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Handball Region Oldenburg Funktionäre setzen auf positive Wirkung des EM-Titels

Von Lars Pingel | 01.02.2016, 20:45 Uhr

Wolfgang Sasse, Vorsitzender der Handball-Region Oldenburg, Jürgen Janßen, Vorsitzender der HSG Delmenhorst, und Dirk Maske, Jugendwart der HSG Grüppenbühren/Bookholzberg, hoffen auf den Werbeeffekt des EM-Titels, den die deutsche Handball-Nationalmannschaft in Polen gewonnen hat. Sie freuen sich vor allem über den Imagegewinn.

Die Einschaltquote hätte es nicht verändert. 12,98 Millionen Fernsehzuschauer verfolgten laut der Deutschen Presse-Agentur am frühen Sonntagabend ab 17.30 Uhr im Fernsehen den grandiosen Auftritt der deutschen Handball-Nationalmannschaft im Finale der Europameisterschaft, der Marktanteil habe bei 42,0 Prozent gelegen. Dirk Maske, Jugendwart der HSG Grüppenbühren/Bookholzberg, war nicht darunter. Er erfuhr über sein Smartphone, dass die DHB-Auswahl mit einem 24:17-Erfolg über Spanien ihre überraschend starke EM-Leistung gekrönt hatte, da er ab 18.15 Uhr als Schiedsrichter eines Jugendspiels im Einsatz war.

„Klar, das kann man bei der Spielplangestaltung nicht wissen“, sagte er. „Ich würde mir aber wünschen, dass die Handball Region künftig darüber nachdenkt, an einem solchen Tag zumindest die Jugendspiele abzusetzen“, erzählte er am Montag. Es sei auch den Trainern, Spielern und Zuschauern anzumerken gewesen, dass die Partie in Krakau mindestens so interessant war, wie das Geschehen in der Halle. Er habe sich aber natürlich über den EM-Titel sehr gefreut, erzählte Maske dann. Er ist überzeugt, dass auch sein Verein davon profitieren wird: „Diese Geschichte wird sich nicht nur für die HSG, sondern für den ganzen Handball positiv auswirken.“

Freude über Teamleistung

Auch Jürgen Janßen, Vorsitzender der HSG Delmenhorst, und Wolfgang Sasse, Vorsitzender der Handball Region Oldenburg, glauben, dass der Erfolg des Nationalteams für die Sportart positive Wirkung haben wird. „Das war Bombenwerbung für den Handball, aber auch für den gesamten Sport“, sagte Sasse. „Die Nationalmannschaft hat gezeigt, dass man etwas erreichen kann, wenn man vernünftig im Team zusammenspielt.“ Das gelte übrigens nicht nur für den Sport, ergänzte er: „Nur wenn die Mannschaft funktioniert, kannst du etwas bewegen.“

Die Leistung der DHB-Auswahl bei der EM sei Werbung gewesen. „Die ist wichtig und kann helfen“, bestätigte Janßen. Er beurteilte die Chancen dafür, dass der Titelgewinn einen großen „Handball-Boom“ auslöst, aber eher vorsichtig. „Der Handball-Bund hat nicht so viel Geld wie der DFB, um große Kampagnen zu starten“, sagte er. „Wenn der Erfolg aber dazu führt, dass der eine oder andere mehr zu uns kommt, sind wir natürlich sehr froh.“

HSG Delmenhorst setzt auf AGs

Die HSG Delmenhorst werde weiter ihren bewährten Weg gehen, um Kinder für den Handballsport zu begeistern, erklärte Janßen. „Wir bieten an sechs Grundschulen AGs an. Das hat uns immer geholfen.“ Vielleicht könne der EM-Erfolg ja dazu beitragen, dass diese noch stärker respektiert werden, überlegte er. Derzeit würde sein Verein erfreulicherweise nicht von der Sorge geplagt, dass er Jugendmannschaften nicht besetzen kann: „Wir sind gut bestückt.“

Neue Fans gewonnen

Maske zeigte sich deutlich optimistischer. Die Auftritte der DHB-Auswahl hätten viel Aufmerksamkeit auf die Sportart gelenkt. „Ich merke das in meinem Umfeld. Viele, die bisher mit Handball nichts zu tun hatten, haben Gespräche angefangen oder gefragt: Hast du gestern Handball gesehen“, erzählte er. Dies könne dazu führen, dass sich mehr Kinder und Jugendliche dafür interessieren und zu Trainingseinheiten bei der HSG Grüppenbühren/Bookholzberg kommen.

HRO-Vorsitzender optimistisch

„Wir werden den Schalter nicht einfach umlegen können und sagen: Jetzt sind wir alle Handballer“, erklärte Sasse. Er ist aber sehr zuversichtlich, dass der Erfolg dem Handballsport – auch in der Region – nachhaltig helfen wird. Die junge Mannschaft mit „unverbrauchten Typen, die super ankommen“, habe das Image wieder „deutlich verbessert“, sagte der HRO-Vorsitzende. Dieser Titel, glaubt er, werde besser dazu genutzt werden als der Sieg bei der Weltmeisterschaft 2007, den Handball in Deutschland voranzubringen. Das Präsidium des Deutschen Handball-Bundes (DHB) sei so besetzt, dass es dazu in der Lage ist, sagte er. Dafür sei der EM-Erfolg auch aus anderer Sicht „ganz, ganz wichtig gewesen“, meinte Sasse. „Er kam genau zum richtigen Zeitpunkt. Die Mannschaft hat sich damit auch die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro und an der WM 2017 gesichert. Das ist gar nicht zu bezahlen.“ Damit bliebe das Interesse, auch das der Medien, an dem Sport groß. „Wenn du in die Qualifikation musst, kann alles passieren.“

Lob für Arbeit in Vereinen

Sasse sieht den EM-Titel aber nicht nur als einen Erfolg für den Spitzensport. Er sei auch eine Bestätigung für die Arbeit, die in den Vereinen, in den Regionen und in den Landesverbänden geleistet wird. „Bei der EM haben Spieler gespielt, die vorher keiner gekannt hat“, sagte Sasse. „Die sind dort ausgebildet worden.“ Unter Bundesliga-Bedingungen hätten die Nationalspieler dann den Feinschliff erhalten. „Das Ausbildungssystem von der Basis zur Spitze kann so schlecht also nicht sein“, folgerte der HRO-Vorsitzende. Das werde auch dadurch bestätigt, dass im EM-Verlauf immer andere Akteure herausragend gespielt hätten – auch die beiden, die später nachnominiert worden waren. „Wir haben in der Breite genug Talente.“ Daraus könnten all diejenigen, die sich in der Nachwuchsförderung engagieren weitere Motivation ziehen. „Das ist aber auch eine Motivation für die jungen Spieler, weil sie sehen, dass diese Maßnahmen etwas bringen.“