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HSG Delmenhorst erwartet TV Neerstedt Haake kritisiert Einstellung einiger Spieler scharf

Von Klaus Erdmann und Frederik Böckmann | 25.11.2016, 20:53 Uhr

Am Samstag erwartet die HSG Delmenhorst den TV Neerstedt zu einem wegweisenden Spiel in der Handball-Oberliga der Männer. HSG-Trainer Andre Haake kritisiert die fehlende Einstellung einiger Spieler. TVN-Coach Jörg Rademacher ist trotz möglicher Ausfälle selbstbewusst: „Wir haben gute Chancen, zwei Punkte aus Delmenhorst mitzunehmen.“

Ja, sagt Andre Haake, Spielertrainer des Handball-Oberligisten HSG Delmenhorst, ja, ein bisschen könne man die Begegnung seiner Mannschaft mit dem benachbarten TV Neerstedt und das Bundesliga-Derby HSV gegen Werder miteinander vergleichen. Aber lange will er sich mit diesem Vergleich nicht aufhalten, denn ihn plagen ganz andere Probleme. „Die Trainingswoche“, betont Haake, „war eine Katastrophe.“ Und das vor einem Spiel, das angesichts der Tabellensituation der Mannschaften mehr ist als nur ein Prestigederby. Die HSG und der TVN stehen sich am Samstag ab 19 Uhr in der Halle am Stadion gegenüber.

Die Hausherren fungieren mit 2:14 Punkten als Schlusslicht. Der Gast nimmt mit 6:10 Zählern Platz neun im 14 Teams umfassenden Feld ein. Die Vorzeichen sind klar: Im Falle eines Sieges würde die HSG den Anschluss herstellen. Im Falle einer Niederlage droht genau dieser (ein wenig) verloren zu gehen.

HSG Delmenhorst mit „katastropher Trainingswoche“

Haake, der mit Werner Rohlfs ein Trainer-Duo bildet, konkretisiert seine für HSG-Fans beunruhigende Aussage von der „katastrophalen Trainingswoche“. Eine optimale Vorbereitung auf dieses wichtige Spiel sähe anders aus. Viele Spieler seien erkrankt gewesen. Nachdenklicher stimmt Teil zwei der Begründung. „Die Einstellung einiger Leute stimmt nicht“, erklärt Haake. „Ich habe nicht dass Gefühl, dass alle wissen, worum es geht. Einige Spieler haben nicht verstanden, dass wir im Abstiegskampf sind.“ Im Training fehle oftmals die Aggressivität. „Das ist eine Einsstellungssache“, unterstreicht der Verantwortliche.

Tugenden wie Disziplin, Kampf und Leidenschaft zählten jetzt mehr als vorher. Wo sieht er die Gründe für die mangelhafte Einstellung einiger Spieler? „Ich kann nicht sagen, woran es liegt“, antwortet Haake. „Ich bin einfach enttäuscht darüber, wie sich einige Spieler präsentieren.“ Im Moment sei man etwas ratlos („Wir Trainer haben viel geredet“). Potenzial, sagt Haake, habe die Mannschaft. Der erwartete Zusatz lässt nicht lange auf sich warten: „Aber was nützt es, wenn sie es nicht abruft?“.

HSG Delmenhorst fehlen weiterhin Philip Freese und Benjamin Janssens

Erwähnte Tugenden seien auch wichtig, um „das Publikum im Rücken zu haben. Trotz des schwachen Abschneidens steht es uns treu zur Seite.“. Eines ist für Haake klar: „Wir brauchen gegen Neerstedt Unterstützung.“ Das gelte gerade für junge Spieler, die eine solche extreme Situation nicht kennen würden.

Die heutigen Gegner kennen sich aus vielen Treffen hingegen bestens. Doch die Partien der Vergangenheit, so Haake, spielten keine Rolle mehr. Um den Anschluss zu halten, müsse die HSG aus den drei Spielen, die sie 2016 noch bestreitet (gegen Neerstedt, in Edewecht und in Bremervörde) vier Punkte holen. Der HSG fehlen die verletzten Philipp Freese (Fußgelenk) und Benjamin Janssens (Knie).

Der TV Neerstedt und seine „letzten Mohikaner“

Neerstedts Trainer Jörg Rademacher deklariert die Partie angesichts der Tabellensituation zum Stresstest für beide Teams. „Beide Mannschaften stehen unter Druck, Delmenhorst noch mehr als wir“, findet der Ex-Profi. Ihm fehlen weiterhin mit Malte Kasper und Leon Linngroen zwei Langzeitverletzte, dazu sind die Einsätze der angeschlagenen Ole Goyert (Schulter) und Andrej Kunz (Fußgelenk) fraglich. Doch Trainer Jörg Rademacher will über seinen seit Saisonbeginn kleinen Kader – seine „letzten Mohikaner“ – nicht jammern. Im Gegenteil.

„Wenn es in unserer ersten Sieben keine Ausfälle gibt, sind wir besser besetzt als Mannschaften, die über uns stehen“, findet Rademacher. Eine Einschätzung, die durchaus ihre Berechtigung hat, wie Neerstedt u.a. beim überzeugenden Sieg über das Spitzenteam SG HC Bremen/Hastedt zeigte.

Neerstedts erste Sieben soll „60 Minuten Vollgas geben“

Im Training geht es beim TVN seit Wochen kaum noch um taktische und individuelle, sondern fast ausschließlich um die physische Komponenten, sprich Ausdauer- und Kraftübungen, damit die Stammformation des TVN durchspielen kann. „Sie soll 60 Minuten Vollgas geben“, betont Rademacher.

Delmenhorst hat er wie alle Gegner im Videostudium und bei eigenen Beobachtungen intensiv unter die Lupe genommen. Die Stärken der HSG? „Das ist der breite Kader“, meint Rademacher. Und die Schwächen des Schlusslichtes? „Die zeigen wir den Zuschauern hoffentlich während des Spiels“, sagt der TVN-Coach mit einem Schmuzeln und glaubt: „Wir haben gute Chancen, zwei Punkte aus Delmenhorst mitzunehmen.“