Ein Angebot der NOZ

Handball-Oberliga TV Neerstedt gewinnt bei der HSG Delmenhorst 26:25

Von Lars Pingel | 28.11.2015, 21:40 Uhr

Thomas Schützmann, Linksaußen des TV Neerstedt, hat das Nachbarschaftsduell in der Oberliga entschieden. Er traf drei Sekunden vor Schluss und sicherte seinem Team damit einen 26:25 (12:11)-Auswärtssieg bei der HSG 560 Zuschauer verfolgten den Handball-Krimi in der Stadionhalle.

59 Minuten und 57 Sekunden – so lange hatten sich die Oberliga-Handballer der HSG Delmenhorst und des TV Neerstedt mit engagierter und geschickter Deckungsarbeit das Torewerfen schwer gemacht; hatten 560 begeistert mitgehenden Zuschauern in der Stadionhalle ein temporeiches und packendes, spielerisch allerdings nicht immer hochklassiges Nachbarschaftsduell mit zwei großen Wenden geboten. Und schließlich war es dann doch nur eine einzige Aktion, über die nach dem Schlusspfiff alle sprachen. Die einen, die Gäste aus Neerstedt, grinsend; die anderen, die Delmenhorster, mit hängenden Köpfen und Augen, die ins Leere starrten. Immer wieder fiel der Name Thomas Schützmann. Der TVN-Linksaußen hatte seinem Team drei Sekunden vor dem Ende den 26:25 (12:11)-Sieg gesichert.

Seine Mannschaft „hätte einen Punkt verdient gehabt“, fand Andre Haake, Spielertrainer des gastgebenden Verlierers. „Es ist schon glücklich, wenn du so spät triffst“, bestätigte Jörg Rademacher, Trainer des Siegerteams. „Ein Unentschieden wäre vielleicht okay gewesen. Wir nehmen die zwei Punkte trotzdem gerne mit.“

Trickwurf bringt die Entscheidung

Die Fassungslosigkeit der Delmenhorster erklärt sich auch damit, dass sie 14 Sekunden vor Schluss der Partie, die schon verloren schien, mit sieben Feldspielern statt mit Torwart durch ihren Linksaußen Colin Hörner das 25:25 erzwungen hatten. Die Tribüne war ein Tollhaus, die HSG-Fans jubelten, die TVN-Anhänger schüttelten die Köpfe. Okay, unentschieden also. 10 Sekunden noch. Auszeit Neerstedt. Anpfiff. Schützmann bekam den Ball, setzte sich durch und brachte ihn mit einem Trickwurf, einem Dreher, an HSG-Torwart Olaf Sawicki vorbei. Nach 59 Minuten und 57 Sekunden überquerte das Leder zum letzten Mal die Torlinie.

Delmenhorster beweisen Moral

Die Zeit bis dahin hat es aber verdient, auch in Erinnerung zu bleiben. Die Delmenhorster hatten eine so starke kämpferische Leistung geboten und so gute Moral gezeigt hatten, dass sie kommenden Aufgaben optimistisch entgegensehen dürfen. „Die Mannschaft hat gezeigt, dass sie da ist“, sagte Haake mit Blick auf das Saisonziel, den Klassenerhalt. Mit fünf Pluspunkten ist der Aufsteiger Tabellenzwölfter. „Wir müssen sehen, dass wir bis Weihnachten noch drei Punkte holen.“ Er hoffe daher, dass die Trainingsbeteiligung wieder besser werde und dass die Spieler noch ein bisschen enger zusammenrücken. „Wenn uns dann die Zuschauer weiter so unterstützen, bin ich mir sicher, dass wir die Klasse halten“, sagte Haake.

Beide Trainer hatten mit ihren Startaufstellungen überrascht. Rademacher war dazu gezwungen. Sein linker Rückraumspieler Eike Kolpack, zuletzt der Haupttorschütze des Teams, war angeschlagen. Er kam daher fast nur in der Abwehr zum Einsatz. Im Angriff wurde er von Matthias Hüsener ersetzt, der nach langer Verletzungspause erstmals auf dem Feld stand. Er warf drei Tore.

Die HSG trat mit einem Akteur an, der sogar zum ersten Mal im Kader stand: Torwart Olaf Sawicki . Der Neuzugang hatte bisher wegen einer Verletzung ausgesetzt. Ab der 48. Minute stand er dann zwischen den Pfosten. Außerdem bot sich Haake, eigentlich Rückraumspieler, zunächst als Linksaußen auf. Sein Team erwischte einen glänzenden Start. Die 5:1-Abwehr funktionierte, die Angriffe wurden schnell und konzentriert abgeschlossen. Schon nach sechs Minuten sah sich Rademacher daher gezwungen, zum ersten Mal eine Auszeit zu nehmen. Sein Team lag mit 1:5 hinten.

TVN führt mit 20:15

Nach der Besprechung agierte der TVN nicht mehr in der offensiven 3-2-1-Formation, sondern versuchte, die HSG-Angriffe in einer 5-1-Aufstellung zu stoppen. Fast 13 Minuten lang gelang das glänzend. Die Neerstedter kassierten erst wieder einen Gegentreffer als sie mit 7:5 vorn lagen. Zur Pause stand es 12:11.

Die zweite Halbzeit begann der TVN mit einer 6:0-Abwehr. Damit hatte er das Erfolgsrezept gefunden. In Zusammenarbeit mit dem erneut starken Torwart Christoph Kuper nahm sie dem HSG-Angriff viel von seiner Wirkung. Da zudem die von Tim Schulenberg, mit 7/3 Treffern auch erfolgreichster Werfer, klug geführte Offensive der Neerstedter immer stärker wurde, schien das Spiel mit dem 20:15 (41.) durch Kolpack entschieden.

HSG-Fans werden wieder Optimisten

Doch die HSG steckte nicht auf. Das zeigte sich vor allem in der Defensive. Gemeinsam kämpften die Delmenhorster, zwischenzeitlich auch in einer 6:0-Aufstellung, dort sehr oft erfolgreich um Ballgewinne. Damit machten sie Unzulänglichkeiten in der Offensive wieder wett und nervten die Neerstedter. Die verzettelten sich in Einzelaktionen, ihr Passspiel wurde viel ungenauer.

In der 57. Minute war wohl auch der letzte HSG-Fan auf der Tribüne wieder zum Optimisten geworden. Philipp Freese verwandelte einen Konter zum 22:22. Schulenberg (57.), Malte Kasper (58.) und Björn Wolken (59.) brachten den TVN jeweils nach vorn, Haake (58.), der starke Frederic Oetken mit seinem siebten Tor (59.) und eben Hörner konterten. Okay, unentschieden. Doch dann kam Schützmann an den Ball.