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Handball-Oberliga TV Neerstedt beendet Saison mit Sieg über Meister

Von Lars Pingel | 07.05.2017, 19:44 Uhr

Die Oberliga-Handballer des TV Neerstedt haben die Saison 2016/2017 mit einem Heimsieg beendet: Sie bezwangen den Meister ATSV Habenhausen mit 30:29.

Als der letzte Schlusspfiff der Oberliga-Saison 2016/2017 ertönte, wurde die Halle Am Sportplatz noch einmal kurz zum Tollhaus. Das gastgebende Team des TV Neerstedt feierte am Samstag mit seinen begeisterten Anhängern unter den 130 Zuschauern den perfekten Abschluss: einen 30:29 (14:13)-Erfolg über den bereits seit dem vorletzten April-Wochenende als Meister und Drittliga-Aufsteiger feststehenden ATSV Habenhausen. „Das war im Vorfeld nicht zu erwarten, zumal einige Spieler angeschlagen waren“, sagte Jörg Rademacher nach seinem letzten Spiel als TVN-Trainer. Er wechselt zur kommenden Spielzeit 2017/2018 zur HSG Delmenhorst. „Ich freue mich ganz persönlich, dass das Abschiedsgeschenk des Teams ein Sieg über den Meister ist“, fuhr Rademacher fort. „Ganz besonders freut mich der Erfolg aber für die Jungs. Sie haben ihn sich verdient.“

Dass das Ergebnis der Partie in Ordnung ging, fand ATSV-Trainer Lars Müller Dohrmann. „Wir haben verloren, weil wir schlecht gespielt haben“, sagte er. Die Freude über eine starke Saison und die souveräne Meisterschaft mit sieben Punkten Vorsprung vor der SG Bremen/Hastedt trübte das, wenn überhaupt, natürlich nur ganz kurz. Das dokumentierte auch die eindeutig partygeprägte Musik, die wenig später laut aus der Habenhauser Kabine erklang.

TVN spielt Angriffe lange aus

Der kleine, im Verlauf der Saison von vielen Verletzungen geplagte Neerstedter Kader, der in der Abschlusstabelle Neunter ist, bewies in den finalen 60 Minuten der Saison die Stärken, mit denen er sich sorgenfrei den Verbleib in der vierthöchsten Klasse gesichert hatte: riesengroße Einsatzbereitschaft aller Spieler und taktisches Geschick. „Wir hatten vorher gesagt, dass wir unsere Angriffe mit viel Geduld ausspielen müssen und dass wir mit langen Kreuzbewegungen zum Erfolg kommen können“, erklärte Rademacher nach dem Schlusspfiff die taktische Marschroute. Die setzten seine Spieler gegen die 6:0-Abwehr des ATSV von Beginn an um, gerieten aber trotzdem in Rückstand (2:5, 7. Minute). Als die Neerstedter die Mittel gefunden hatten, auch den zunächst starken ATSV-Torwart Olaf Abshagen regelmäßig zu überwinden, übernahmen sie die Führung. Zur Pause stand es 15:13. Auch danach spielten sich die TVN-Angreifer mit ihren Kombinationen mit vielen Positionswechseln häufig in gute Wurfpositionen. Aus diesen schlossen sie zumeist erfolgreich ab und lagen deshalb bis in die Schlussphase in Führung.

TVN-Torwart Christoph Kuper überzeugt

In der Abwehr gelangen den engagierten Neerstedtern in einer 6:0-Formation einige Ballgewinne. Die gute Abwehrarbeit der Feldspieler wurde von starken Paraden des scheidenden Torwarts Christoph Kuper (Karriereende) gekrönt, der früh für den am Fuß verletzten Lukas Oltmanns, der in der nächsten Saison ebenfalls nicht mehr dabei ist (berufliche Gründe), zwischen die Pfosten gekommen (4.) war. Einzig den Habenhauser Kreisläufer Ulf Grädtke bekam die TVN-Defensive nicht in den Griff. Mit seinem zehnten Treffer brachte der den nie aufsteckenden ATSV 90 Sekunden vor dem Ende sogar noch einmal in Führung (29:28).

Andrej Kunz und Erik Hübner werfen Sieg heraus

Die Neerstedter ließen sich aber nicht schocken. Sie agierten nach einer Zeitstrafe gegen Julian Hoffmann in Ballbesitz ohne Torwart und mit sechs Feldspielern – und wurden belohnt. Andrej Kunz (58.) und Erik Hübner (59.) trafen. Diese Führung brachte das Team in einer hektischen Schlussphase dann geschickt ins Ziel.

„Ich mache jetzt zwei Wochen nichts“, erzählte Rademacher noch. „Ich muss für mich selbst ein bisschen Luft holen. Das brauche ich nach so einer Saison. Sie war mit dem kleinen Kader und den vielen Verletzungen sehr kräftezehrend.“ Anschließend werde er sich wieder mit Handball beschäftigen. „Dann beginnt mein neuer Job. Ende Mai startet die Vorbereitung mit der HSG Delmenhorst.“

TVN-Abteilungsleiter Friedel Schulenberg optimistisch

„Es freut mich für die Mannschaft und den Trainer, dass sie eine schwere Saison mit einem Sieg über den Meister beendet“, sagte TVN-Abteilungsleiter Friedel Schulenberg. Er blickte dann in die Zukunft, genauer auf die Saison 2017/2018. „Das wird eine spannende Serie“, sagte er angesichts des schon feststehenden Drittliga-Absteigers SV Beckdorf, dem drohenden Abstieg des Drittligisten SG VTB/Altjührden und Teams wie dem TV Cloppenburg oder der SG Achim/Baden, die mindestens Spitzenplätze anpeilen und sich dementsprechende Kader zusammenstellen.

„Das wird für uns eine große Herausforderung“, erklärte Schulenberg. Er ist sich sicher, dass das Team um den neuen Trainer, der am Samstag acht Tore warf, diese bestehen wird. „Björn Wolken wird seine Erfahrung einbringen und die Spieler motivieren“, sagte der Abteilungsleiter. „Mit den bisherigen Neuzugängen sind wir schon gut aufgestellt.“ Dazu gehört Kevin Precht aus der TVN-A-Jugend, sagte Schulenberg. Er wird mit Hendrik Legler das Torwartgespann bilden. Schon zuvor stand fest, dass Paul Schröder (Doppelspielrecht mit der A-Jugend des HC Bremen), Niklas Lüdeke (zurück vom TvdH Oldenburg), Mario Reiser (TV Bissendorf-Holte) und Kyan Petersen (TS Hoykenkamp) zum TVN wechseln werden.