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Handball-Relegation Nicht-Aufstieg als Chance für TS Hoykenkamp?

Von Daniel Niebuhr | 09.06.2015, 00:00 Uhr

Der verpasste Verbandsliga-Aufstieg kann für die Handballer der TS Hoykenkamp langfristig ein Vorteil sein.

Hoykenkamp. Von den vielen kuriosen Szenen am jüngsten Sonntagnachmittag war eine doch die schönste. In der 49. Minute des Rückspiels um den Aufstieg in die Handball-Landesliga wollte der TuS Rotenburg, 21:18 bei der TS Hoykenkamp vorne liegend, eine Auszeit nehmen. Das Schiedsgericht signalisierte das auch per Pfiff; nur hörte das in der mit 400 krachmachenden Fans überfüllten Halle Heide niemand. Das Spiel lief weiter, die beiden Männer am Zeitnehmertisch wurden verzweifelter und sprangen schließlich – wild mit den Armen fuchtelnd – auf das Spielfeld. Hoykenkamps Andre Thode fand das so witzig, dass er den beiden ein scherzhaftes „Könnt ihr nicht pfeifen, oder was?“ zurief.

Starker Keeper Kleefeldt macht weiter

Der Kurzauftritt der Spielsekretäre auf dem Parkett blieb sportlich natürlich ohne Auswirkungen. Die bissigen Rotenburger gewannen nach dem 31:26 im Hinspiel auch die zweite Partie mit 27:26 und waren der verdiente Sieger im Duell der beiden Landesliga-Vizemeister um den letzten Verbandsliga-Platz. Praktisch alle, die ein Hoykenkamper Trikot trugen, erkannten hinterher die Stärke des Gegners an und nahmen den verpassten Aufstieg gefasst. Eine weitere Landesliga-Saison, vermutete Torwart Gregor Kleefeldt, sei vielleicht sogar von Vorteil: „Unsere jungen Spieler brauchen ihre Zeit. Sie haben eine Entwicklung gemacht und hätten es in der Verbandsliga schwer gehabt.“ Sich selbst meinte Kleefeldt damit sicher nicht: Erstens zeigte er gegen Rotenburg mit 15 Paraden in 42 Minuten Spielzeit absolute Verbandsliga-Reife; und zweitens wird er in diesem Jahr 44 Jahre alt.

Wessels tritt kürzer

Was das Dilemma dieser Mannschaft recht gut auf den Punkt bringt: Sie verfügt über talentierte Spieler, doch ausgerechnet die Leistungsträger sind schon im höheren Handballeralter. Kleefeldt macht zwar weiter, „so lange die Knochen halten“, wie er ankündigt; Martin Wessels, ebenfalls 43, wird aber kürzer treten, auch wegen einer Kreuzband-OP im Dezember. „Es sollen jetzt junge Leute ran“, sagt er. Topwerfer Nico Skormachowitsch, der mit seinen 38 Jahren zum Hoykenkamper Spieler der Saison gewählt wurde, antwortete auf die Frage nach einem Karriereende mit einem klaren „Mal sehen“. Allerdings kann man sich Hoykenkamp ohne den Rückraumhünen kaum vorstellen – zu heiß war er auch am Sonntag selbst nach dem Spiel noch.

Lennard Timmermann kehrt zurück

Die Auftritte der Youngster wie Kyan Petersen, Jonas Jochims oder Torwart Jan-Luca Linde machen Hoffnung, sind aber ausbaufähig, wie die Relegation noch einmal offenbarte. „Wir hatten nicht die richtigen Lösungen“, so Jochims. Etwas bitter für die Turnerschaft ist der Abgang von Spielmacher Ole Goyert, der zum TV Neerstedt wechselt. Mit dem 31-jährigen Lennard Timmermann kommt allerdings ein starker Rückraumspieler vom Oberligisten SVGO Bremen zurück. Von der Erfahrung können die Jungen profitieren. Noch ein bis zwei weitere Neuzugänge schweben Abteilungsleiter Hans-Georg Ahrens vor, der hofft, „dass wir wieder angreifen können“.

Unabhängig von personellen Überlegungen muss man sich um die Turnerschaft generell keine Sorgen machen. Hoykenkamp ist und bleibt ein Handball-Dorf, wie die beeindruckende Atmosphäre in der Relegation belegte. „Wir genießen schon guten Zuspruch, das ist schön“, findet Ahrens. Auch wenn manchmal das Schiedsgericht darunter leiden muss.