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Historischer dritter Platz Lebenshilfe-Sportler läuft Athleten ohne Handicap davon

Von Daniel Niebuhr | 15.07.2015, 15:42 Uhr

Der Delmenhorster Peter Reisinger erreicht als erster Läufer mit Behinderung seit den 90ern ein Podest bei einem offenen Volkslauf. Über Platz drei in Wardenburg ist selbst Ex-Olympiasieger Dieter Baumann begeistert.

Peter Reisinger war selbst ganz überrascht, als er plötzlich aufgerufen wurde. Der geistig behinderte Läufer der Lebenshilfe Delmenhorst wurde bei der Siegerehrung des 7. Wardenburger Sommerlaufs am Sonntag nach vorne geholt – und wusste erst gar nichts damit anzufangen. Dabei hatte er nichts zu befürchten, im Gegenteil: Reisinger war die fünf Kilometer lange Strecke in starken 23:35 Minuten gelaufen und Dritter in der Altersklasse M50 geworden. Dafür bekam er nicht nur eine bronzene Trophäe, er schrieb damit auch ein kleines Stück Sportgeschichte. Denn Reisinger hat es als erster Läufer mit geistiger Behinderung seit den 90er Jahren bei einem offenen Volkslauf auf ein Podest geschafft. Damals sorgte der Delmenhorster Henning Onnen für Aufsehen. „Peter hat uns alle überrascht, am meisten sich selbst“, sagt Betreuer Ludger Norrenbrock.

20 Lebenshilfe-Athleten am Start

Der Pokal steht jetzt in der Vitrine – „Peter holt ihn aber gerne raus und schaut ihn sich an“. Norrenbrock informierte auch Ex-Olympiasieger Dieter Baumann, der mit Reisinger schon bei verschiedenen Veranstaltungen für den guten Zweck gelaufen war. „Er war begeistert und ließ ausrichten, dass Peter ihm langsam unheimlich wird“, erzählt Norrenbrock.

Mehr als 1000 Teilnehmer am Start

20 Lebenshilfe-Athleten waren in Wardenburg inmitten der mehr als 1000 Teilnehmer an den Start gegangen – sie waren mehr als nur Mitläufer. Caner Colak wurde zum Beispiel bei den unter 18-Jährigen in 26:27 Minuten Fünfter; auch für ihn wäre das Podium drin gewesen. „Es war sein erster Fünf-Kilometer-Lauf. Er hat viel Potenzial und ist ein Super-Typ“, meint Norrenbrock, der seit 2009 den Lauftreff der Lebenshilfe mit behinderten und nicht-behinderten Menschen leitet.

In der kommenden Woche ist die bunte Truppe aus Delmenhorst schon wieder unterwegs. Am Dienstag gehen 24 Lebenshilfe-Läufer zusammen mit 14 Vertretern des Special-Olympics-Landesverbandes Bremen beim von BMW gesponserten „Spätschichtlauf“ auf die Strecke.