssekunden mit 27:28 (16:17) geschlagen geben.

Zwischen ungeheuer glücklich und ziemlich niedergeschlagen liegen manchmal nur Bruchteile von Sekunden. Diese Erfahrung machten die A-Jugend-Handballer der HSG Grüppenbühren/Bookholzberg am Samstag in ihrer Halle am Ammerweg. Ein Augenblick der Unachtsamkeit und eine gehörige Portion Pech verhinderten, dass sie nach dem Bundesliga-Heimspiel gegen den SC Magdeburg eine große Überraschung bejubeln durften. 28 Sekunden waren beim Stand von 27:27 noch zu spielen, als HSG-Torwart Torben Knop einen Wurf des SCM-Rückraumspielers Robin Danneberg parierte; der Ball flog allerdings nicht ins Toraus, sondern landete 18 Sekunden vor dem Schlusspfiff mitten in einem Knäuel von HSG-Spielern in den Händen des Gäste-Linksaußen Paul Hoffmann: 28:27 für Magdeburg. „Dass wir den Abpraller bekommen, war Glück“, gestand SCM-Trainer Felix Eckert wenig später: „Da hat uns der Handball-Gott geholfen.“ Dass sein Torwart Janik Patzwald dem dann mit einer grandiosen Parade zwei Sekunden vor Schluss zur Seite sprang, machte das 28:27 (17:16) des verlustpunktfreien Tabellenzweiten endgültig perfekt. „Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen. Ein Remis wäre gerecht gewesen“, sagte Eckert.

Grüppenbühren/Bookholzberg zeigt starke Mannschaftsleistung

Dass es Kreisläufer Henk Braun war, der an Patzwald scheiterte, war das I-Tüpfelchen auf einem für die HSG bitteren Schlussakkord einer temporeichen, umkämpften, über weite Strecken hochklassigen und dramatischen Partie. Der achtfache Torschütze, der in der Abwehr und im Angriff unermüdlich rackerte, war einer der herausragenden Spieler in einem geschlossen starken HSG-Kollektiv, das 59 Minuten und 43 Sekunden lang mit Mut, Engagement und Spielfreude auf Kurs in Richtung Punktgewinn (oder mehr) lag. Dessen Trainer Andreas Müller, der die HSG-Mannschaft mit Stefan Buß betreut, hatte den letzten Angriff seiner Mannschaft schon mit dem Schlusspfiff abgehakt. „Das ist ein Nationaltorwart“, erklärte er. Kopfschüttelnd dachte er allerdings noch etwas länger über den letzten Treffer der Partie und den zum 16:17 kurz vor dem Pausenpfiff nach, als SCM-Rechtsaußen Jens Osterloh nach einer Knop-Parade erfolgreich war. „Diese beiden Treffer dürfen nicht fallen“, meinte Müller und zeigte auf die Anzeigetafel: „Dann geht das Spiel anders aus.“

Sehr faire Partie

Bei aller Enttäuschung über die verpasste Chance, einen Coup zu landen, beim zweiten Blick auf die Partie vor 330 begeisterten Zuschauern wusste die HSG-Mannschaft, dass sie eine Leistung geboten hatte, auf die sie stolz sein darf. „Die Jungs haben unheimlich toll gekämpft“, lobte Müller: „Wir haben gezeigt, dass wir uns vor keinem in der Liga verstecken müssen.“

Die HSG stellte den Magdeburgern, die wegen vieler Staus mit Verspätung in Bookholzberg angekommen waren, eine 6:0-Abwehr entgegen, in der die Spieler mit viel Einsatz und großem Geschick agierten. Aus ihren Ballgewinnen kamen sie zwar nicht zu Kontern, da der SCM sehr schnell und gut geordnet auf Defensive umschaltete, lagen aber trotzdem meistens vorn (6:5/10., 11:9/18., 15:14/26.), weil sie im Positionsangriff mit auf viele Kreuzbewegungen angelegten Spielzügen in gute Wurfpositionen kamen. Und aus diesen trafen. Kian Krause, der acht seiner neun Tore vor der Pause erzielte, sorgte auf Halblinks für die im Spiel Sechs-gegen-Sechs so wichtigen Treffer aus dem Rückraum. Der SCM ließ sich aber nicht abschütteln und übernahm dann sogar die Führung, auch dank seiner treffsicheren Außen. Von rechts wurde Osterloh mit acht Toren zum erfolgreichsten Werfer der Gäste.

Trotz des großen Engagements auf beiden Seiten war die Partie ausgesprochen fair. Der Magdeburger Danneberg korrigierte sogar eine Entscheidung, die für seine Mannschaft gefallen war. Er habe einen Wurf abgefälscht, sodass es Eckball für die HSG statt Abwurf für den SCM gab (23.).

Starke Abwehrreihen

In der zweiten Halbzeit funktionierten die Abwehrreihen beider Teams noch besser. Der SCM veränderte fortan ständig die Formation. Auf ein Zeichen von Eckert, auch Jugendkoordinator des traditionsreichen Erstligavereins, agierten die Magdeburger entweder in einer 5:1-Formation, in der sie oft Krause in Manndeckung nahmen, oder in einer 6:0-Aufstellung. Damit hatte die HSG große Schwierigkeiten. Dass ihr Rückstand nicht größer als 18:21 (45.) wurde, lag an der guten Defensivarbeit, die die HSG-Aktiven in Zusammenarbeit mit ihrem Torwart leisteten. Außerdem bewiesen sie Moral. Eine Zeitstrafe gegen den SCM nutzten sie, um sich ins Spiel zurück zu kämpfen. Jaime Lippe traf von Rechtsaußen zum 21:21 (48.). Danach legte mal die HSG vor – Braun erzielte fünf der letzten sechs Tore – mal der SCM. Bis Grüppenbühren/Bookholzberg in Überzahl den letzten Treffer eben nicht mehr kontern konnte.

SCM-Coach Felix Eckert lobt seine Torhüter

„Mit unserer Mannschaftsleistung bin ich zufrieden“, bilanzierte Eckert, der seine Torhüter Tom Distelberg, der bis zur 53. Minute unter anderem zwei der drei HSG-Siebenmeter pariert hatte, und Patzwald besonders lobte. In Eckerts Team standen übrigens nur drei A-Jugendliche, alle anderen Spieler könnten auch noch in der B-Jugend auflaufen. Das lag an verletzungsbedingten Ausfällen, vor allem aber daran, erklärte des SCM-Trainer, dass ein Großteil der A-Jugendlichen im Drittliga-Team des Vereins eingesetzt wird und mit diesem am Sonntag beim HSV Bad Blankenburg einen 30:27-Erfolg einfuhren. „Für die jungen Spieler war es super, hier in dieser Atmosphäre zu spielen und zu bestehen“, erklärte Eckert: „Die individuelle Entwicklung der Spieler, die die Männer-Bundesliga erreichen sollen, ist für uns das Wichtigste.“