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Handgemenge nach Baris-Sieg Polizeieinsatz nach packendem Delmenhorster Derby

Von Daniel Niebuhr | 11.11.2018, 19:40 Uhr

Ein emotionales Spiel, Rauchschwaden vom Grill, Rangeleien nach dem Abpfiff und zum Schluss noch ein Sanitäter-Einsatz: Der Sieg des SV Baris gegen den SV Tur Abdin im Delmenhorster Stadtderby bietet mehr Aufreger, als den meisten lieb ist.

In einer Hinsicht war die Polizei am Sonntag genau pünktlich. Kurz bevor der schlimmste Regen einsetzte, kamen die Beamten an der Delmenhorster Lerchenstraße an und begleiteten Schiedsrichter Christoffer Melzer und seine Assistenten in die Kabine. Das Bezirksliga-Derby zwischen dem SV Baris und dem SV Tur Abdin war da schon eine halbe Stunde vorbei und Melzer vermutlich durchgefroren.

Das Spiel hatte eigentlich genügend Drama geboten, doch darüber sprach zu diesem Zeitpunkt kaum noch jemand. Nach dem packenden und emotionalen 2:1 (2:1) für Baris im Stadtderby war es zunächst zwischen Spielern zu Rudelbildungen gekommen, die sich relativ schnell auflösten. Dann allerdings fühlten sich Tur-Abdin-Anhänger provoziert, ein gutes Dutzend von ihnen stürmte auf das Spielfeld und ging auf den Baris-Fotografen los – am Ende lieferten sich rund 20 Zuschauer ein Handgemenge, das am Zaun hinter den Mannschaftsbänken endete. Spieler und Funktionäre beider Teams gingen dazwischen und verhinderten Schlimmeres. Dennoch gab es immer wieder kleine Rangeleien, die erst nach Minuten und mahnenden Lautsprecherdurchsagen endeten. Referee Melzer hatte dann um polizeiliche Hilfe gebeten; als die Beamten eintrafen, hatte sich die Lage bereits beruhigt.

„Idioten machen einen auf dicken Macker“

Beide Teams waren hinterher weniger geschockt als verärgert über die Vorkommnisse. „Du gewinnst ein geiles Derby und kannst dich nicht freuen, weil irgendwelche Idioten einen auf dicken Macher machen müssen“, sagte Baris-Manager Baris Caki. Tur Abdins Coach Christian Kaya stellte fest, „dass das Spiel bei einem so beschissenen Ende in den Hintergrund rückt“.

Was besonders für Baris schade war, denn die kriselnde Mannschaft hat nach fünf Niederlagen in Folge Leidenschaft, Spielkultur und auch den Erfolg wiedergefunden. In der ersten Hälfte war das Team von Önder Caki überlegen und ging nach einem Doppelpack von Devin Isik (9./35.) mit 2:1 in die Pause – aber nur noch mit zehn Spielern. Tayfun Kurt hatte nach einer harten Grätsche gegen Can Blümel in der 44. Minute zurecht die Rote Karte gesehen. Drei Minuten vorher hatte Johannes Artan für Tur Abdin verkürzt.

Grill sorgt für verzögerte zweite Halbzeit

Dann hatte das eigentlich immer an Kuriositäten reiche Derby seinen ersten skurrilen Moment: Der Anpfiff der zweiten Hälfte verzögerte sich kurz, weil der Grill hinter dem Tor Bengalo-artige Rauchschwaden über das Feld schickte und erst weggeschoben werden musste. Die restliche Spielzeit wurde zu einem Sturmlauf der Gäste, die gegen zehn mit allen Mitteln verteidigende Baris-Spieler aber nicht mehr durchkamen. „Kämpferisch war das ein toller Auftritt. Wir machen Fortschritte“, sagte Caki.

Die Rangeleien nach dem Abpfiff schlugen auch ihm aufs Gemüt. Zu allem Überfluss musste zum Schluss auch noch der Notarztwagen kommen, weil sich Tur Abdins David Demir beim Sturz auf die Steine vor der Kabine verletzte.