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Immer weniger legen Abzeichen ab Sportabzeichen-Reform zeigt in der Region keine Wirkung

Von Richard Schmid | 28.05.2017, 10:41 Uhr

Vor fünf Jahren wurden die Leistungsanforderungen für das Deutsche Sportabzeichen minimiert. Der Effekt, mehr Nichtsportler zu sportlichen Aktivitäten zu motivieren, gelang dennoch nicht. Die Sportbünde Oldenburg-Land und Delmenhorst versuchen deshalb vor allem, die Zusammenarbeit mit den Schulen zu intensivieren.

Seit mehr als 100 Jahren gibt es sie schon, die Olympia-Medaille für jedermann. Gemeint ist das Deutsche Sportabzeichen, das 1912 von dem damaligen Leiter der „Deutschen Sportbehörde für Athletik“, Karl Diem, ins Leben gerufen wurde. Und pünktlich zu diesem 100-jährigen Jubiläum unterwarf der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) den Anforderungen zum Erwerb des Sportabzeichens nach mehrjähriger Vorbereitung einer grundlegenden Reform.

„Ziel war es, durch eine Minderung der Leistungsanforderungen auch Nichtsportler zu animieren, sich sportlich stärker zu betätigen“, weiß Ingolf Bahrs, im Kreissportbund Oldenburg-Land für das Sportabzeichen zuständig, zu berichten. Gleichzeitig seien die Anforderungen für leistungsorientierte Freizeitsportler erhöht worden. „Allerdings“, räumt Bahrs ein, „ist der Effekt Nichtsportler zu mehr sportlicher Aktivität zu motivieren, nicht gelungen“. Zwar hätten 2013 im Gebiet des KSB gut 200 Menschen mehr als im Vorjahr eine Breitensportauszeichnung erhalten, doch seither sei eine stetige Abnahme festzustellen. 2016 waren es noch rund 2500 Absolventen, ein Rückgang von über 650 seit Beginn der Reform.

Auch im Stadtsportbund Delmenhorst geht die Zahl der verliehenen Sportabzeichen zurück

Auch beim Stadtsportbund Delmenhorst (SSB) ist eine ähnliche Tendenz festzustellen, wenn auch in unterschiedlicher Ausprägung. „Die umfassende Reform hat leider nicht das erhoffte Ergebnis gebracht“, sagt Holger Fischer, Vorsitzender des SSB, „2013 wurden im Gebiet des Stadtsportbundes lediglich 501 Abzeichen verliehen, das war gegenüber dem Vorjahr ein Rückgang von 30 Prozent.“

Zwar verzeichne man seither einen Aufwärtstrend (2015 gab es 797 Absolventen), der 2016 jedoch deutlich unterbrochen wurde. Im vergangenen Jahr waren es demnach nur noch 625 Breitensportler, die ein Abzeichen erringen konnten. „Die Abnahme hängt oft an einzelnen Personen. Im vergangenen Jahr ist an einer Schule eine aktive Lehrkraft in den Ruhestand gegangen und schon fand sich niemand, der bei den Schülern das Sportabzeichen abnahm“, erklärt Fischer. Man sei von den Bestwerten früherer Jahre noch weit entfernt. Allein 2007, „also vor der Reform“ (Fischer), sind 1376 Auszeichnungen verliehen worden.

Beim KSB ist man in diesem Jahr bestrebt, die Zusammenarbeit mit den Schulen zu verstärken. „Erste positive Rückmeldungen kann ich bereits vermelden“, berichtet Bahr. Auch gebe es in diesem Jahr wieder einen Sportabzeichen-Wettbewerb für Schulen. In diesem vom Landessportbund durchgeführten und von Sponsoren getragenen Wettbewerb können Schulen finanzielle Mittel erhalten, die zum Erwerb von Sport- und Trainingsgeräten genutzt werden können. Allerdings, so Dieter Holsten, stellvertretender Vorsitzender im KSB, müsse auch vom Kultusministerium mehr Unterstützung kommen, um Sportlehrer stärker zu motivieren. „Da kommt eindeutig zu wenig“, meint Dieter Holsten.

Nur wenige Vereine nehmen überhaupt Sportabzeichen ab

Neben den Schulen sind auch die Vereine gefordert, sich beim Sportabzeichen zu engagieren. Jedoch sind von den vielen Mitgliedsvereinen nur wenige dabei, das Breitensportabzeichen abzunehmen und zu verleihen. Im vergangenen Jahr waren es von 156 Mitgliedsvereinen im KSB lediglich 18, die ein entsprechendes Angebot unterbreiteten. In Delmenhorst sieht es nicht viel anders aus. In sieben der 60 im Stadtsportbund registrierten Vereine ist das Abzeichen erworben worden.

„Es wäre aber falsch, den Vereinen den schwarzen Peter zuzuschieben. Um das Sportabzeichen zu erwerben, bedarf es engagierter Prüferinnen und Prüfer, und die sind rar“, erläutert SSB-Chef Holger Fischer, der zudem beklagt, dass die Bereitschaft sich ehrenamtlich im Sport zu engagieren, überall abnimmt.

Um das Sportabzeichen zu erlangen, müssen entsprechende Prüfungen in vier Grundbereichen abgelegt werden. „Das Sportabzeichen ist quasi wie ein Breitensport-Triathlon, ein Quadroathlon“, sagt Bahrs. So wird die individuelle Fitness in den Bereichen Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit und Koordination geprüft. In welcher Sportart, sei es in der Leichtathletik, beim Turnen, Radfahren oder Schwimmen, die Prüfungen absolviert werden, entscheidet der Sportler selbst. Eine Vereinsmitgliedschaft ist für das Erlangen der Auszeichnung nicht erforderlich.