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Handball-Oberliga TV Neerstedt erfindet sich neu

Von Daniel Niebuhr | 14.12.2017, 07:33 Uhr

Der TV Neerstedt betreibt nach dem Umbruch Selbstfindung im laufenden Betrieb. Neu-Trainer Björn Wolken steht mit den verjüngten Oberliga-Handballern ordentlich da. Nun muss er nach dem Kolpack-Ausfall kreativ werden.

Es gibt beim TV Neerstedt also doch noch beruhigende Botschaften in diesem grauen Dezember. Auch die Spieler des Oberligisten dürfen über Weihnachten mal frei machen; ausnahmsweise, möchte man hinzufügen, wenn man ihren Trainer so hört. Björn Wolken gönnt seinen Handballern über die Feiertage immerhin das Mindestmaß an Besinnlichkeit; die Pause, das kündigt er an, wird jedoch kurz sein. „Es gibt viel Arbeit“, sagt der Coach – der Klassenhalt in der vierthöchsten Liga schafft sich schließlich nicht von selbst.

Als Zehnter sind die Neerstedter am vergangenen Wochenende in die Winterpause gegangen: wahrlich kein Zwischenstand, für den man sich nach elf Partien schämen müsste, aber auch kein Grund, zum kommenden Fest eine Extra-Falsche Sekt zu entkorken. Der Abstand zum sicheren Abstiegsplatz 13 liegt bei drei Punkten, der zum Vielleicht-Abstiegsplatz zwölf – je nach Entwicklung in der 3. Liga – nur bei zwei Zählern. „Brandgefährlich“ sei die aktuelle Position, meint Wolken. „Wir wollten eigentlich nicht in die Nähe der Abstiegszone geraten. Jetzt müssen wir sehen, dass wir da schnell wieder weg kommen.“

Kolpack-Verletzung herber Schlag

Dass man beim ersten Spiel des neuen Jahres am 13. Januar 2018 beim Vorletzten HSG Schwanewede/Neuenkirchen von einem Abstiegsduell sprechen muss, ist erst durch die vergangenen Wochen möglich geworden. Die stark verjüngten Neerstedter lagen nach einem guten Start verblüffend gut im Rennen; dann aber fiel Topwerfer Eike Kolpack wegen einer Schulterverletzung aus – wohl für den Rest der Saison, wie Wolken fürchtet – und seine Mannschaft verlor vier der letzten fünf Spiele. Der einzige Sieg war ein 23:22 über Schlusslicht ATSV Habenhausen II.

Noch immer steht die Mannschaft in Wolkens erstem Jahr besser da, als viele vermutet hätten. Der Trainerneuling, der mit vielen aus dem Kader bis zur vergangenen Saison selbst zusammengespielt hatte, hatte einen großen Umbruch vorgenommen: Keiner aus dem Aufgebot ist älter als 30, fünf der sechs Neuzugänge waren jünger als 22. „Das ist eine riesige Umstellung. Manche haben gedacht, dass wir in der Oberliga damit nur hinterherlaufen“, sagt Wolken. „Dass wir an Weihnachten schon vier Siege haben, hatten uns nicht viele zugetraut.“

Luxus im Training

Kolpacks Verletzung ändert jedoch vieles, denn sie bedeutet nicht weniger als eine Umstellung im Spielsystem. Der zweitbeste Werfer der vergangenen Oberliga-Saison ist für die leichten Tore aus dem Rückraum unersetzlich – knapp acht Treffer gelangen Kolpack im Schnitt über die vergangenen beiden Jahre. Nun ist Wolkens Kreativität gefragt, er will mehr auf Tempo setzen – nicht umsonst gehörten die Außenspieler Marcel Reuter und Rene Achilles zuletzt zu den besten Werfern. „Ohne Eike müssen andere Verantwortung übernehmen“, fordert Wolken.

Dass sich ein junges Team mit neuem Trainer in permanenter Selbstfindung befindet, ist normal – am Enthusiasmus soll es nicht scheitern. Das in vergangenen Jahren ständig in Notbesetzung antretende Team hat mittlerweile einen breiten Kader, der im Training Dinge möglich macht, von denen Wolkens Vorgänger Dag Rieken und Jörg Rademacher nur träumen konnten. „Es macht einfach nur Spaß. Teilweise haben wir 18 Leute da, wir können spieltaktisch arbeiten“, schwärmt Wolken. Kein Wunder also, dass er die Weihnachtspause so kurz wie möglich halten will.