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Handball-Verbandsliga Das Personalpuzzle der TS Hoykenkamp

Von Heinz Quahs, Heinz Quahs | 07.06.2017, 21:01 Uhr

Mindestens vier Spieler aus dem Kader der vergangenen Saison werden zum Auftakt in die neue Serie bei den Verbandsliga-Handballern TS Hoykenkamp nicht (mehr) dabei sein. Auch Interimstrainer Martin Wessels wird wohl nicht weiter machen.

2015 verpasste die TS Hoykenkamp die Rückkehr in die Verbandsliga in der Relegation, 2016 ging der Turnerschaft im Kampf um die Aufstiegsränge im Saisonendspurt die Luft aus. Der eine Trainer (Jörn Franke) musste vor 16 Monaten nach einem Spieler-Votum gehen, der andere Coach (Frank Kessler) wurde vor vier Monaten wegen unterschiedlicher Wertevorstellungen vom Vorstand gefeuert. Und dann kam das Wochenende 26. und 27. Mai 2017: In einer dramatischen Aufstiegsrelegation schaffte die TSH doch noch das kleine Handball-Wunder gegen die SG Achim/Baden II – und den Sprung in die Verbandsliga.

Wer in Kurzform auf die vergangenen drei Spielzeiten der TS Hoykenkamp in der Landesliga zurückblickt, merkt schnell: Langweilig wurde es für Spieler, Verantwortliche und Fans nie. Es gab Höhen und Tiefen, fantastische Spiele und unerklärliche Niederlagen. Nach der ersehnten Rückkehr in die Verbandsliga sollte die Handball-Abteilung die handballfreie Zeit jetzt eigentlich etwas genießen und durchschnaufen können. Denkste!

Nico Skormachowitsch spielte 22 Jahre für die erste Mannschaft

Denn Handball-Chef Hans-Georg Ahrens arbeitet mit Hochdruck daran, den Kader der ersten Mannschaft tauglich für die neue Liga zu machen. Aus einem guten Grund. Denn das Gesicht der Turnerschaft wird sich in der Spielzeit 2017/2018 deutlich verändern. Rückraum-Riese Nico Skormachowitsch hat seine Laufbahn nach 22 Jahren in der ersten Mannschaft beendet, der Halblinke Kyan Petersen ist zum Oberligisten TV Neerstedt gewechselt, der vielseitig einsetzbare Philip Röper hat sich aus dem Verein abgemeldet und Rechtsaußen Tim Streckhardt wird nach einem Kreuzbandriss im allerletzten Spiel lange ausfallen. Da auch Interimstrainer Martin Wessels beruflich sehr eingespannt ist, wird die TSH sich wohl auch einen neuen Coach suchen müssen.

Für den neuen Mann an der Seitenlinie wird es in der stark besetzten Verbandsliga vor allem darum gehen, Konstanz in die Leistungen einer zweifellos talentierten, aber bisweilen auch arg schludrigen Hoykenkamper Mannschaft zu bringen. Mit Blick auf die wechselhafte vergangene Saison zieht Wessels deshalb ein gemischtes Fazit mit Lob und Tadel: „Mir hat der Teamgeist der Mannschaft und der Zusammenhalt trotz einiger Rückschläge sehr gut gefallen. Doch einige Undiszipliniertheiten auf der Bank und auch gegen den Trainer sorgten so manches Mal für einige Unruhe, die aber in intensiven Gesprächen immer wieder ausgeglichen werden konnten.“

Sebastian Rabe wird Torschützenkönig der Landesliga

Im Detail stotterte der Motor der TSH in der Landesliga nach einer guten Vorbereitung bereits zu Saisonbeginn – trotz der Tabellenführung. „Die Abwehr zeigte sich kaum einmal als Einheit, denn die Absprachen fehlten häufig und so gab es immer wieder ärgerliche Gegentore“, bemängelte Wessels. „Im Angriff fehlte die Kontinuität, denn die Spielzüge wurden zu wenig eingesetzt, um zum Torerfolg zu kommen.“ Es habe im Spiel der Mannschaft kaum Fortschritte gegeben. Wessels fand: „Das Team hat eigentlich nur von der guten Kondition gelebt.“

Im Laufe der vergangenen Saison lebte das Team häufig auch von der individuellen Qualität der Spieler. In der Hinrunde überzeugten im Angriff besonders Petersen und Streckhardt, als diese in der Rückrunde nachließen, übernahm vor allem Sebastian Rabe Verantwortung – und wurde mit 206 Treffern (70 Siebenmetern) in 26 Spielen Torschützenkönig.

Die Abwehr als Bollwerk

Auch Oldie Skormachowitsch war im Angriff und Abwehr immer da, wenn es eng wurde. In der Deckung bildete der 40-Jährige zusammen mit Hannes Ahrens, Hergen Schwarting und Bernd Spille in Verbindung mit den Torhütern Gregor Kleefeldt und Timo Meier ein unüberwindbares Bollwerk. Ein Aspekt, der auch für die Verbandsliga trotz des Abschieds von Skormachowitsch Mut machen sollte.