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HSG Grüppenbühren/Bookholzberg Mit Mut und Risiko gegen die SG Flensburg-Handewitt

Von Frederik Böckmann, Frederik Böckmann | 10.11.2017, 09:38 Uhr

Der nächste prominente Name der deutschen Handball-Szene läuft in der Halle am Ammerweg in Bookholzberg auf: Ab 17 Uhr trifft die HSG Grüppenbühren/Bookholzberg in der A-Jugend-Bundesliga auf die SG Flensburg-Handewitt.

THW Kiel und der SC Magdeburg, der HSV Hamburg und der VfL Bad Schwartau – die A-Jugend-Bundesliga ist in der Staffel Nord bekanntlich gespickt mit mehr als einem halben Dutzend hochkarätigen Namen. Mittendrin, statt nur dabei sind die Handballer der HSG Grüppenbühren/Bookholzberg. Mit zwei Unentschieden und fünf Niederlagen nach den ersten sieben Spielen hat die Mannschaft von Coach Stefan Buß zwar bislang noch keinen Sieg eingefahren.

Doch die Vorfreude beim Ligaletzten auf das nächste Duell gegen ein Schwergewicht der deutschen Handball-Szene ist bei der Landkreis-HSG weiter ungetrübt groß. Am Samstag läuft ab 17 Uhr die SG Flensburg-Handewitt am Ammerweg auf. Und Trainer Buß fordert seine Mannschaft auf, selbstbewusst in die Partie gegen die Talentschmiede aus Schleswig-Holstein zu gehen: „Mutig sein, etwas riskieren – und das Spiel genießen“, lautet die Vorgabe von Buß an seine Jungs. (Weiterlesen: Viele Komplimente für die HSG Grüppenbühren/Bookholzberg)

Flensburg-Handewitt mit zwei Jugend-Olympiasiegern im Kader

Wenn der HSG-Trainer über die Stärken des kommenden Gegners spricht, dann gerät Buß regelrecht ins Schwärmen. Der Kern der Mannschaft gewann in der Saison 2015/2016 die Vizemeisterschaft in der B-Jugend hinter den Füchsen Berlin, was die Qualität der Gäste belegt – auch, wenn sie aktuell nur auf Rang sechs liegen. „Individuell sehr stark“, „verdammt schnell“ und ein erstklassiger Innenblock plus Torwart Johannes Jepsen machen das Spiel von Flensburg-Handewitt aus, erklärt Stefan Buß. Nicht umsonst bekommt Flensburg-Handewitt im Schnitt auch die drittwenigsten Gegentore der Nord-Staffel.

Apropos Jepsen: Der Schlussmann gewann zusammen mit Linkshänder Jaris Tobeler im Sommer mit der DHB-Auswahl Gold bei der Jugend-Olympiade in Ungarn. In internationalen Gefilden unterwegs sind auch Brandur Halgirsson und Hördur Trygvason – für das Nationalteam der Färöer. Nominell der einzige Linksaußen ist Mikkel Ebeling. Der junge Däne hat – der Name verrät es nicht – einen berühmten Onkel. Dabei handelt es sich um SG-Legende Lars Christiansen.

Bei der SG Flensburg-Handewitt geschieht alles im Rahmen der individuellen Weiterentwicklung. „Wir möchten unsere Spieler so weit wie möglich begleiten – im Idealfall bis zur Bundesliga“, betont Michael Jacobsen. Der Däne hat zwar keinen Assistenten an seiner Seite, kann aber auf einen Stab mehrerer Spezialtrainer sowie den Austausch mit den Verantwortlichen im Junior-Team und in der B-Jugend setzen.

„In unserer gut besetzten Bundesliga-Staffel wollen wir natürlich vorne mitmischen“, erklärt Trainer Michael Jacobsen. „Unser Kader hat entsprechende Qualitäten, bei einem anhaltenden Verletzungspech könnte es aber personell eng werden.“

Wichtigstes Ziel: Das Tempospiel von Flensburg-Handewitt unterbinden

Den Schlüssel zum Erfolg im Spiel sieht Buß darin, die Gegenstöße von Flensburg-Handewitt zu unterbinden. „Die gehen Tempo, Tempo, Tempo über ihre dynamischen Spieler“, hat Buß beobachtet. Sei es bei der schnellen Mitte oder über die erste und zweite Welle. „Da werden wir gnadenlos überlaufen, wenn unser Rückzugsverhalten nicht klappt“, ahnt Buß. Um das zu verhindern, sollen seine Spieler ihre Angriffe geduldig und konzentriert ausspielen, dabei aber nicht verkrampfen, sondern offensiv die Abschlüsse suchen.

Klappt das, sieht der HSG-Trainer durchaus gute Möglichkeiten für seine Mannschaft. Denn im gebundenen Spiel haben die Gäste durchaus Probleme. Was auch die 27:29-Niederlage der SG vor zwei Wochen gegen Eintracht Hildesheim belegte. „Leider ist es uns nicht gelungen, mehr Tempo in die Partie zu bringen, um die körperlich robuste Deckung auseinander zu spielen“, haderte Trainer Christiansen auf der SG-Homepage.

„... wir werfen 4000 Pässe weniger pro Woche“

Grundsätzlich sagt Stefan Buß: „Wenn wir die Partie lange ausgeglichen gestalten, könnte ich mir schon vorstellen, dass Flensburg-Handewitt dann etwas nervös wird.“ Dass die Gäste bereits am Freitagabend (18 Uhr) zu Hause auf die Füchse Berlin treffen und keine 24 Stunden später in den Landkreis Oldenburg reisen, „ist sicherlich kein Nachteil für uns“, sagt Buß. Er betont aber auch: „Spieler aus den Nachwuchszentren der Bundesligisten sind es gewohnt, zwei Spiele am Wochenende zu bestreiten.“

Die eigene hohe 19:27-Niederlage vergangene Woche beim HC Empor Rostock mit vielen eigenen technischen Fehlern und Fehlwürfen hat die HSG im Training aufgearbeitet. „Die Jungs wissen ja selber, welche Fehler sie gemacht haben. Das ist ein Lernprozess.“ Man könne nicht mehr wie noch in der Oberliga einfache Chancen verdaddeln, sondern müsse die Konzentration im Spielaufbau und im Abschluss hochhalten. Dass seine Mannschaft mehr technische Fehler produziert als andere Teams dafür hat Buß aber auch diese Erklärung: „Fast alle Mannschaften trainieren häufiger als wir. Da fehlen uns dann im Vergleich schon mal 4000 Pässe pro Woche“, sagt der Coach.

Viele Zuschauer geben Grüppenbühren/Bookholzberg Extra-Kick

Dies dürfte die Fans aus Grüppenbühren und Bookholzberg aber nicht davon abhalten, am Samstag in die Halle am Ammerweg zu strömen. Buß hofft wieder auf rund 300 Zuschauer. Dies gebe seinen Spielern durchaus noch mal den entscheidenden Kick. Wie gegen Rostock fallen bei Grüppenbühren/Bookholzberg Torwart Torben Knop, Außen Bennet Krix (beide verletzt) und Niklas Kowalzik (gesperrt) aus.