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Höttges über sein Aus bei Tur Abdin „Hatte nicht mehr das Gefühl, dass ich der Richtige bin“

Von Frederik Böckmann, Frederik Böckmann | 02.05.2016, 23:10 Uhr

Nach der Trennung von Andree Höttges läuft beim Fußball-Bezirksligisten SV Tur Abdin Delmenhorst die Trainer-Suche.

Schon nach dem vorletzten Spiel bei GVO Oldenburg (1:2) stellte er sich die Frage, ob er noch der richtige Mann beim SV Tur Abdin sei. Am frühen Sonntagabend, nach dem enttäuschenden 0:0 gegen den VfB Oldenburg II fassten Andree Höttges und Team-Manager Stefan Keller nach einem „offenen und ehrlichen Gespräch“ (Höttges) und in beiderseitigem Einvernehmen diesen Entschluss: Das Kapitel Andree Höttges beim abstiegsbedrohten Fußball-Bezirksligisten ist trotz eines Vertrages bis 2017 ab sofort beendet.

„Ich hatte einfach nicht mehr das Gefühl, dass ich der Richtige bin“, sagte ein aufgeräumter Höttges am Montag und gab zu, dass er nach dem Remis gegen Oldenburg „sehr leer und ausgebrannt“ gewesen sei. Es hätten sich am Ende einfach zu viele Faktoren addiert, die dazu führten, warum es bei Abdin nach dem dritten Rang im Vorjahr in dieser Saison nicht so läuft, wie es eigentlich laufen sollte – und bei Höttges fast über die gesamte Saison für reichlich Frust sorgte: Späte Gegentore, unnötige Platzverweise, fehlende Torgefahr. Auch von dem einen oder anderen Neuzugang hätte sich der Trainer „noch mehr Qualität“ gewünscht. (Tur-Abdin-Kapitän Daniel Karli im Interview)

Höttges kritisiert die Einstellung einiger Spieler

Selbstkritisch räumte der 48-Jährige ein, dass er „bei der Aufstellung nicht immer die richtige Entscheidung“ getroffen habe und sich beim Coaching während der Spiele von außen im Vergleich zu früher „vielleicht doch zu sehr zurückgehalten“ habe. Was den Vollblutfußballer Höttges vielleicht am meisten störte, war dies: die mangelnde Spielvorbereitung und Einstellung einiger Spieler, „die lieber durch die Weltgeschichte tingeln“, als sich auf den Fußball zu konzentrieren. Nichtsdestotrotz: Höttges geht im Guten von seiner Mannschaft, die ihm ans Herz gewachsen war, und von der er sich am Dienstag verabschieden wird.

Höttges Nachfolger ist auch sein Vorgänger: der Sportliche Leiter Stefan Keller betreut zumindest für das Spiel am Mittwoch gegen den SV Atlas interimsweise den Tabellenelften. Keller sagte zur Trennung: „Beide Seiten waren der Meinung, dass jetzt der Zeitpunkt für eine Veränderung gekommen ist. Wenn man ehrlich ist, war die jetzige Saison keine Stagnation, sondern eher ein Rückschritt.“ Keller hofft, dass die Mannschaft für die letzten fünf Saisonspiele die Leichtigkeit zurückgewinnt und „einen neuen Impuls erhält, um das Ziel Klassenerhalt zu sichern“. (Weiterlesen: SV Tur Abdin und Trainer Höttges trennen sich)

Keller betonte, dass Tur Abdin vor der Höttges-Trennung noch mit keinem anderen Trainer gesprochen habe. Bei der Suche nach einem Nachfolger komme es nicht auf das „wer“, sondern auf das „wie“ an. „Die Frage ist: Wie ist der Trainer beschaffen, damit er zu uns passt?“