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Handball-WM in Oldenburg Ex-Nationalspielerin Stefanie Melbeck trifft Bremer Schüler

Von Lars Pingel | 07.12.2017, 21:38 Uhr

Die Buxtehuderin Stefanie Melbeck hat im Dezember 2007 mit der deutschen Handball-Nationalmannschaft WM-Bronze gewonnen. Zehn Jahre später schaut sie sich in Oldenburg Vorrundenspiele der WM 2017 an und spricht mit Schülern der Bremer Sportschule Ronzelenstraße über Leistungssport.

Die Medaille hatte sie dabei. Vor fast genau zehn Jahren, am 16. Dezember 2007, war Stefanie Melbeck die bronzene Plakette mit einem Durchmesser von etwa 15 Zentimetern im Palais Omnisports in Paris um den Hals gelegt worden, nach einem dramatischen 36:35 (32:32, 11:18)-Erfolg nach Verlängerung über Rumänien. Die im Grunde unglaubliche Aufholjagd – Mitte der zweiten Halbzeit lag die Linkshänderin mit dem deutschen Team immer noch mit 20:26 zurück – brachte der Auswahl des Deutschen Handball-Bundes den dritten Platz bei der Weltmeisterschaft in Frankreich. Seitdem hat es kein Frauenteam des DHB bei internationalen Meisterschaften oder Olympischen Spielen unter die ersten Drei geschafft. Die 40-Jährige, die damals für den Buxthuder SV spielte, hofft, dass sich das in acht Tagen, am Sonntag, 17. Dezember 2017, geändert hat, wenn in Hamburg die Spiele um die Medaillen der WM 2017 beendet sind. „Ich würde es mir wünschen, bis dahin ist es aber noch ein langer, harter Weg“, sagte Melbeck am Mittwoch während eines Besuchs des WM-Vorrundenstandorts Oldenburg am Mittwochabend. Dort war sie auch als Botschafterin für ihre Sportart aktiv.

Stefanie Melbeck trifft Schüler aus Sport-Leistungskursen

Melbeck lief (zwischen 1998 und 2011) 223 Mal in der Nationalmannschaft auf, erzielte aus dem rechten Rückraum oder von Rechtsaußen 483 Tore. In der Bundesliga spielte sie nur für Buxtehude. Sie war auf Initiative des DHB und der Stuhrer Firma Türenheld, einem der Sponsoren des Verbands, in die EWE Arena gekommen. Die Firma lädt Jugendteams und Schulklassen zu Vorrundenspielen der Gruppe C ein, um sie für Handball und Sport zu begeistern. Die Schüler, die Melbeck in Oldenburg traf, sind allerdings schon passionierte Sportler. Nach der Partie Russland gegen Japan (29:28) setzte sich die WM-Medaillengewinnerinnen mit 36 Jugendlichen von der Sportschule Bremen, der Oberschule Ronzelenstraße, zusammen. „Das sind zwei Sport-Leistungskurse mit Schülerinnen und Schülern, die schon leistungsorientiert trainieren“, erklärten Harald Wolf, Koordinator Leistungssport, und Sportlehrer Tim Schulenberg. Nicht nur Handball, sondern auch Volleyball, Fußball, Schwimmen, Tanzsport und Rhythmische Sportgymnastik. Melbeck sprach mit den Jugendlichen über den Weg in den Leistungssport, darüber, was es bedeutet, Leistungssportler zu sein und natürlich auch ihre Karriere.

Stefanie Melbeck gewinnt mit Buxtehude den DHB-Pokal

Die 40-Jährige, die von 1999 bis 2001 (Randers HK) und von 2007 bis 2010 (KIF Kolding) als Profi in Dänemark gespielt hatte, verbindet übrigens einiges mit Oldenburg. Als Bundesligaspielerin war sie regelmäßig auf den VfL Oldenburg getroffen – und sie feierte ihren größten nationalen Erfolg nach einer Begegnung gegen den VfL. 2012 hatte Melbeck ihre Laufbahn eigentlich beendet, um eine Familie zu gründen. Sie kehrte aber Ende 2014 für ein halbes Jahr aufs Feld zurück, weil „ihr“ Verein von großen Personalsorgen geplagt wurde. Ihre vorletzte Partie nach dem Comback gewann sie gegen den VfL. Am 16. Mai 2015 besiegte Melbeck mit Buxtehude in Hamburg das Team aus Oldenburg mit 30:28. Der BSV wurde damit DHB-Pokalsieger. Es war der erste nationale Titel für den Verein – und für Melbeck.

Unterstützung der Eltern ist wichtig

Melbeck, die beim TuS Nenndorf mit dem Handball begann und über den VfL Horneburg 1996 zum Bundesligisten Buxtehude kam, schaffte über die Kreis- und Landesauswahl und über die Norddeutsche Auswahl den Sprung in die Jugend-Nationalmannschaft. Als 21-Jährige wurde sie 1998 zum ersten Mal ins Frauen-Nationalteam berufen. Das führte dazu, dass sich ihr Tagesablauf vor allem am Sport ausrichtete. Dank ihrer Selbstdisziplin bewältige sie Schule (Abitur) und Ausbildung (Bankkauffrau), obwohl sie kaum Vergünstigungen bekam. Vermisst habe sie damals nichts. „Ich habe das gemacht, weil ich Spaß und Ehrgeiz hatte. Mein Ziel war es, einmal mit dem Adler auf der Brust zu spielen.“ Das habe sie trotz des eigenen Engagements allerdings nur erreicht, weil sie auf dem Weg dorthin von ihrer Familie immer unterstützt wurde. Moralisch und praktisch, zum Beispiel als Fahrdienst zum Training. „Sie haben mir aber keinen Druck gemacht“, erzählte Melbeck. Das sei sehr wichtig. „Es gibt Kinder, die daran kaputt gehen, dass Eltern zu viel erwarten.“ Es seien, berichtete Melbeck weiter, letztlich viele weitere Faktoren, die dafür verantwortlich sind, ob es Sportler bis in die nationale oder gar die internationale Spitze schaffen. „Das ist eine Mischung aus Fleiß, Talent, dem Glück, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, und Willen.“ Und dann gibt es Einflüsse, die über Erfolg oder Misserfolg entscheiden, die der Athlet nicht selbst beeinflussen kann. „Auch Schiedsrichter können Spiele entscheiden“, nennt sie einen.

Als das größte Erlebnis ihrer sportlichen Karriere bezeichnete Melbeck die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2008 in Peking, auch wenn die DHB-Auswahl dort nach der Vorrunde mit nur einem Sieg und vier Niederlagen (drei davon mit einem Tor Unterschied) ausgeschieden war. „Olympische Spiele sind das Größte, was du erreichen kannst. Daran nehmen 12000 Sportler mit den gleichen Gedanken teil; alle wissen, was es bedeutet, es bis hierhin geschafft zu haben. Und dann stehst du plötzlich auch noch neben einem Dirk Nowitzki oder einem Usain Bolt“, schwärmte sie. Als Mannschaftssportler, vor aber allem als Handballerin, sei es zudem extrem schwer, sich überhaupt für das olympische Turnier zu qualifizieren.

Stefanie Melbeck lobt Bundestrainer Michael Biegler

Trotzdem, auch die WM 2007 in Frankreich war natürlich „ein Highlight“, sagte Melbeck, die inzwischen keinen Sport mehr treibt: „Ich habe damit abgeschlossen.“ Das Turnier in Deutschland verfolgt sie wohl auch deshalb ganz entspannt: „Es kribbelt nicht. Ich gucke mir die Spiele als normale Zuschauerin an.“ In Oldenburg schaute sie sich die ersten WM-Spiele in einer Halle an; die Vorrundenspiele des deutschen Teams in Leipzig sieht sie sich im Fernsehen an. In Torfrau Clara Woltering und Spielmacherin Anna Loerper sind dort noch zwei Spielerinnen dabei, mit denen Melbeck 2007 WM-Bronze gewann. Die Buxtehuderin hält es für möglich, dass die beiden mit ihren Mitstreiterinnen diesen Erfolg wiederholen oder gar übertreffen. Sie sagte aber auch: „Das wird ganz, ganz schwer.“ Denn die Konkurrenz, die ab dem Achtelfinale wartet, sei ausgesprochen stark.

Melbeck ist zuversichtlich, dass das DHB-Team sportlich stark genug, um weit zu kommen. Dazu kommt, dass sie das Gefühl hat, dass in ihm eine Euphorie entstanden ist, die das Team tragen kann. Dass die deutsche Auswahl zum Kreis der Anwärter auf das Halbfinale gehört, sei ein Verdienst „der super Arbeit“ des Bundestrainers Michael Biegler, erklärte Melbeck. „Ich finde, soweit ich das als Außenstehende beurteilen kann, dass er den Job mit Leidenschaft macht. Er redet mit den Ladies auf Augenhöhe. Er respektiert, akzeptiert und honoriert ihren Einsatz und ihre Leistung. Man darf nicht vergessen, dass keine von ihnen Profi ist.“

Bis zum Finalwochenende wird Melbeck die WM weiter im TV und im Internet verfolgen. In Hamburg ist sie dann wieder in der Halle. „Darauf freue ich mich“, sagte sie. Der Spaßfaktor würde natürlich deutlich gesteigert, wenn sie am Abend des 17. Dezember einem DHB-Team die Daumen gedrückt hätte, dass mit Medaillen geehrt wird.